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Der Jude · 1916-04-01 · Inhalt · p. 28

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
1 (1916-1917)
Issue
Inhalt
Article
Jiddisch
Date
1916-04-01
Page
28 (sequence 4)
Language
German
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28 Moses Calvary: Min Modersprak, wa klingst du schön! Wa büst du mi vertrut! Weer ok min Hart ut Stahl un Steen, Du dreevst den Stolt herut. Du bögst min stive Nack so licht, As Moder mit ern Arm. Du Hechelst mi umt Angesicht Un still is alle Larm. Auch hier ist keinerlei eigenartige niederdeutsche Empfindung aus sich heraus zur besonderen Kunstform entfaltet, es sind niederdeutsche Worte, aber die Kunstform, wie sie die schriftdeutsche Literatur aus ihrer Empfindungsweise heraus in jahrhundertelanger Entwickelung gestaltet hat, ist unmittelbar herübergenommen. (Auch hier verbietet nur der Reim, das Gedicht Wort für Wort ohne ästhetische Minderung ins Hochdeutsche zu übersetzen, wie es etwa Hebel mit seinen eigenen alemannischen Gedichten vielfach getan hat.) Dieser unmittelbare Einfluß hochdeutscher Kunstform wird vielleicht durch das ganz andersartige Verhältnis bei Fritz Reuter noch klarer: „Ik lid dat nich, Gevadder Dreier1 * Seggt de Stadtspreker Snider Meier, „Wenn hüt de Burgemeister Lisch Will wedder pachten unse Bullenwisch; Ik slah ganz patzig vor em up den Disch, Dat geiht j'e rein ut Rand und Band! Fiw Daler! — Un dat man Kurant?" Wenn man dieses Gedicht etwa wörtlich ins Hochdeutsche übersetzen wollte, wäre der neuen Fassung deutlich anzumerken, daß die Verse ursprünglich plattdeutsch empfunden waren. Und das nicht etwa, weil Reuter der größere Dichter wäre, nur ist in seinen Versen unmittelbar der Rhythmus der lebendigen plattdeutschen Sprache übernommen, von einer Steigerung zu einem dichterischen Stil überhaupt nicht die Rede. Wo aber Reuter eine solche Steigerung versucht, im Eikboom, in Teilen des Hanne Nüte, ist wieder die unmittelbare Übernahme hochdeutscher Formen zu spüren. Wohl gibt es Ansätze auch eines plattdeutschen dichterischen Stils. Man denke an Groths „Matten Has". Es ist bemerkenswert, daß besonders in Gedichten scherzhaften Gehalts ein solcher Stil entsteht, aber sie gehören zu den Ausnahmen. Ein wenig anders liegt das Verhältnis in der Prosa. In Reuters Stromtid gibt es genug Stellen echt niederdeutscher Form, die doch Stil haben. Ich habe einmal eine pommersche Prosaübersetzung Homers gelesen, die vielleicht der Stimmung des Originals von allen deutschen Übersetzungen am nächsten kommt, trotz der Prosa, weil sie eben gleichfalls aus einem lebendig gesprochenen Idiom erwachsen ist, — aber die wenigen Ausnahmen können den Eindruck nicht verwischen, daß ein niederdeutscher literarischer Stil, selbständig neben dem hochdeutschen, nicht entstanden ist. Man vergleiche damit Perez, der in vielen seiner früheren Gedichte sicher vom hochdeutschen Stil beeinflußt ist. Seine Übertragung von Frugs Gedicht vom Becher aber zeigt seine sprachliche Selbständigkeit. (Ich bemühe mich nicht um eine phone-

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