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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1938-09-01 · 12 (9.1938) · p. Seite 10

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
16 (1937-1938)
Issue
12 (9.1938)
Date
1938-09-01
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 .Jüdisches Gemeindeblatt für Frankfurt" Nr. 12 September 1938 Dr. jur.Hugo Hoff mann Leerbachstr. 92 I. Telefon 56662 Versicherungen aller Art menten haben in den vergangenen anderthalb Jahrhunderten amerikanischer Geschichte so viel von jenen Energien verzehrt, daß heute Amerika, seinen Weg zu., manchen und durch manche Probleme erst finden muß, mit denen Europa schon seit Jahrzehnten ringt. Mit anderen Worten, Amerika wird die Schwelle vom 19. zum 20. Jahrhundert überschreiten rtukren. Aber seine große Aufgabe ist es, dabei die Sackgassen zu vermeiden, in die der europäische Geist im 20. Jahrhundert geraten ist. 3. Daß der Einwanderer etwas von dieser Aufgabe begreifen soll, heißt natürlich nicht, daß er sich zunächst kulturphilosophischen Studien zu widmen habe. Aber er soll die Haltung des Mußamerikaners loswerden. Gewiß, er wird in vielen Fällen einfach deshalb nach Amerika kommen, weil seine Verwandten in Chicago und nicht in Johannesburg leben, oder weil er kein Zertifikat für Palästina bekommen konnte. Darüber braucht er weder sich noch arideren etwas vorzumachen. Nur sehr wenige von den Vorfahren der 130 Millionen Amerikaner haben Amerika gewählt, weil sie glaubten, deß es das einzige Land sei, das ihren innersten Wünschen Genüge tun könne. Warum der Einwanderer nach Amerika kam, ist unwichtig; aber unendlich wichtig ist für ihn, seinem Dasein in Amerika einen Sinn zu geben, der nicht nur darin beruht, daß er hier sein Leben verdienen kann. Dazu braucht er nicht dicke Bücher zu lesen, obwohl etwas amerikanische Geschichte sehr nützlich ist. Aber er soll vor allem seine Augen aufmachen, in jedem Sinn. Kein Mensch verdenkt ihm die Sehnsucht zurück, jeder oder doch fast jeder Amerikaner versteht sie, viele haben sie selbst erlebt. Aber wenn Sehnsucht zur Bitterkeit wird, und das Herz nicht mehr frei ■genüg ist, um das Neue in sich aufzunehmen, dann wird sie zur tödlichen Gefahr. Dann lernt nämlich der Einwanderer niemals amerikanische Menschen behandeln, und dann ist er hier verloren. Um in Amerika zu leben, muß man sich an Amerika freuen können,- um sich daran freuen zu können, muß man Amerika studieren. 4. Wie macht man das, wenn man frisch hereinkommt? Es gibt hundert Wege. Man rede mit Menschen, so viel als nur irgend möglich. Wenn man es sich leisten kann, gehe man in ein summer camp (Sommerlager),- die billigsten sind nicht nur wegen der Geldersparnis die besten. Wenn man Kinder hat, suche man viel Kontakt mit d.er Schule. Die meisten Volksschulen, wenigstens in Westamerika, haben es gern, wenn Eltern in die Klasse kommen, um zuzuhören. Jede Schule hat eine parent teachers association {Vereinigung von Lehrern und Eltern), die Teilnahme ist sehr empfehlenswert. Für Frauen ist die Teilnahme an einem Klub sehr in Erwägung zu ziehen; das geistige Niveau ist natürlich sehr verschieden, die Lebendigkeit des Interesses aber fast immer groß. (Männerklubs bieten weniger.) Ein anderer Weg ist Teilnahme an den Veranstaltungen des sehr Timfassenden Volksbildungswesens; in vielen Teilen Amerikas gibt es „Forums" mit ausgezeichneten Rednern und interessanten Diskussionen. Die „night schoo 1", die, meist einer öffentlichen höheren Schule angegliedert, Klassen speziell für Neueinwanderer enthält (Englisch und Bürgerkunde), kann