Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 1 (1916-1917)
- Issue
- Heft 11 (Februar 1917)
- Article
- Innere Politik
- Date
- 1917-02-01
- Page
- 715 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Innere Politik _ ---__._ 715 sich in eigenartiger Weise entwickelt haben. Er wurde für seine Anhänger zum Problem der eigenen Persönlichkeit und zur Frage des jüdischen Lebens der judischen Gemeinschaft Er blieb nicht, nur Gedanke, er wurde Tat durch die vielfältigen Forderungen, die er an das Leben seiner Anhänger stellte Sich selbst erziehen und die Jugend erziehen, damit sie Palästina näher komme* das hebräische Leben der neuen Siedelung in Palästina verstünde und den Zusammenhang mit den Juden des Ostens wahrhaft herstellen könne, das wurde Aufgabe der Zionisten. Die Zionisten hatten sich während der Kämpfe mit den anderen Juden fast völlig isoliert. Man mußte allein sein, um zur Klarheit und Sicherheit zu kommen. Auf das wertvolle Erziehungsmittel des Einhaltens einer politischen Linie konnte nicht verzichtet werden. Heute ist die zionistische Gemeinschaft der feste Bund der nationalen Juden, der, durch den Weltkrieg nicht gelockert, jeder Belastungsprobe gewachsen ist. Die Zeit des Anfangs, die nur gedankliche Auseinandersetzung mit den Juden des anderen Lagers, ist vorüber. Es ist nicht mehr notwendig, sich im Kampf gegen andere durchzusetzen. Wir haben an der Polemik kein Interesse. Sieg im Kampfe gegen die Assimilation verheißt uns nur ein in unserer Gemeinschaft geführtes zionistisches Leben. Die durch einen entschiedenen Nationalismus kraftvoll gewordene Bewegung kann heute mit ruhiger Gelassenheit Umschau halten. Da scheint es uns, daß während der Kämpfe gegen den Zionismus im anderen Lager eine jüdische Entwicklung begonnen hat. Neben den Assimilanten aus bewußter Tendenz stand die große Masse der sich willenlos vom Strom des Geschehens tragen lassenden Gewohnheitsjuden. Ihnen genügte das Dahinleben unter Verhältnissen, die sie als notwendiges Schicksal hinnahmen. Der entstehende Zionismus erregte ihren Unwillen Er verlangte Stellungnahme von den Juden, er trug die Judenfrage in die Öffentlichkeit, vor der man sein Judentum möglichst verborgen hatte. Die programmatischen Ziele des Zionismus störten jene Kreise im Grunde nicht; es war ihnen gleichgültig, ob ein jüdisches Gemeinwesen in Palästina geschaffen würde. Der Zionismus erschien aber als eine Gefahr für die deutschen Juden, die ihr Leben auf der Grundlage der Anerkennung der gewordenen jüdischen Verhältnisse aufgebaut hatten. Der Kampf, für den man nicht gerüstet war, begann in groben Formen. Man rief nach Ausnahmegesetzen, versuchte die Zionisten auf jede Weise der nichtjüdischen Welt verdächtig zu machen, man wandte die Methoden an, die von den entschiedenen Assimilanten auch heute noch mit dem immer gleichen Mißerfolg geübt werden. Zu einer jüdischen Auseinandersetzung kam es selten; man mied die Versammlungen, in denen über Zionismus gesprochen wurde. Als aber der Zionismus Anhänger unter deutschen Juden fand und erhebliche Kreise der akademischen Jugend gewann, wurde die Unzulänglichkeit der primitiven Waffen, mit denen die zionistische Bewegung überwunden werden sollte, offenbar. Der Zionismus trat mit dem Anspruch auf, das Judentum zu sein. Nur mit jüdischen Gründen war die Grundlosigkeit der zionistischen Anschauung zu erweisen. Die Gegner begannen zu behaupten, sie seien nicht nur gute Juden, die stolz auf ihr Judentum sind, sie seien auch entschlossen, an der Entwicklung eines lebendigen Judentums zu arbeiten, das sie allerdings im