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Der Jude · 1917-02-01 · Heft 11 (Februar 1917) · p. 714

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Journal
Der Jude
Volume
1 (1916-1917)
Issue
Heft 11 (Februar 1917)
Article
Innere Politik
Date
1917-02-01
Page
714 (sequence 2)
Language
German
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7*4 Kurt Blumenfeld: heute nur einen Teil des jüdischen Volkes umfaßt. In den Kämpfen, die der Zionismus mit anderen jüdischen Gruppen geführt hat, kam es immer darauf an, darzulegen, daß nicht nur ein kleiner Teil des jüdischen Volkes durch die „einseitige Palästinapolitik" vom Untergang gerettet würde, sondern daß der jüdischen Gesamtheit dadurch zu einem neuen Leben verholfen wird. Die einheitliche Lösung der Judenfrage ist die Erfüllung des Zionismus. Im andenen Lager sitzen zahlreiche Parteien. Sie sind bei aller Verschiedenheit durch die Auffassung verknüpft, daß die Zerstreuung der Juden den Normalzustand darstelle, und sind demgemäß bemüht, sich in den Ländern einzurichten, die ihnen nicht nur Vaterland, sondern auch jüdische Heimat geworden sind. Ihre Tendenz ist der Ausgleich mit der Umgebung. Die Stellung zu Zion weist dem Juden seinen Platz in einem der beiden großen jüdischen Lebenskreise an. Zion ist das Symbol der Einheit; die anderen sind Nichtzionisten. Sie sind negativ bestimmt durch ihre Stellung zur nichtjüdischen Welt. Gewiß gibt es unter den Nichtzionisten manche Schattierungen wie natürlich auch unter den Zionisten. Es sei hier zunächst einmal — um Klarheit in der Frage von der Einheit des jüdischen Volkskörpers zu schaffen — der grundsätzliche Unterschied gezeigt. Um die Programme ging bisher der Kampf, denn beide Lager waren stark durch ihre Tendenz. Nicht so sehr das Sein schied sie wie das Wollen. Zionisten und Nichtzionisten waren von ihrem Ziel gleich weit entfernt. Die Zionisten sahen, daß dem jüdischen Volk zum vollen nationalen Sein noch alles fehlte und daß nur ihr nationalistisches Streben ihnen Ersatz gab für die mangelnden jüdischen Inhalte ihres Lebens, und die Nichtzionisten wußten, daß sie trotz des Lebens mit den Völkern noch keinem Volk genug getan hatten in den Beweisen ihrer nationalen Gesinnung, ihrer politischen Zuverlässigkeit, ihres Mangels an jüdischen Eigenschaften, und waren deshalb um so eifriger bemüht, durch immer erneute Assimilationsversuche zu einer befriedigenden Formel für sich zu gelangen. Zionismus und Assimilation standen sich als Tendenzen gegenüber mit der Kraft des Gedankens und des Willens, aber die Träger beider Tendenzen hatten im Grunde das gleiche Leben geführt. Die Zionisten lösten sich unter schweren Kämpfen von der Assimilation los. Ihr Auftreten begann mit der Auseinandersetzung mit den Assimilanten. Pinskers und Herzls stärkste Wirkung war der Kampfruf des adeligen Juden, der sich aufbäumt gegen die Trostlosigkeit des jüdischen Lebens. Als der Feind Mauscheis führte Herzl den Kampf, und Mauschel war Antizionist. In heftigen Reibungen mit dem nichtzionistischen Judentum wuchs die Bewegung. Alle Kräfte wurden gebraucht, um gegenüber den anderen die Wahrheit des zionistischen Gedankens zu verkünden, das Judentum aus seiner Sorglosigkeit aufzurütteln und sich gegen unrichtige Beschuldigungen zu verteidigen. Den Weckruf ließ die zionistische Bewegung erschallen. Unablässige Propaganda in der jüdischen Öffentlichkeit war ihr wichtigstes Tun. Die Propaganda brachte dauernde leidenschaftliche Auseinandersetzung und schuf die scharfe organisatorische Trennung zwischen beiden Lagern. Diese Periode der Loslösung hat ihren Abschluß gefunden. Es ist dem Zionismus gelungen, seine Anhänger zur Lebensgemeinschaft durch eine einheitliche Lebensanschauung zusammenzuschließen. Er schuf sich Jugendorganisationen, die

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