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Der Jude · 1916-04-01 · Inhalt · p. 37

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
1 (1916-1917)
Issue
Inhalt
Article
Arbeit
Date
1916-04-01
Page
37 (sequence 1)
Language
German
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IRI
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A.D.Gordon: Arbeit 37 ARBEIT Dieser Aufsatz entstammt der Feder eines palästinensischen Arbeiterpioniers, eines Führers der Partei „Hapoel Hazaür" (Der junge Arbeiter). Er ist zum erstenmal veröffentlicht im Organ dieser Partei („Hapoel Hazair" 1911) und wurde in das palästinensischen Arbeiterfragen gewidmete Sammelbuch „Haarez wehaaboda" (Das Land und die Arbeit, Jaffa 1913) aufgenommen. Wir eröffnen mit ihm eine Reihe von Dokumenten der Regenerationsbestrebungen im modernen Judentum. In unserem Innersten ist es mit Blut und Tränen eingegraben: „Erlösung des Landes", und nicht nur des ganzen „Landes" mit einem Schlag, sondern jedes einzelnen Stücks Boden, jedes einzelnen Dunams in ihm. Der Dunam ist unser Trachten, bei Tag und bei Nacht. Zu dieser Handvoll Erde gehört aber noch etwas: daß sie durch unsere Arme bearbeitet, durch den Schweiß unseres Antlitzes, durch unser Blut und unsere Tränen getränkt werde. Der Dunam an sich, ohne diese Zugabe, beengt, bei all seiner großen Bedeutung, unseren Atem und verbittert uns das Leben" (Hapoel Hazair, 1911, Heft 22). Aber die Frage ist, ob es viele gibt, denen der Dunam an sich, ohne unserer Hände Arbeit, den Atem beengt und das Leben verbittert. Die Frage ist, ob diese Zugabe wirklich bloß eine Zugabe ist oder nicht vielmehr die Wurzel, der Urgrund, auf dem die Erlösung des Landes, richtiger: unsere ganze Wiedergeburt beruht. Wenn die Zahl derer, die zu dieser Erkenntnis gelangen, sich allmählich vergrößerte; wenn diese Erkenntnis immer klarer, stärker und tiefer würde; wenn den Dunam im Verein mit unserer Hände Arbeit — unserer Hände Arbeit im Verein mit dem Dunam ablöste: dann könnten wir dies als den Ausgangspunkt einer neuen Epoche unserer Arbeit in Palästina und unserer gesamten nationalen Arbeit betrachten — einer Periode der wahren Wiedergeburt. Einen neuen Geist könnten wir darin erblicken oder besser: das uns fehlende Wesentliche. Erlösung des Landes und — Arbeit. Wer sähe darin nicht zwei Seiten einer Münze? Die Sache ist ganz klar und einfach, und wer möchte sie nicht verstehen? Aber schon die alten Weisen sagten, daß gerade die einfachste Sache am schwersten zu begreifen ist. In der Diaspora gilt die Arbeit nicht als die Hauptsache für Palästina. Die Arbeit hat eine gewisse — vielleicht sogar wichtige Beziehung zur Erlösung des Landes, etwa so, wie Musikanten zu einer jüdischen Hochzeit. Aber nicht mehr. Schließlich, wenn es sehr dringend ist, kann man auch ohne Musik Hochzeit machen. Wenn man dort von jüdischer Arbeit spricht, meint man selbstverständlich die Arbeiten Und unter der Arbeiterfrage versteht man dort Arbeiterhäuser, billige Wohnungen, Küchen usw. Das ist so natürlich, daß nicht einmal alle unsere Arbeiter darin eine Beleidigung ihrer selbst und einen Verstoß gegen die Idee der Arbeit erblicken. Aber da man in der Diaspora nicht das mächtig Verbindende zwischen der Erlösung des Landes und unserer Arbeit sieht, so erkennt man auch nicht das beide Trennende. Anders ist es hier, in Palästina. Hier betrachtet man die Sache mit „offeneren" Augen. Hier gibt es Erlöser, die in der jüdischen Arbeit ein großes Hindernis für die Erlösung des Landes sehen. Hier gibt es Erlöser, deren letzte Weisheit es ist, daß man im Namen der Erlösung des Landes — Nichtjuden arbeiten lassen solle.

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