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Der Jude · 1916-04-01 · Inhalt · p. 38

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
1 (1916-1917)
Issue
Inhalt
Article
Arbeit
Date
1916-04-01
Page
38 (sequence 2)
Language
German
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38 A, D. Gordon: Der Gedankengang dieser Erlöser ist folgender: Um ein anständiges Stück Boden zu kaufen, braucht man Geld, d. h. es ist nötig, daß wohlhabende Leute kommen und viel Boden kaufen. Um solche wohlhabende Leute anzuziehen, muß man ihnen zeigen, daß das Gut einigermaßen rentabel ist. Um das Gut rentabel zu machen, braucht man billige Arbeitskräfte — und das sind die nicht jüdischen. Das ist die Sprache des Rechnens, des Ideals der klingenden Münze, die Sprache, die in Palästina immer mehr um sich greift und gut verstanden wird. Das ist das Ideal, das man hier gern auf sich nimmt, denn außer der praktischen und reinen Vernunft, die in ihm ist, bringt es auch noch etwas ein. Aber wie weit ist es von hier bis zu der Stimmung, die den Dunam ohne Arbeit als atembeengend und lebenverbitternd empfindet! Dies müssen wir uns erklären. Wir werden uns natürlich bemühen, in unserem Urteil milde zu sein. Soviel wir auch gegen unsere Kolonisten wegen ihres Verhaltens in der Gegenwart auf dem Herzen haben, dürfen wir doch nicht vergessen, was sie uns in der Vergangenheit waren, und dürfen nicht die Lehre übersehen, die sich aus dem, was sie taten und was aus ihnen wurde, ergibt. Denn auch sie, d. h. die meisten oder ein großer Teil von ihnen kam mit idealen Zielen und dem Willen zur Arbeit hierher, und sie arbeiteten auch, ertrugen und opferten viel, vielleicht mehr als wir, die nach ihnen kamen. Das verpflichtet uns, von ihnen zu lernen. Bei einem Werk oder besser: bei einem Schaffen wie das unsere, ist alles von Bedeutung, Licht und Schatten. Auch die Fehler und Verstöße unserer Vorgänger können in einem gewissen Sinn als Aktiva gebucht werden, sogar ihr Niedergang und Dahinsiechen. Welten werden nicht ohne vorhergehendes „Zerbrechen der Gefäße" geschaffen, und es gibt kein Aufblühen ohne frühere Fäulnis. Wir müssen unser Augenmerk darauf richten, woran jene scheiterten. So wird nicht alles umsonst zugrunde gehen, was sie in den Bau versenkten, und so werden wir ihnen das zurückerstatten, was ihnen nach Recht und Fug gehört. Was wir daraus lernen können, ist, daß die uns anhaftende Krankheit so tief sitzt, daß sie eine gründliche Untersuchung und radikale Heilung fordert. Ein Volk, das ganz von der Natur losgerissen ist, das jahrtausendelang in Mauern eingesperrt war; ein Volk, das an alle Arten des Lebens gewöhnt war, nur nicht an eine natürliche, an ein Leben der Arbeit aus sich heraus und für sich, — kann nicht ohne Anspannung seiner ganzen Willenskraft wieder ein lebendiges, natürliches, arbeitendes Volk werden. Uns fehlt das Wesentliche: die Arbeit, — nicht die aus Zwang, sondern die, mit der sich der Mensch organisch und natürlich verbunden fühlt und durch die das Volk seinem Boden und seiner in Boden und Arbeit wurzelnden Kultur verwachsen ist. Zwar arbeiten auch bei anderen Völkern nicht alle, auch bei ihnen gibt es viele, die die Arbeit verschmähen und sich Wege suchen, um durch anderer Arbeit zu leben, aber ein lebendiges Volk entfaltet seine Tätigkeit auf natürliche Weise; seine Arbeit gehört zu seinen organischen Funktionen und wird organisch geleistet. Ein lebendiges Volk hat stets eine große Mehrzahl von Menschen, denen die Arbeit zweite Natur ist. Nicht so ist es bei uns. Wir verschmähen alle die Arbeit, und auch die Arbeitenden arbeiten nur aus Zwang und in der steten Hoffnung, sich ihr mit der Zeit zu entziehen, um ein „gutes Leben" zu führen. Wir dürfen uns nicht selbst täuschen, wir müssen mit offenen Augen sehen,

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