auch oft auf dem Weg über die Lehrerin oder den Lehrer zu wertvollen Berührungen mit amerikanischem Leben führen. In einer Reihe von Städten ist dasJewish Community Center ein Ort, von dem viele Anregungen ausgehen und wo der jüdische Einwanderer besondere Fürsorge und Wärme findet. Selbstverständlich ist es, daß der Einwanderer Zeitung lesen muß/ aber auch das Lesen einer Zeitschrift ist sehr nützlich. Es gibt ausgezeichnete Zeitschriften mit allgemein kulturellem Programm in Amerika, z. B. Harper's Magazine und Atlantic Monfhly. Es ist fast-unnötig zu sagen, daß der Einwanderer nicht alle diese Wege gleichzeitig gehen kann,- er muß sich heraussuchen, was für ihn paßt. Ebenso selbstverständlich ist, daß alie Wege ein energisches Beireiben von Sprachstudien voraussetzen. Englischlernen kann, wie oft hervorgehoben worden ist, gar nicht ernst genug betrieben werden. Radio und Sprechfilm sind wertvolle Hilfsmittel, aber sogar zusammen mit der night school sind sie sehr häufig unzureichend. In Universitätsstädten kann man meist einen Studenten oder eine Studentin gegen sehr bescheidenes Honorar für Konversationsstunden, Korrektur von Briefen und Manuskripten bekommen (jede Universität hat ein studentisches Arbeitsamt). Das ist nicht nur für die sprachliche Vervollkommnung wertvoll, sondern besonders auch deshalb, weil ein intelligenter Student einem sehr viel über die Gepflogenheiten des Landes sagen kann. 5. Wie soll der Neuankömmling den Amerikanern gegenübertreten? Die Wahrung der gesellschaftlichen Formen; die in Amerika anders sind als in Europa, ist natürlich auf die Dauer erstrebenswert. (Am wichtigsten ist vielleicht für den Anfänger, daß die neuzugezogene Familie von den-Eingesessenen, mit denen sie beruflich oder sonst in Fühlung kommt, besucht wird, und zwar meist abends oder Sonntags,- nicht der Zugezogene, sondern der Eingesessene ergreift also die Initiative zum Verkehr. Doch kann man in geeigneten Fällen diese ganze Frage durch eine formlose Einladung zum Tee oder dergl. beiseite schieben, und hinterher vollzieht sich dann in der Regel alles weitere in angenehm ungezwungener Weise - vielleicht mit Ausnahme von Neu-Engländ, wo Formfragen überhaupt viel wichtiger sind.) Aber weit wichtiger als Wahrung der Formen ist allgemein menschlicher Takt. Auch sonst sehr taktvolle Menschen benehmen sich oft nicht richtig, wenn sie von Gefühlen der Verlassenheit, der Fremdheit, der Bitterkeit überwältigt sind. Hier liegt die größte Gefahr, und erhebliches Unheil ist schon dadurch angerichtet worden, daß Einwanderer auch wohlwollende amerikanische Kreise „verprellt" haben. Es ist durchaus nicht nötig, alles Amerikanische zu loben,• aber es ist notwendig zu vermeiden, daß dem Amerikaner die Frage auf die Lippen kommt: Wenn dir zu Hause alles besser gefiel als hier, warum bist du dann eigentlich herüber gekommen? Um ihn nicht auf diese Frage kommen zu lassen, muß man eben das Gefühl des Mußameri-, kaners unbedingt loswerden,- siehe oben. Gerade wenn der JUWELEN GOLD SILBER UHREN ALLER ART BESTECKE editSllber und vers'|bert i Wir kaufen Altgold und Silber I auch alte Silbermark An* und Verkauf aus Privatbesitz GB 11/48449 OSEN'DOSEN SILBERSCHMIEDE KAISERSTRÄsSE 5 ■ NÄCHST ROSSMARKT Schöne Bettwäsche Kissen und Koltertücher in Rein- und Halbleinen Aparte Kaffeedecken Gedecke und Sets E. FULD&C9 GOETHESTRASSE 26 Inserate im Gemeindeblatt haben großen Erfolg! WEI NE BERNH? W1ESENGRUND SCHÖNE AUSSICHT 7 . Li kO'RE FRANKFURT A-M. WEINBRÄNDE SEIT 1822 6UT U. PREISWERT TEL'. 22561

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