Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 1 (1916-1917)
- Issue
- Heft 10 (Januar 1917)
- Article
- Jüdische Volkslieder
- Date
- 1917-01-01
- Page
- 693 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 85% known words query
- IRI
…/3101111-3101112-8875893-3101472--0965-3101549- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Jüdische Volkslieder 693 Seh, Nechamele, effen mir! — 'ch hob Meire far main Muhmen 1 — Seh, Nechamele, effen mir, 'ch wel schoin mehr nit kummen! Sieh, Nechamele, öffne mirl — Was wird die Muhme sagen? — Sieh, Nechamele, öffne mir, — Ich werde dich nicht mehr plagen. Der Verschmähte. Mamenju, Kreinele, Harzele, Schwaig schoin a Wailinke still! Lesch in mir main hellischen Faier Un gib mir schoin wemen ich will! Ich hob sich aingeliebt in aschainMeidele, Schein wie Rendel-Gold; Ihr, Mamenju, hob ich doch geliebt Un ihr hob ich take gewollt! Spazieren, Dusches-Leben, sainen mir gegangen Arum un arum dem Bulwar; Alle Bochurim spielen doch Liebes, Un ich bin geblieben a Narr. Spazieren, Dusches-Leben, sainen mir gegangen Arum un arum dem Gros; Un wos far a-n-Umchein hostu af mir geworfen, Gewald, ich weiß nit far wos! Spazieren, Dusches-Leben, sainen mir gegangen A Hand varleigt auf a Hand; As ich nehm sich dermonen a du binst nit main, Schlog ich sich Kop on der Wand. Oi, a Cholem hot sich mir gecholemt Un a Cholem hot sich mir gedacht; Die rosinke Bäckelech mit die schwarzinke Eigelech Hoben mir krank gemacht! (Übertragung:) Mütterchen, Liebling, Krönchen, Herzchen, Schweig schon ein Weilchen still! Lösch in mir aus mein höllisches Feuer Und gib mir schon, wen ich will. Ich hab mich verliebt in ein schönes Mädchen, Schön wie das schönste Gold, Sie, Mütterchen, hab ich wahrhaftig geliebt Und sie nur wahrhaftig gewollt. Spazieren, 0 Seele mein, sind wir gegangen, Rundherum den Boulevard, Alle Jünglinge kennen die Liebe, Und ich bin geblieben der Narr. Spazieren, o Seele mein, bin ich gegangen, Rund um den Rasen mit ihr, 0 welch einen Abscheu hast du auf mich geworfen, Weh, weh, ich weiß nicht wofür. Spazieren, o Seele mein, sind wir gegangen, Die Hand gelegt in die Hand, Besinne ich mich, du bist nicht mehr mein, Schlag ich meinen Kopf an die Wand. 0 welch einen Traum hab ich geträumt, 0 welch einen Traum gedacht, Die rötlichen Wangen, die schwarz-süßen Augen, Sie haben mich krank gemacht.