Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 1 (1916-1917)
- Issue
- Heft 10 (Januar 1917)
- Article
- Jüdische Ackerbaukolonien
- Date
- 1917-01-01
- Page
- 711 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Daten und Materialien 711 mar-Hajarden im gleichen Jahr ist auf dieselbe Ursache zurückzuführen. Hier arbeiteten nämlich auch vier Kolonisten nicht, und die bestellte Fläche fiel daher von 320 ha auf 279 ha, vergleiche Seite 203 meines Buches. Die bisherigen Ergänzungen der Tabelle sind noch längst nicht vollständig; wer die wirklichen Ursachen der schwankenden Erträgnisse in den einzelnen Jahren kennen lernen will, den verweise ich auf die schon vorher genannten detaillierten Angaben. Nur so viel sei bemerkt, daß Ernteerträgnis-Tabellen ohne mindestens die gleichzeitige Angabe der Zahl der jeweilig vorhandenen Kolonisten und der von ihnen bestellten Fläche naturgemäß kein richtiges Bild der Ertragssteigerung oder Nichtertragsfähigkeit des palästinensischen Bodens geben können. Völlig fehlt außerdem der zuerst erwähnte Punkt 3, die Anführung des in den vier genannten Kolonien vorhandenen Viehbestandes. Auch dieser sei zur Ergänzung wenigstens für ein Jahr hier angegeben. Tabelle III (nach Nawratzki). Tierbestand in den vier Kolonien 1912. Rosch-Pinah Jessod- Hamaalah Metullah; Michmar- Hajarden Pferde ......... 49 44 26 22 22 14 6 Esel..........1 152 78 76 39 62 10 29 22 Kühe......... 119 59 82 24 Kälber......... 145 63 52 34 Schafe......... 241 89 109 92 152 11 58 108 Zahl der Nutztiere .... 657 222 301 258 „ Kolonisten.... 4i 30 35 17 Es wird wohl niemand behaupten wollen, daß der in Anbetracht der Zahl der Kolonisten beträchtliche Tierbestand — entfielen doch allein an Kühen und Kälbern auf einen Kolonisten 4—6 Tiere im Durchschnitt, ungerechnet der Schafe und Ziegen — den Kolonisten gar keine Überschüsse bringe. Außer den Erträgen an Fleisch, Milch und Butter, die in der eigenen Wirtschaft verbraucht werden, werden, wenn auch nicht erhebliche, Bareinnahmen aus der Aufzucht erzielt. Ganz außer acht gelassen sind außerdem die in diesen Kolonien vorhandenen Nebeneinnahmen aus Geflügel und Gemüse. Es ist nun zweifellos richtig, daß gerade die Viehzucht und die Nebenzweige der Landwirtschaft auch in den jüdischen Ackerbaukolonien ganz allgemein noch außerordentlich vernachlässigt werden. Aber wie es fast durchgehend in Angaben über Palästina geschieht, anzunehmen, daß z. B. ein Tierbestand in diesen Kolonien überhaupt nicht vorhanden sei, ist grundfalsch; nicht an der Quantität fehlt es, sondern an der Qualität. Selbstverständlich jedoch geben die vorhandenen Bestände einen, wenn auch verhältnismäßig geringen Ertrag, der aber, falls man ein richtiges Bild der jüdischen Ackerbaukolonien gewinnen will, unter keinen Umständen ganz außer acht gelassen werden darf. Ich glaube, mit dem bisher Gesagten gezeigt zu haben, daß es, wenn auch ein weitverbreiteter, so doch absolut unrichtiger Standpunkt ist, anzunehmen, daß die jüdischen Ackerbaukolonien noch auf der Stufe der fellachischen Wirtschaften stehen. Der arabische Betrieb in Syrien und Palästina produziert pro Hektar 3—7 dz Sommer- und Winterfrüchte, der mittlere Ertrag dürfte vielleicht mit 4—5 dz anzunehmen sein, d. h. den ca. 3—4 fachen Teil der Aussaat. Er ist also etwas höher als der der arabischen ähnlichen Betriebe in Algier, der bei Weizen 3 dz, bei Gerste ca. 6 dz im Durchschnitt der letzten fünf Jahre betrug. Die jüdischen Ackerbaukolonisten übernehmen den Boden von den arabischen Fellachen fast ausnahmslos in völlig erschöpftem Zustand. Die aufgewendeten Meliorationen und die bessere Kultivierung machen sich nach einigen Jahren wenn auch langsam, so doch sehr deutlich bemerkbar. Um dieses