Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 1 (1916-1917)
- Issue
- Heft 10 (Januar 1917)
- Article
- Jüdische Ackerbaukolonien
- Date
- 1917-01-01
- Page
- 709 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Daten und Materialien 709 durch den besseren Ausfall der Sommerfrüchte ausgeglichen werden, bzw. umgekehrt. Noch gefährlicher in ihren Schlußfolgerungen sind aber die Tabellen, die Schulmann, wenn ich nicht irre, nach der landwirtschaftlichen Zeitschrift Hachakiei zusammenstellt. Auf S. 76 befinden sich nämlich folgende Angaben über die vier obergaliläischen Kolonien. Tabelle I. Tabelle nach Schulmann „Zur türkischen Agrarfrage" (S. 76). Kolonie Rosch-Pinah . . . Rohertrag . . . Reinertrag . . . Jessod-Hamaalah . Rohertrag . . . Reinertrag . . . Metullah..... Rohertrag . . . Reinertrag. . . Michmar-Hajarden Rohertrag . . . Reinertrag . 1907/08 1908/09 1909/10 1910/11 1911/12 147 903 63 029 142 368 58 946 125368 48096 116 408 49 298 109 166 37 423 89526 44 926 82 822 41 807 26 013 10 713 61 918 27 908 64485 30 151 74759 37678 69 685 39 299 59 463 21 703 57 983 25 732 34 649 11 528 29 777 12473 35 224 16 861 27 453 11 765 30 in 8441 23518 8431 „Man sieht, wie der Boden durch den fortwährenden Raubbau an Ertragsfähigkeit verliert. Wenn dieser abnehmende Bodenertrag in den fellachischen Dörfern nicht zum Vorschein kommt, so ist es nur aus dem Grunde, weil jede Buchführung fehlt und weil der Fellache mit all seinen Hausgenossen auf dem Felde beschäftigt ist, ohne die Arbeitskraft in die Spalte der Ausgaben einzurechnen."(1) Das ist aber ein Trugschluß Schulmanns. Wer diesen Tabellen-Kommentar liest, kann sich dem Eindruck nicht verschließen, daß scheinbar auch in den jüdischen Kolonien die Landwirtschaft genau in derselben extensiven Weise betrieben wird, wie in den arabischen Dörfern, und daß auch tatsächlich der Boden in seiner Ertragsfähigkeit dauernd im Laufe der Jahre abnimmt. Wie ist es nun aber in Wirklichkeit? Schulmann übersieht eine ganze Reihe von Faktoren, die zur Erläuterung dieser Tabellen notwendig sind: 1. kennt er nur die Ertragszahlen bis zum Jahre 1912; 2. untersucht er gar nicht, ob die verminderten Erträge in den einzelnen Jahren nicht etwa mindestens teilweise auf eine verkleinerte Anbaufläche in den Kolonien bzw. auf eine geringere Anzahl von Kolonisten zurückzuführen ist; 3. läßt er vollkommen außer acht, daß die genannten Kolonien einen außerordentlich starken, wenn auch, wie gleich hervorgehoben werden soll, schlechtgehaltenen Viehbestand aufweisen, der, wenn auch geringe, so doch nicht gänzlich zu übersehende Erträge den Kolonisten abwirft. Die drei eben erwähnten Punkte verändern nun aber in der Tat das Bild der Ertragsfähigkeit selbst der angeführten obergaliläischen Kolonien. Ich möchte ganz besonders hervorheben, daß die vier obergaliläischen Kolonien in Palästina, daz. T. ca. 800—1000m über dem Tiberiassee hoch im Gebirge, zu den verkehrsgeographisch am ungünstigsten liegenden jüdischen Siedlungen gehören, und daß daher gerade ihr ökonomischer Zustand schlechter ist als der der übrigen zahlreichen Ackerbaukolonien in Untergaliläa und Samaria. Trotzdem also die vier genannten Kolonien zu den relativ schlechtesten gehören, also nicht einmal als typische Beispiele zu werten sind, gibt diese Art der tabellarischen Ernteergebnisse noch dazu ein völlig falsches Bild. Ich bringe daher im nachfolgenden die bis auf 1913 ergänzten Tabellen meines Buches*), die, wie man sieht, in bezug auf die Zahlen der Ernteergebnisse nur ganz unwesentlich von denen Schulmanns abweichen (soweit sie bei ihm vorhanden sind). Auf die geringen Abweichungen in den in beiden Tabellen *) Dr. Curt Nawratzki, Die jüdische Kolonisation Palästinas. München 1914, 535 S-> geb. 12 Mk.