Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 1 (1916-1917)
- Issue
- Heft 11 (Februar 1917)
- Article
- Innere Politik
- Date
- 1917-02-01
- Page
- 717 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Max Brod: Franz Werf eis „Christliche Sendung" 717 Erfüllung seiner „Aufgaben in und nach dem Kriege" zum Zionismus zu stehen hofft, hat er am 4. Februar in seiner Hauptversammlung durch Herrn Geheimrat Fuchs mitgeteilt: er erwartet, das deutsche Judentum werde „der gefährlichen nationalistischen Bewegung Herr werden, die sich im Zionismus verkörpert". Zwischen den Lebensanschauungen des zionistischen und des anderen Lagers kann es eine Verständigung der Natur nach nicht geben. Es ist jedoch durchaus möglich, daß die zionistische Organisation sich mit anderen jüdischen Organisationen zu bestimmten Zwecken verbündet. Solche allen erwünschte Ziele gibt es. Wer es für wertvoll hält, sie mit uns im Bunde zu erreichen, kann unserer Bündnistreue gewiß sein. z. Zt. Danzig Kurt Blumenfeld FRANZ WERFELS „CHRISTLICHE SENDUNG" Im 7. Heft des „Juden" habe ich gesagt, daß eine neue Gnosis oder ein Neuchristentum unserer jungen jüdischen Literaten unterwegs ist (vgl. meinen Essay „Unsere Literaten und die Gemeinschaft"). Das nicht nur für mich, sondern für jeden leicht Vorhersehbare ist einge^ troffen. Franz Werfel hat im Januarheft der „Neuen Rundschau": 1917 seineii offenen Brief an Kurt Hiller „Die christliche Sendung" veröffentlicht. Es ist nun wieder leicht zu prophezeien, daß in diesem Essay die neuchristlich-jüdischen, heute noch diffusen Tendierungen unserer Jugend ihren Kristallisationsmittelpunkt finden werden. Um dieser Gefahr willen ergreife ich hier das Wort, um mit dem stumpfen Instrument der Sprache (unter deren Lüge ich ebenso tief leide wie mein Freund Werfel) drohende Mißverstände abzuwehren, so gut es eben geht. Denn ein anderes Instrument als die Sprache haben wir ja nicht. — Oder doch? —1 Davon zum Schluß! Um aber diesmal endlich zur Klarheit, mindestens zu der mir und meinen schwachen Mitteln eben noch erreichbaren Klarheit zu gelangen, darf ich vor hantt* festen Formulierungen nicht zurückscheuen, muß den Gegensatz schärfer herausarbeiten, muß das, was Werfel und mich im Geiste verbindet, zurückstellen. Immer mit dem Vorbehalt, daß nur der mich versteht, der mich verstehen will. Mit diesem Vorbehalt sage ich: daß. die Aufstellungen Werf eis 1. nicht richtig und in sich widerspruchsvoll, 2. gar nicht „christlich" sind. Der Streit, ob eine Ansicht „jüdisch" oder „christlich" genannt werden kann, scheint ein bloß terminologischer zu sein. Ist es aber nicht. Denn an jedem der beiden Worte hängen ganze Nebelschwaden von Assoziationen, mehr noch: große Kontinente realer Beziehungen zu Menschen und Völkern. Um dieser Nebenwirkungen willen muß neben dem ethischen Streit auch der „Wortstreit" ausgetragen werden. 1. Erstens: nicht richtig. Werfeis „christliche Sendung" gibt sich äußerlich als Polemik gegen Kurt Hillers Aktivismus. Bekämpft aber nicht ihn, sondern einen Popanz, eine Karikatur des Aktivismus. Werfel definiert: „Aktivistische Politik wäre demnach das Streben^