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Der Jude · 1916-04-01 · Inhalt · p. 42

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
1 (1916-1917)
Issue
Inhalt
Article
Arbeit
Date
1916-04-01
Page
42 (sequence 6)
Language
German
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42 A. D. Gordon: Arbeit Aber unser erstes und wichtigstes Problem ist die Arbeit. Beginnen wir es nach unseren Kräften zu lösen. Beginnen wir den neuen Geist zu schaffen. Beginnen wir dort, wo er uns zum erstenmal traf und wo wir den Grundstein jetzt legen. Beginnen wir —• und wir werden unseren Weg finden. Vielleicht können wir etwas tun, wo wir auch sein mögen. Wenn wir die Frage auf werfen: warum wird die Arbeit nicht von Juden getan, so schieben die Kolonisten die Schuld auf die Arbeiter und die Arbeiter auf die Kolonisten. Die Kolonisten sagen, es gäbe keine Arbeiter oder keine guten Arbeiter, und die Arbeiter beklagen sich, daß man den jüdischen Arbeitern keine Arbeit gebe. Nicht darum handelt es sich aber. Wir suchen hier nicht nach Schuldigen und Unschuldigen und besonders nicht nach einzelnen Schuldigen und Unschuldigen. Der jüdische Arbeiter ist wirklich nicht schuld daran, daß er nicht wartet, bis es einem Kolonisten gefällig ist, ihm Arbeit zu geben. Überhaupt gibt der Arbeiter seinerseits genug, er gibt alles, was er geben kann. Aber auch den einzelnen Kolonisten kann man nicht so sehr beschuldigen (bis zu einem gewissen Grade allerdings hat auch der einzelne Kolonist schuld), denn für den Einzelnen gibt es Hindernisse, die er zwar unschwer überwinden könnte, aber sie sind vorhanden; bestimmt aber ist die Kolonistenschaft als Ganzes an dem Geist schuld, der unter ihr herrscht. Wenn ein anderer Geist mit ihnen wäre, wenn sie verstehen und fühlen könnten, daß die jüdische Arbeit das Alpha und Omega ist, daß sie die Grundlage für die ganze Kolonisation bildet, dann würden sie auch Mittel finden, selbst zu arbeiten, die Ihrigen zu beschäftigen und nur jüdische Arbeiter anzustellen. Die Gesamtheit kann in dieser Richtung tun, was der Einzelne nicht kann. Die Gesamtheit vermag überallhin zu schicken, wo es jüdische Arbeiter gibt, und sie herbeizubringen; die an Arbeit zu gewöhnen, die nicht daran gewöhnt sind; denen ihr Leben einzurichten, die dessen bedürfen (z. B. den Jemeniten), und vieles andere. Man braucht darüber nicht viel Worte zu verlieren. Die Sache wäre unseren praktischen Kolonisten sehr verständlich, wenn sie sie nur verstehen wollten. Es wäre ja nicht schwer, jüdische Arbeiter zu finden und es so einzurichten, daß stets jüdische Arbeiter zur Verfügung ständen, wenn diese Frage nur eine Frage der Allgemeinheit wäre, von der alle einzelnen fühlten, daß sie ihre und aller Kolonisten Lebensfrage ist. Vielleicht läßt sich auch hier noch etwas tun, denn es gibt schon unter den Kolonisten viele, die im innersten Herzen fühlen, daß die Dinge bei ihnen nicht in Ordnung sind, und vielleicht gibt es bei ihnen auch einen Funken von Streben, es besser zu machen. Aber von dieser Seite können wir jetzt nicht viel erwarten. Bis es bei ihnen zu einem klaren Entschluß und zur Tat kommt, ist noch ein weiter Weg. Außerdem kommt es jetzt bei unserer Arbeit in Palästina hauptsächlich darauf an, daß Wege gefunden werden, eine Wirtschaft zu schaffen, die nicht auf Ausnützung fremder Arbeitskräfte beruht. Darum ruht unsere Sache jetzt auf den Schultern einzelner, die wissen und fühlen, was unsere Lage erheischt. Und unsere Lage erheischt viel. Wir befinden uns gewissermaßen in dem Zustand, in dem sich seinerzeit die ersten Pioniere des Spracherneuerungsgedankens befanden, nur daß unsere Lage unvergleichlich schwieriger und düsterer ist. Auch jene waren anfangs einzelne, auch ihre Taten erschienen sonderbar und paradox, auch sie erklärte man für verträumte Phantasten und weltfremde Menschen, auch über sie lachte man und ärgerte sich sogar manchmal. Alles das hatten auch sie

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