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Der Jude · 1916-04-01 · Inhalt · p. 41

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
1 (1916-1917)
Issue
Inhalt
Article
Arbeit
Date
1916-04-01
Page
41 (sequence 5)
Language
German
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Arbeit 41 nicht: wir haben gesündigt, denn es ist nicht unsere Schuld, daß es so weit kam); an der Arbeit werden wir genesen. Die Arbeit müssen wir in den Mittelpunkt unseres Strebens stellen, auf ihr unseren Bau errichten. Erst wenn wir die Arbeit an sich zu einem Ideal erheben, richtiger, wenn wir das Ideal der Arbeit zur Entfaltung bringen, können wir von unserer Krankheit gesunden und den Riß schließen, der uns von der Natur trennt. Die Arbeit ist ein großes menschliches Ideal, ein Ideal der Zukunft, und ein großes Ideal ist wie eine heilende Sonne. Wenn auch die Geschichte nicht die Tendenz des Belehrens hat, so kann und muß doch jeder, der Augen im Kopf hat, von ihr lernen. Wir können aus unserer Lage in Vergangenheit und Gegenwart lernen, daß wir in dieser Sache die ersten sein müssen. Wir alle müssen arbeiten. Ich will nicht urteilen und belehren, aber es ist mir klar, daß der Lehrer, der Schriftsteller, der Dichter darüber nachsinnen sollte, wieviel ihm die Arbeit zu geben imstande wäre. Ich weiß, daß dies vielen sonderbar und paradox vorkommt, aber es geschieht hie und da, daß gerade das Paradoxe den Gedanken mächtig weckt. Wer weiß, vielleicht führen auch diese Worte zu einem Nachdenken, Einen neuen Geist braucht unsere Wiedergeburt. Wir hören gewöhnlich die Klage, daß wir keine Menschen hätten, um Großes zu vollbringen. Aber wo sind jene Juden, die den Scheiterhaufen bestiegen oder zu Tausenden und Zehntausenden zur Schlachtbank gingen, nur um nicht ihr Volk und ihren Gott zu betrügen? Man sage nicht, daß die Menschen früher besser gewesen seien. Sie waren in Wirklichkeit nicht besser. Dieselben Rüben und Simon, die heute in Palästina in Rechnungen vertieft sind, während das Leben der Nation, das an einem Fädchen hängt, ihnen nicht in diesen Rechnungen auftaucht, opferten damals, in jenen schrecklichen Tagen imGaluth ihr Leben auf dem Altar der Nation. Denn ein anderer Geist war damals in ihnen, in der ganzen Nation. Dafür braucht man den Beweis nicht aus der Ferne zu holen. Der Beweis ist sehr nahe und sehr schlagend. Das sind dieselben Rüben und Simon, die noch vor wenigen Jahren andere waren; dieselben, die im Namen des Ideals hierher kamen, die nach Arbeit strebten und auch viel arbeiteten, duldeten und opferten. Denn damals beseelte sie ein anderer Geist. Aber dieser Geist ist verschwunden, und daraus geht noch eine Lehre für uns hervor. Dieser Geist war im Galuth geboren und zog seine Nahrung aus dem Galuth; aber im Galuth, in dem wir kein eigenes Leben haben, erhielt sich unser nationaler Geist zu allen Zeiten nur im Zustand der Erstarrung. Und seitdem in unseren Mauern Breschen gelegt wurden, wurde unser Geist zum Spielball der starken Winde, die durch die Mauern eindrangen. Sie stießen ihn nach dem warmen, reinen und geliebten Lande seiner Heimat, und der Geist begann aufzuglühen, aufzuleuchten und zum Leben zu erwachen, groß und stark im Herzen der ersten Pioniere zu werden. Aber bald erhoben sich andere Winde, umtobten das jüdische Lager und gelangten auch nach Palästina. Und wenn sie hier auch ihre Kraft nicht besonders entwickeln konnten, so waren sie doch stark genug, um jenen guten, bescheidenen Geist zu verjagen. Diese Winde vermochten nur die Hefe des Lebens zu bringen, aus dem sie stammen. Der neue Geist, den wir zu unserer Wiedergeburt brauchen, muß in Palästina geboren werden und sich hier aus unserem Leben speisen. Er muß ganz lebendig und ganz unser sein. Und so hat R. Binjamin recht, wenn er sagt: „Sie (die Kongreßdelegierten aus der Diaspora) können unsere Probleme nicht lösen."

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