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Der Jude · 1917-01-01 · Heft 10 (Januar 1917) · p. 656

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Journal
Der Jude
Volume
1 (1916-1917)
Issue
Heft 10 (Januar 1917)
Article
Vom Gemeinschaftsleben der Chassidim
Date
1917-01-01
Page
656 (sequence 8)
Language
German
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656 S. A. Horodezky: verfaßt haben, möge man sich fernhalten, sie schaden dem Glauben/' Eines der Gebete des Rabbi Nachman lautet: „Laß es mir vergönnt sein, dir in Wahrheit, in Einfalt und vollkommener Einfachheit ohne jegliches Wissen zu dienen. Hüte mich und verschone mich in deinem großen Erbarmen vor Forschungen und fremden Wissenschaften. Erbarme dich meiner und ganz Israels und beglücke mich in deiner großen Gnade mit wahrer Einfalt!" Die Brazlawer Chassidim leben zumeist kümmerlich und sind sehr genügsam, denn ihr Lehrer hat ihnen befohlen, den Haushalt nach der Stunde und der Zeit einzurichten. Lieber sich und seinen Hausgenossen etwas schuldig bleiben, als dem Krämer oder anderen, „denn das diesseitige Leben ist ja das Leben einer Stunde, ein Leben, das nicht verdient, daß man sich damit viel beschäftige", „Alle sagen, es gibt ein Diesseits. Hier gibt es keines, hier gibt es nur eine Hölle voll großer Schmerzen. Der Tote lacht gewiß über die, welche ihm nachweinen. Es ist ja, als würde man ihm zurufen: wie gut wäre es gewesen, wenn du noch länger in dieser Welt geblieben, noch größere Leiden gelitten, noch mehr von den Bitternissen dieser Welt gekostet hättest!" Die Wahrheitsliebe ist einer der höchsten Grundsätze der Brazlawer Chassidim. Sie beschränken sich in ihren Reden auf das Notwendigste, um nicht zu einer Lüge verleitet zu werden. Auch die Notlüge ist verboten. „Lieber sterben, als ein Lügner in den Augen der Menschen sein." Auch das Gott vertrauen ist bei ihnen sehr stark entwickelt. Denn also hat ihr Lehrer gelehrt: „Der Mensch soll nur Gott suchen und nicht zu sehr auf Wege sinnen, seine Bedürfnisse zu befriedigen. Wer voll und ganz glaubt, daß Gott ihm alles bescheren kann, braucht sein Heim nicht zu verlassen." Und von sich selbst sagte er, wenn er auch auf dem Felde leben würde, würde er Gott vertrauen, daß er ihm Nahrung gewähre. Rabbi Nachmans Grabstätte befindet sich in Uman (Gouvernement Kiew), wo er seine letzten Tage verbrachte. Über seinem Grabe wölbt sich ein „Ohel" (Zelt). In der Nähe befindet sich das Bethaus der Brazlawer Chassidim. Uman ist ihr Wallfahrtsort —■ der Brazlawer Chassid besucht das Grab, schüttet sein Herz vor dem toten Zaddik aus, hält Zwiesprache mit ihm, wie mit einem Lebenden, hierauf begibt er sich ins Bethaus und vertieft sich dort in die Bücher von und über Rabbi Nachman. Am Neujahrsfeste versammeln sich die Anhänger des Rabbi Nachman in Uman besonders zahlreich. Am Vorabend des Feiertages besuchen sie das Grab und verrichten dort besondere Gebete, Die Feiertage selbst verbringen sie im Bethause, wo sie nicht nur die Gebete sprechen, sondern auch gemeinsam die Mahlzeiten einnehmen und Reigen aufführen. Außer dem heiligen Grabe kennt der Brazlawer Chassid noch ein geistiges Zentrum und hält sich für verpflichtet, es wenigstens einmal im Leben aufzusuchen — das heilige Land. Erez Israel war von jeher die Stätte, auf die die Sehnsucht aller jüdischen Mystik gerichtet war. „Heil dem!" so heißt es im Buche Sohar, „der das Glück hat, zu Lebzeiten im heiligen Lande seine Wohnstätte zu errichten. Denn wem dies vergönnt ist, dem wird es auch vergönnt sein, den Himmelstau von oben, der herabfällt auf die Erde, zu genießen. Und wem es vergönnt ist, sich bei Lebzeiten mit dem heiligen Lande zu verbinden, dem wird es dereinst auch vergönnt sein, sich mit dem höheren heiligen Lande zu verbinden." „Ein Jude," so sagt ein

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