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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1938-08-01 · 11 (8.1938) · p. Seite 12

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
16 (1937-1938)
Issue
11 (8.1938)
Date
1938-08-01
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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Seite 12 JÜDISCHES GEMEINDEBLATT FÜR FRANKFURT Nr. 11 August 1938 Qualitäts-Waren jährend des in dte*em ^Srbesonders pre isviert Hermanns & Froitzheim Das Fachkundige Spezialgeschäft Berger Strafte - Zeil, Ecke Hasengasse - Brückenstrafte Vorzüge durch eine sorgsame Darstellung ihrer Fehler herauszuarbeiten. Ey hatte es selbst erprobt, das Nomadenleben, das wohl die härteste aller sozialen Daseinsformen ist, und war nun um so mehr bemüht/ es uns in seinen wahren Farben zu schildern als ein Leben, dessen Strenge, Leere und Entsagung nur die stärksten und entschlossensten Naturen gewachsen sind. Es gibt nichts so Großartiges und zugleich so Wirklichkeitsnahes als die Erzählung seiner täglichen Erlebnisse, Schwierigkeiten und der Empfindungen, die er unterwegs gehabt hat. Sein Bild von den Semiten als einem Volk, das „bis zu den Äugen in einer Kloake sitzt, doch mit •seinen Brauen den Himmel berührt", faßt ihre ganze Stärke und Schwäche und die seltsamen Widersprüche in ihren Ideen zusammen, die unsere Neugier bei der ersten Begegnung mit ihnen wachrufen." Doughty vertritt den englischen strengen Grundsatz: that a man should forsake life rather than justice (Bd. II. S. 270 der englischen Ausgabe). Deshalb verfolgt er die ehemalige alttürkische Paschawirtschaft mit Abneigung und nennt sie oft ein criminal government. Der erfahrene Arzt läßt eine Fülle lebendiger Typen von-Arabern und Muslims aus Persien, Marokko, Algier, dem Irak vorüberziehen: mit Humor und Ironie sind seine durchdringenden Menschenschilderungen entworfen. Aus der Unzahl kostlicher Figuren sei hier eine kurze' Leseprobe abgedruckt, um zu zeigen, wie Doughty seine Umgebung zu charakterisieren versteht. Ehe er in das Innere Arabiens aufbrach und am 13. November 1876 sein Kamel zur Heise nach Arabien satteln ließ; hatte er Syrien, wo er im Antilibanon Bären 'jegle, ferner Palästina, Aegypten und die Sinai-Wüste gründlich kennen gelernt. Nun zog es ihn in das Innerste eines unerforschten Landes, nach Medain-Salih, den „Städten des arabischen Propheten Salih", nordnordwestlich von Medina, wohin sich bisher aus Angst vor den räuberischen Beduinen kaum je ein Europäer gewagt hatte. Medain-Salih wird von Doughty als der diebischste aller Kastorte auf der Karawanenstraße nach Medina bezeichnet. Die oberste türkische Behörde war dort der „Festungs-Kommandant" Mohammed Aly, dessen Profil Doughty folgendermaßen zeichnet: Mohammed Aly, mit dem Beinamen „el Mahjub", Oberaufseher der Forts von Tebuk bis Medina, war ein verdammt liebenswürdiger Raufbold von etwas schwachem Verstand. Seine halb gutmütige, halb bösartige Natur war in der Schule des türkischen Regierungsdienstes vollends verdorben worden [wie bei vielen dieser ruhelosen Streber). Er war ohne Bildung. Seine Familie hatte in einer algerischen Gebirgsgegend gelefii, wo, wie er zu sagen pflegte, noch „unverdorbene alte Sitten" herrschten. Als die Franzosen dann Algerien erobert hatten, waren sie freiwillig, um nicht Untertanen von Christen zu werden, auf französischen Regierungsschiffen nach Syrien ausgewandert. Einer alten Familientradition zufolge, habe die Familie Mohammed Alys einmal vor langer Zeit das ganze Land um Maan herum besessen, wo auch Moses die Herden des Propheten Jeihro weidete. Die Söhne Israels hätten die Familie dann aus ihrem Besitz vertrieben. Nachdem Mohammed Aly zum Militär gegangen war, hatte er mit den syrischen Truppen in dem furchtbaren Religionskrieg (jehad) gegen die Moskowiter im Kaukasus ge-, kämpft und gelitten, wo er auch zweimal' verwundet wor-' den, war. Ein Schußschien, wie er selbst mir zeigte, vom Rücken' her eingedrungen zu sein, und die alten Wunden machten ihm bei schlechtem Wetter noch immer zu schaffen. Darauf diente er als Führer einer kleinen Kavallerieabteilung in Palästina und in den Ländern jenseits des Jordan unter Mohammed Said, von dem er auch seinen gegenwärtigen Posten bekommen hatte. in seinen guten Augenblicken konnte dieser halbwilde Krieger ganz klar und Vernünftig reden. Dann erschien er fast menschenfreundlich. Wie es eben Ebbe nach jeder Flut gibt, so können auch die schlimmsten Moslemin,wie die guten gelegentlich sehr fromme Reden führen. Vor allem hielt er die Tapferkeit der Mauren für unerreichbar, und es war gefährlich, ihm darin zu, widersprechen. Zum Tiger aber wurde er, wenn er schlechter Laune war. Er war auch von früher her wegen seiner Grausamkeit in der ganzen Gegend verrufen. Als er. eine Zeitlang in Maan Leutnant gewesen war. hatte er, wie er sich rühmte,, drei Männer aufhängen lassen. Als er dann einmal den Auftrag bekam, beim Fort von Mudewwere ein Gewölbe über dem Brunrienkopf aufführen zu lassen, um das Wasser gegen die Angriffe der Beduinen zu sichern, hafte er einige von ihnen gefangen genommen. Scheiks, die wegen Plünderungen, auf der Pilgerstraße angeklagt waren. Er ließ sie-binden und ins Fort bringen, wo er ihnen jeden Tag nur zwei Zwiebäcke zu essen gab und befahl, daß jeden Tag mit einer-Handmühle (die ein unerträglich schweres Gewicht hat) eine Metze Mehl auf ihrer Brust gemahlen würde. Sie hatten diese Mißhandlungen eine Weile standhaft und männlich ertragen, bis sie endlich unter ihnen zusammenbrachen und nach dem Lösegeld schickten, das er von ihnen hatte erpressen wollen. Im übrigen war er ein greisenhaft aussehender, kränker Kerl, dessen Körper mit Geschwüren bedeckt war. Schon über die. mittleren Jahre hinaus, sah er nicht aus, als ob er noch lange zu leben hätte. Sein Gesicht hatte etwas Teuflisches, er schien oft halb von Sinnen und finster vom Aussatz seiner Seele. Er brüllte, wenn er sprach, mit einer Stimme, daß man erschrak und meinte; es sei der Grohl, das Wüstengespenst, selbst gewesen. Fast stündlich würden wir in unserem einsamen Fort durch ihn alarmiert/da sein boshaftes Herz nur PELZ-MÄNTEL Silber*, Blau*, Nafurfüchse Jacken — Paletots Massanfertigung nach neuesten Modellen Umarbeitung billigst Tel. 25494 . ■ :- - ■ ■ - - ■ .-

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