Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 1 (1916-1917)
- Issue
- Heft 10 (Januar 1917)
- Article
- Jüdische Ackerbaukolonien
- Date
- 1917-01-01
- Page
- 712 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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712 Daten und Materialien nachzuweisen war ich vor allen Dingen in meiner früheren bereits erwähnten Arbeit bemüht, zu zeigen, wie sich die Ernteergebnisse je nach dem Alter der ackerbautreibenden Kolonien pro Hektar günstiger gestalten. Der ursprünglich vorhandene Ertrag von 5 dz wird fast ausnahmslos nach einer Übergangszeit überschritten. Heute liegt bei den älteren Kolonien, z. B. Chederah oder Sichron Jacob, der Weizenertrag pro Hektar zwischen 10 und 11 dz, der von Gerste zwischen 13 und 14. Die etwas jüngeren Kolonien in Untergaliläa z. B. haben fast allgemein einen Ertrag zwischen 6 und 10 dz, dabei ist der Ertrag in fast allen Kolonien ständig steigend, abgesehen vielleicht gerade von den vier so ausführlich von Schulmann geschilderten Kolonien Obergaliläas, bei denen übrigens die JCA-Berichte behaupten, daß die Hauptschuld nicht an der Unergiebigkeit des Bodens läge, sondern an der Ungeeignetheit der Kolonisten. Überhaupt sind die Ernteerträge der jüdischen Kolonien, besonders wenn man die etwas älteren betrachtet, die, da hier die Meliorationen erst wirksam sind, zeigen, was der Boden herzugeben imstande ist, gar nicht so ungünstig im Vergleich zur Weltproduktion. Im gutenjahri9i3warindiesen älteren Kolonien der Weizenertrag ungefähr eben so hoch wie im gleichen Jahr in Rumänien, viel höher als in Argentinien, Rußland und den Vereinigten Staaten, Spanien usw. Argentinien z. B. hatte nur einen Weizenertrag von 4,7 dz 1913 (im Durchschnitt 6,9 des letzten Jahrfünfts) > Auch der Gersteertrag war in demselben Jahr in den älteren Kolonien selbst höher als der von Frankreich, außerdem höher als in den bereits genannten Ländern. Im Jahre 1913 hatten überhaupt nur 2 Kolonien einen niedrigeren Ertrag als 10 dz pro Hektar und darunter befand sich außerdem eine ganz junge Gründung. Die übrigen hatten einen Ertrag pro Hektar bis zu 15 dz, allerdings handelt es sich hier um ein gutes Gerstejahr*). *) Die Aufstellung von Durch Schnitts - erträgen für die jüdischen Ackerbaukolo- Die verschiedenen und oft wiederkehrenden, zum Teil sich widersprechenden Angaben über die Ergiebigkeit palästinensischer Böden rühren meist daher, daß die Ernteerträgnisangaben fast immer in palästinensischen Hohlmaßen, in Kel, gemacht werden, nun aber hat das palästinensische Kel nicht nur für jede Frucht infolge ihres verschiedenen Volumens eine andere Gewichtsgrenze, sondern es wird außerdem noch als Maß für eine Größe von 20 bis 30 kg, sowie auch für 80 bis 90 kg gebraucht. Man kann sich also vorstellen, daß Ernteergebnisangaben in Kel, wenn man sie in Doppelzentner umrechnet, Fehler bis zu 400 °/0 ergeben können, und das ist leider oft der Fall. Es wäre daher für die Zukunft, wie es die JCA. bereits neuerdings tut, durchaus zu fordern, daß alle palästinensischen Angaben in den jüdischen Kolonien in dem internationalen Maß, dem Doppelzentner, resp. dem Hektoliter gemacht werden müssen. Meine Angaben sollten nur bezwecken, das Vorurteil der vorhandenen Unrentabilität des palästinensischen jüdischen Ackerbaues zu beseitigen, besonders wo es sich auf falsch ausgelegtes Zahlenmaterial stützt. Weshalb die Kolonien ökonomisch gefährdet sind, habe ich eingangs erwähnt. Wenn nun auch die Ertragssteigerung pro Jahr bereits erfreulich ist, so möchte ich doch betonen, daß gerade unter den besonderen Verhältnissen der Türkei nur eine diesen Verhältnissen mindestens vorläufig angepaßte Landwirtschaft rentabel sein kann. Eine weitere Ausgestaltung der Viehzucht und der damit verbundenen Düngerproduktion ist natürlich außerdem durchaus notwendig, diese wie eine noch weitergehende verbesserte Kultivierungsmethode wird außerdem selbstverständlich noch dazu beitragen, die Erträgnisse weiterhin zu steigern. ____ Curt Nawratzki nien ist unrichtig, da sie dazu zu jung resp. zu verschiedenen Alters sind, man kann nur so ein Bild der durchschnittlichen Ertragssteigerung erhalten, indem man z. B. die Erträge von Kolonien gleichen Alters in ungefähr je dreijährigen Perioden zusammenfaßt. Für die Redaktion verantwortlich: Dr. Max Mayer, Berlin W 15, Düsseldorfer Straße 23. — Für Österreich - Ungarn: Dr. M. Präger, Wien I, Rotenturmstraße 22. — Verlag von R. Löwit, Berlin und Wien. — Druck von Oscar Brandstetter in Leipzig.