Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 16 (1937-1938)
- Issue
- 12 (9.1938)
- Date
- 1938-09-01
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 14 „Jüdisches Gemeindeblatt für Franlduri" Nr. 12 September 1938 SüL"r,«l Clemens Kahn Rechneigrabenstr. 10 T. 25005 Gegr. 1877 Auslütirung aller Qlaierarbelten wie: Reparaturen von Fensterscheiben. Verkittungen, Instaridsetzung von Glasdächern, Einrahmungen, Autoscheiben. Literarische Rundschau Judisches Gedankengui in den Evangelien. Zu dem neuen Buch von Leo Baeck „Das Evangelium als Urkunde der jüdischen Glaubensgeschichie" (Berlin, Schocken-Verlag 1938). Erst seit der Emanzipation, also seit kaum IV2 Jahrhunderten, hat das jüdische Schrifttum seine von der christlichen Weltherrschaft an geübte absolute Zurückhaltung vor dem neutestamentlichen Stoff aufgegeben und sich in berühmten Werken an der allgemeinen Forschung über das Zeitalter Christi beteiligt. Es ist im 19. Jahrhundert zur jüdischen These geworden, daß es sich bei den moralischen Hauptlehren des Evangeliums um altes Gut jüdischer Ethik handelt. Die Sittenlehre in den christlichen Grundschriften und die von Jesus gepredigte Moral unterscheidet sich nach der herschenden jüdischen*Auffassung in keinem wesentlichen Punkt von der Sozialethik des „Alten Testaments" und von der der maßgebenden außerkanonischen jüdischen Literatur. Auch von theologisch-christlicher Seite hat man heute die Art der Früheren aufgegeben, das spätjüdische rabbinische Lehrgebäude zur Zeit Christi als kasuistisch und werkheilig, jedenfalls als minderwertig gegenüber der Lehre Jesu hinzustellen oder überhaupt in das Schema einer lutherischen oder irgend einer anderen, der Zeit und dem Stoff fremden Dogmafik zu pressen. Daß zwischen dem „Alten Testament" und dem Neuen eine dritte Größe steht, nämlich das Spätjudenium, wird' allerdings von keiner Seite mehr angezweifelt. Im ganzen ist heute der Streit um die Gradunterschiede der Ethik des Judentums gegenüber dem Geist des Evangeliums gegenstandslos geworden. Dagegen ist die Frage nach der alten Ueberlieferung, die den vom Auftreten Jesu zeitlich und weltanschaulich sehr weit entfernten Kompositionen der vier Evangelien in ihrer heutigen Gestalt zugrunde liegt, neu gestellt und beantwortet worden. Man wollte mit geschärften wissenschaftlichen Methoden zu der eigentlichen, von späteren Zutaten gereinigten Botschaft von Jesus, dem Ürevangelium, vordringen. In souveräner Beherrschung einer kaum übersehbaren Riesenliteratur über diese Kernfrage hat Leo Baeck in seiner neuesten Arbeit zur jüdischen Zeitgeschichte im Zeitalter Jesu das ursprüngliche Evangelium als Urkunde der jüdischen Glaubensgeschichte aus den späteren kanonischen Texten herausgeschält. Diese erste ursprüngliche Ueberlieferung, was einst das Geschlecht nach Jesu von seinen Sprüchen, Gleichnissen und von den Begebenheiten um ihn erzählt und weitergetragen hat, wieder herzustellen, ist das Anliegen Baecks. Er hat so das Evangelium, die Urbotschafrr als ein Stück jüdischer Geschichte, und zwar kein geringes, als ein Zeugnis jüdischen Glaubens wieder entdeckt. Es ist ihm nicht um Vergleiche mit anderen und um ethische Bewertungen zu tun, sondern nur um das Eigene des Judentums, das überall in den vier Evangelien ansteht. Wege und Wesen der Tradition, an deren Kette die Stücke und der Erzählungsstoff der komponierten Evangelien sich anreihen, ist spezifisch einmalige jüdische Art; sie wird von Baeck in ihrer ganzen Eigentümlichkeit fast mikroskopisch gezeigt. Es isl eine Art Weiterdichten des Gehörten in fest geprägten Formen. In das eigentümliche jüdische geistige Leben und in die Art und Weise dieser jüdischen Tradition gehört die alle Evangeliumsüberlieferung hinein. Sie hat an all diesem Charakteristischen ihren vollen Anteil, sie ist nichts anderes als ein Stück davon. Indem Baeck den Wandlungen, die sich im Fortschreiten der Tradition vollzögen haben, nachgeht und; diese Veränderungen durch Beispiele deutlich macht, leuchtet er in den Prozeß der Entstehung der Evangelien hinein und legt das; fgl Ö POLSTERMÖBEL ^^^lJI Einu. Doppelbett jgftKgpi PATENTKAUTSCH TSSsBS&Z^^^ilßiä^^ Spezial-Werkstätte -^i^giP' HERM. SCHLOSS |jgg^^^^Ppg||p^ Breitegasse 29, Ecke Zeil C o r s et tha u *^^^^^^L GAZELLE größte Auswahl in Formen und Preislagen 7FII \0d Größtes Spezialhaus Norddeutschlands Z^i-lL* 1^*1 . Hamburg Lübeck Hannoyer -.Telefon 27172 Hilfsverein der Juden in Deutschland e.V. Jüdische Auswanderung Ausgabe Sommer 1938 Nordamerika Cuba Philippinen Preis: UM 1.501+0.40 Porto) Eine unentbehrliche Informationsquelle! Zu beziehen durch den Hilfsverein der Juden in Deutschland e. V., Berlin W 35, Ludendorffstr. 20. (Pestschkto. Bln.Nr. 16312) sowie durch alleBeratungsst. d. Hilfsv.u. durch sämtl. jüd. Buchhandl. 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