Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 16 (1937-1938)
- Issue
- 11 (8.1938)
- Date
- 1938-08-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 10 JÜDISCHES GEMEINDEBLATT FÜR FRANKFURT Nr. 11 August 1938 Moderne Photos Passbilder MAY Kaiserstraße 11 I. Stock Telefon 27128 nichts derartiges. Aus einer Tischplatte hat man schnell eine Art Wandtafel gemacht, und auf sie schreibt er rasch die kurzen Zeilen des Kanons, die dann gemeinsam gesungen werden sollen. Einfache hebräische Zeilen sind es, alte Worte unseres Schrifttums oder neue Lieder, wie sie aus der Arbeit entstanden sind. Z. B. der schone Vers: Wer in Tränen sät, der wird in Freuden ernten. Er singt es vor, ein-, zweimal. Dann wagt der eine oder andere mitzusingen, schüchtern und zagend, viele , glauben ja, sie können überhaupt nicht singen. Und immer wieder muß er ihnen sagen, daß jeder Mensch singen kann und daß das eine Gabe ist, die allen verliehen ist. Und dann geht es plötzlich, ja es geht nicht nur einstimmig, es geht sogar mehrstimmig, und es'singen nicht nur die Burschen und Mädels, es singen nicht nur die Mitglieder der Jugendalijah, es singen nicht nur die Eltern der schon größeren Kinder, mit einem Male singen auch die Großeltern. Diese Großeltern, die draußen im Galuth irgendwo in einem Städtchens Polens oder Litauens sich niemals haben träumen lassen, daß sie außerhalb der altehrwürdigen Synagoge einmal singen würden. Und wie singen sie! Es sieht so aus, als ob von ihrer Seele all das Leid vergangener Jahre sich lösen müßte, als ob in diesen alten und neuen Gesängen von Erez Jsrael eine Wiedergeburt ihrer Seele von statten ginge. Wenn man so am Tage die alten Leutchen beobachtet, — tätig sind sie ja alle -. da mögen von dem einen oder dem andern doch die Gedanken zurückgehen nach dem früheren Lande/ in dem sie eine Rolle gespielt haben und nach all den Menschen früherer Geschlechter, die sie am „guten Ort" zurückgelassen haben und deren Gräber sie nun nicht besuchen können. Aber nun am Abend, jetzt singen sie, jetzt ist das alles vorbei, und sie singen mit ihren Kindern in diesem schönen Lande, das ihnen Heimat geworden ist. 'Und mit diesen Eltern aus Polen und Litauen singen nun auch schon die angeforderten Eltern aus Deutschland. Das Hebräische ist bei ihnen-ja nicht die stärkste Seite. Davon haben sie wenig in ihrer Jugend gelernt,- manche von ihnen haben kaum die Segenssprüche über die Thora zu sagen vermocht, und in manchen Synagogen hat man sie ihnen gar lateinisch aufgeschrieben, wie. auch draußen auf dem Friedhof das Kaddischgebet ihnen so vorgeschrieben werden mußte. Aber jetzt plötzlich können sie diese hebräischen Lieder mitsingen, deren Text sie vielleicht im einzelnen nicht einmal verstehen. Aber die Kraft des Gemeinschaftsgesanges reißt sie fort, und auch ihre Augen vergessen, was hinter ihnen liegt, und sie freuen sich dieser Stunde. Schnell sind diese Minuten des Gemeinschaftsgesänges vorbei. Allzulang darf der Abend nicht ausgedehnt werden, denn der Morgen ruft schnell zur Arbeit, und die kurzen Stunden des Schlafes müssen ausgenützt werden. Rasch leert sich das Hadar Ochel. Aber mit beschwingtem Schritt suchen die Jungen und die Alten ihre Lagerstätte auf. Bald hallt nur noch draußen das Geräusch des Brünnens durch die Nacht, und man vernimmt das Heulen der Schakale, man weiß, der Wächter geht seinen Weg, und man kann für die Arbeit des kommenden Tages sich stärken. „Arabia Deserta" Zur besseren Kenntnis der arabischen Umwelt im jüdischen Land Von Dr. Ludwig Feuchiwanger Das Studium Arabiens, des Islams, der arabischen Sprache und Kultur in Vergangenheit und Gegenwart, der Geschichte und Kunde des Landes im weitesten Sinn, ist den Juden von heute oft empfohlen worden. Die jüdische Herkunft, die jüdische Geschichte und die jüdische Zukunft verweisen entschieden auf eine noch gründlichere Beschäftigung mit dem großen Volk der Araber, mit seinem geheimnisvollen Lande und seiner klassischen Sprache, als es heute unter uns populär ist. 1001 Nacht, Pierre Loti, Karl May, ja selbst T. E. Lawrence und Hans Kohn - jeder der aufgeführten-Namen und Begriffe eine höchst beachtenswerte und lehrreiche Welt für sich — genügen nicht, an Wesen und Geist „Ismaels", mit welchem unser Schicksal verbunden war und ist, heranzukommen. Das richtige Mittel dazu bleibt die Erlernung der klassischen arabischen Sprache. Es darf hier daran erinnert werden, daß es zur besten jüdischen Tradition des heute so oft leichthin gescholtenen 19. Jahrhunderts ge- WEGWEISER FÜR AUSWANDERER M Möbel Für Auswanderer Praktische Möbel SP Polstermöbel K*85i KOSTERICH Fahrgasse 106 SchreibschrSnke in allen Holzarten von RM. 160.- bis RM. 350.- Schlafzlmmer in allen Holzarten speziell mit Herrenkomode von RM. 375.- bis RM. 750.- Auffbau-Möbel in Modern und Chippendale In allen Holzarten sowie Extra-Anfertigung Reform-Küchen,Bettcouchs,Polstersessel,Satztischchen, Lampentische, Metallbetten, Stühle sowie den praktischen amerikan. Klapptisch Kommen Sie doch ins „Jüdische Fachgeschäft" H. 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