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Der Jude · 1917-02-01 · Heft 11 (Februar 1917) · p. 716

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Journal
Der Jude
Volume
1 (1916-1917)
Issue
Heft 11 (Februar 1917)
Article
Innere Politik
Date
1917-02-01
Page
716 (sequence 4)
Language
German
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7i6 Kurt Blumenfeld: Innere Politik Gegensatz zu zionistischen Auffassungen nur innerhalb der deutschen Grenzen zur Blüte zu bringen hoffen. Der Wunsch, kampffähig gegen die Zionisten zu werden, führte zur Übernahme von Teilen der zionistischen Terminologie. Gleichzeitig begann auch eine kritische Untersuchung der Elemente des Zionismus. Ist das Judentum national oder sind die Juden nur eine religiöse Gemeinschaft, ist der Zionismus eine jüdische Bewegung oder enthält er unjüdische Wesenskeime, ist Palästina für eine jüdische Siedlung geeignet oder handelt es sich um von gewissenlosen Agitatoren ausgemalte Trugbilder, ist die Theorie des Zionismus geschlossen oder hat sie Lücken, die nicht überbrückt werden können? Diese Fragen wurden oft und immer ernsthafter erörtert; und mancher fand tieferes Interesse am Judentum, das sich ihm hierbei in neuen Formen zeigte. Der innerjüdische Kampf erzeugte auch im anderen Lager Liebe zum Judentum, mit dem man sich beschäftigen mußte, um sich dem unablässigen Ansturm gewachsen zu fühlen. So sind Kreise der nichtzionistischen Jugend unvermerkt in die Peripherie des Zionismus gerückt. Wir freuen uns dieser Entwicklung, die wir durch die Ernsthaftigkeit unserer Arbeit zu fördern hoffen. Denn, mögen Gedanken nicht verstanden werden, Gründe durch Gegengründe entkräftet scheinen: das jüdische Palästina und die Art, wie wir unser Leben zu gestalten versuchen, wird auch auf verbildete jüdische Instinkte wirken. Je nationaler uns unser nationalistischer Wille machen wird, um so weniger kann es tiefer empfindenden Menschen mit nichtzionistischen Vorstellungen genügen, uns begrifflich abzulehnen. Manche Anzeichen sprechen dafür, daß wir heute schon besser verstanden werden. Während des Krieges haben wir auffallend oft aus Briefen erfahren, daß junge Juden, die uns fern standen, sich der Gemeinschaft des jüdischen Volkes näher verbunden t haben und uns suchen. Symptomatisch erscheinen uns auch die Verhandlungen der nichtzionistischen Jüdischen Jugendvereine in Düsseldorf, die vor einigen Wochen stattfanden. Dort sah sich der Vorsitzende zu der Bemerkung veranlaßt: „Wir anderen kommen ohne die Zionisten nicht aus, und die Zionisten können ohne die anderen nichts erreichen." Denen, die den Wunsch nach uns haben, werden wir freudig die Hand reichen. Wir fragen nicht, ob wir ihrer Hilfe bedürfen. Wir sind kein Verband, der ein bestimmtes Werk zu einem festgesetzten Ende zu bringen hat. Wir selbst, das jüdische Volk, sind Werkleute und Werk zugleich. Jeden, der uns helfen will, betrachten wir als einen, der den Willen hat, sich seiner jüdischen Gemeinschaft als tätiges Glied um seines eigenen Judentums willen einzufügen. Ist auch ein Ausgleich mit den Organisationen des deutschen Judentums denkbar, in denen die Führer der alten Generation sitzen? Nicht Übertreibungen oder der böse Wille streitsüchtiger Elemente verhindern es, daß eine Verständigungskonferenz zustande kommt, bei der alle um einen Tisch sitzen und sich von ihren Programmen zum Wohle einer höheren Gemeinsamkeit etwas abhandeln. Es wird nicht viele Zionisten geben, die sich vorstellen können, „daß auch die Assimilationspartei der Erhaltung und Förderung des jüdischen Volkes dienen soll" und daß die zionistische Idee nicht das ganze Judentum umfaßt, sondern „durch einseitige Palästinapolitik nur einen kleinen Teil des jüdischen Volkes vom Untergang rettet". (Vgl. den Artikel von Dr. M. J. Bodenheimer „Das jüdische Volk und seine Parteien" im Dezemberheft.) Wie auf der anderen Seite der „Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" bei der

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