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Der Jude · 1917-02-01 · Heft 11 (Februar 1917) · p. 713

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Journal
Der Jude
Volume
1 (1916-1917)
Issue
Heft 11 (Februar 1917)
Article
Innere Politik
Date
1917-02-01
Page
713 (sequence 1)
Language
German
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INNERE POLITIK Zur jüdischen Entwicklung in Deutschland Der Kampf zwischen der zionistischen Bewegung und ihren jüdischen Gegnern in Deutschland wird als Streit zweier jüdischer Parteien aufgefaßt. Die Vorstellung von politischen Parteikämpfen gibt das Urteil für das Verhalten dieser Gruppen zueinander. Warum sollen in Zwietracht lebende Parteien des gleichen Volkes sich nicht zusammensetzen, Frieden schließen und ihre Arbeit zum Wohle der Gesamtheit vereinigen? Die „klingenden Phrasen" des Parteikampfes würden dann durch praktische volkstümliche Arbeit ersetzt werden, und alle würden in ihrem Schaffen durch das beruhigende Bewußtsein gestärkt werden, daß das Wohl der Gesamtheit des Volks wertvoller ist als die Verteidigung der Sonderinteressen einer Partei. Der innere Kampf wird von der großen Mehrheit des jüdischen Volkes in jedem Falle für ein Übel gehalten. Ist er entstanden, dann wird er auf Mißverständnisse und Verstöße in der Form zurückgeführt Der unglückliche Zufall bekommt die Schuld, auch wenn unabwendbare Notwendigkeit den Kampf erzwang. Voraussetzung für friedliches Zusammenleben ist Gemeinsamkeit, mag sie auch auf einen kleinen Bezirk beschränkt sein. Im jüdischen Volk besteht diese Gemeinsamkeit der auf Grund von politischen Programmen zusammengeschlossenen Gruppen nicht. Ein erheblicher Teil des jüdischen Volkes leugnet, daß dieses Volk ein Volk ist. Durch Gesinnung und Leben versuchen sie, die Bande, die sie mit der Judenheit der Welt verknüpfen, zu lösen oder bestenfalls nur mit den Juden des gleichen Staates, in dem sie leben, die Gemeinschaft aufrecht zu erhalten. In zwei Lager ist das jüdische Volk geteilt. Das eine setzt sich mit der Umwelt auseinander, das andere mit dem Judentum. Im zionistischen Lager ist die Rücksicht auf das Judentum das oberste Gesetz. Das Judentum verdorrte; seit Jahrhunderten war seine Schöpferkraft erlahmt, seit Menschenaltern seine Einheit aufs schwerste bedroht Der Glaube an die Auserwähltheit, der Wille zum Sonderdasein war geschwunden, der stahlharte Widerstand des jüdischen Lebens gegen die Verlockungen der Umwelt war gebrochen. Die jüdischen Erinnerungen gerieten in Vergessenheit Man vertraute nicht mehr dem Segen der Väter, sondern den Segnungen der europäischen Kultur. Als sogar schon das Bewußtsein verdämmerte, daß man das wertvollste Gut der eigenen Persönlichkeit hingab für die Aussicht, sich einer neuen Gemeinschaft einfügen zu dürfen, da entstand der Zionismus als die neue Form des alten Judentums, um dem Erbe der Väter die Zukunft zu erkämpfen und die Einheit des Volkes wieder herzustellen, die von den anderen zerschlagen worden war. Die zionistische Bewegung ist das um seine Einheit kämpfende Judentum. Sie hat es daher immer abgelehnt, den Namen einer Partei zu führen, trotzdem sie

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