Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 16 (1937-1938)
- Issue
- 12 (9.1938)
- Date
- 1938-09-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
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Nf. 12 September 1938 „Jüdisches Gemeindeblatt für Frankfurt" Seite 11 Amerikaner Europa preist und amerikanische „shoricomings" (Unzulänglichkeiten) unterstreicht, erwartet er, etwas Freundliches über sein eigenes Land zu hören, aber er hat ein feines Gefühl dafür,, ob so etwas nur aus oberflächlicher Liebenswürdigkeit oder mit Ueberzeugung gesagt wird. 6. Schon im allgemeinen Verkehr ist es wichtig, den Eindruck zu vermeiden, als wisse man nichts Gutes über Amerika zu sagen,- es ist noch viel wichtiger im Verkehr mit amerikanischen Berufskollegen. Besonders die Aerzte, die ja durch das jetzt fast überall vorgeschriebene „Praktische Jahr" in einem amerikanischen Krankenhaus sofort in engste Berührung mit amerikanischen Kollegen kommen, müssen sich des Eindrucks bewußt sein, den ihre Aeußerungen machen. Aehnliches gilt von Universitätslehrern. Die Behauptung, man dürfe überhaupt nichts kritisieren, wird zwar manchmal aufgestellt, aber sie ist vollkommen falsch. Wenn jemand sagt: „Das haben wir anders gemacht,- ich bin mir noch nicht ganz klar darüber, welche Methode eigentlich die größeren Vorteile hat", so leitet er eine sachliche Diskussion ein, auf die sich der Amerikaner in der Regel gerne einläßt; wenn er aber zu verstehen gibt, daß ihm die amerikanische Methode als1 der verkörperte Unsinn vorkomme, so ist er für den Amerikaner erledigt. 7. Die beste und wirksamste Form, das zur Geltung zu bringen, was man besser kann als die Amerikaner, ist natürlich das Bessermachen. Statt den Leuten über die Oede der amerikanischen Geselligkeit zu erzählen — obwohl eine scherzhafte, in den Grenzen des Takts sich haltende, gelegentliche Bemerkung gar nicht übel genommen wird -, lade man Leute ein, die gut zusammen passen, und gebe sich Mühe, ein vernünftiges Gespräch in Gang zu bringen,- man wird über den Erfolg überrascht sein. Wer beruflich Dinge gelernt hat, die man in Amerika nicht so lernt, sehe zu, wie er diese Dinge mit dem kombinieren kann, was man in Amerika tut,- er wird mehr neidlose Anerkennung finden als in Europa. Wer versucht ist, sich darüber aufzuregen, daß der Durchschnittsamerikaner fnicht /allzu viel von europäischer Geschichte und Geographie weiß," suche erst einmal seine eigene Fähigkeit zu enzyklopädischem Wissen durch Kenntnis der amerikanischen Geschichte und Geographie zu beweisen. (Hand aufs Herz, lieber Einwanderer, weißt du, in welchem Staat Richmond liegt? Es ist geschichtlich und geographisch für Amerika beinahe so bedeutend wie Stuttgart für Deutschland. Oder könntest du erklären, inwiefern Texas in der amerikanischen Geschichte eine teilweise ähnliche Rolle spielte wie Schleswig-Holstein in der deutschen?) 8. Ein Wort besonders an die Studenten. Wer ein Studium an einer amerikanischen Universität erstrebt, sollte vor allem die Universität richtig wählen. Die berühmtesten amerikanischen Universitäten (Harvard, Yale, Columbia, Princeton) sind private Stiftungsei nr ich tun gen,- sie erheben ein hohes Studiengeld, und Stipendien sind, außer vielleicht für ganz vorzüglich qualifizierte Studenten hoher Semester, schweif zu bekommen. Viel billiger sind die Staatsuniversitäten,- doch ist von ihnen im Osten nur die University of Pennsylvania in Philadelphia wirklich gut, während es im Westen eine Reihe sehr guter Staatsuniversitäten gibt: Michigan, Wisconsin, California, Minnesota,- im Süden genießen Louisiana und North Carolina erhebliches Ansehen. Für reine Lebenskosten, also ohne Studiengebühr und Bücher, muß ein ausländischer Student gegenwärtig $50-60 rechnen, einheimische Studenten leben meist mit weniger, kennen aber natürlich die Möglichkeiten billigen Lebensbesser als der Ausländer. Nebenverdienst war vor dem gegenwärtigen Konjunkiurrückschlag ziemlich leicht zu erhalten, besonders Nebenarbeit in Ferien, jetzt schon viel schwerer. Studentinnen finden auch heute noch meist Gelegenheit, für „room and board" (Zimmer mit Verpflegung) in einem Haushalt zu arbeiten (gewöhnlich drei Stunden täglich). Im ganzen ist es für einen Studenten leichter als in Deutschland, Nebenarbeit zu bekommen, aber schwerer, sie mit dem Studium zu vereinigen. Die amerikanische Universität gliedert sich in das College für undergraduates (Besuch regelmäßig vier Jahre), das wieder in eine lower division und in eine upper division zerfällt (je zwei Jahre), und eine graduafe school für die älteren Studenten. . Dieser Aufbau ist kompliziert durch die Existenz der „professional Colleges" (Zahnheilkunde, Ingenieurwissenschaften, teilweise Rechtswissenschaft, HandelswissenscJ\aften) und der „professional schools" (Medizin, teilweise Rechtswissenschaft,, teilweise Wohlfahrtspflege). Die professional" Colleges sind teilweise nur für undergraduates, teilweise schließen sie Graduiertenjahre ein; die professional schools sind nur für gra- Sie finden in grosser Auswahl Oberhemden, Schlafanzüge, Krawatten, Herrenu. Damen- Pullovers, Handschuhe, Damenstrümpfe, Herren-Socken, Strickschlüpfer, Baby-Artikel etc. Viele Artikel sehr geeignet für Auswanderer! Hermanns <& Froitzheim Nur noch Zeil Q3