Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 16 (1937-1938)
- Issue
- 11 (8.1938)
- Date
- 1938-08-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 11 Aueust 1938 JÜDISCHES GEMEINDEBLATT FÜR FRANKFURT Seite 9 Kansas City. Sein Monatseinkommen ist verhältnismäßig sehr hoch - 450 $! Aber das ist. wie Herr H. schreibt, „natürlich kein Maßstab", da er ja an dem Unternehmen beteiligt ist. Auf die Frage: „Vor welchen Fehlern möchten Sie besonders warnen?", antwortet H.: „Trotz der von mir begangenen Fehler ist es falsch, nichts zu riskieren und zu keinem Entschluß zu kommen. Viele Einwanderer tun das." Und dann gibt er einen Rat, den der Hilfsverein allen von ihm Betreuten Nordamerikafahrern immer und immer wieder, aber leider oft vergeblich erteilt. „Ich halte", so heißt es auf dem Fragebogen, „die Anhäufung größerer Mengen oft berufsloser Juden aus Deutschland in den Riesenstädten des Ostens für gefährlich und bedenklich, sowohl für die Einwanderer, als auch für die Einwanderung." — Ein Umschichtler: Franz Alexander, jetzt in Cali (Columbien), warehemals Vertreter. Dann lernte er schweißen. Seit Mitte 1937 betreibt er in Cali selbständig eine Schweißerei. Seine Familie - er ist verheiratet und hat 2 Kinder - blieb vorerst in Deutschland. Der Verdienst in Cali ist noch gering, 50 $ (col. Pesos) im Monat. Davon müssen die Kosten für die Werkstatt mit 20 $ bestritten werden, weitere 20 $ gehen für Kleidung drauf und 10 $ bleiben zum Leben. Bei diesem Etat muß man sich einrichten. Herr Alexander tut das. Vor allem. dadurch, daß er sich an die columbianische Kost gewöhnt, „weil deutsche Küche bedeutend teurer ist." Freilich ist diese Umstellung nicht ganz einfach. „Von allen Einwanderern", so schreibt der Befragte, „haben es nur vier Mann (ich eingeschlossen) fertig bekommen, längere Zeit, columbianisch zu essen." Trotz mancher Entbehrungen ist Alexander optimistisch. Er hofft, daß sich sein Betrieb günstig entwickeln wird. Sein ganzes Streben ist naturgemäß darauf gerichtet, Frau und Kinder sobald als möglich nachkommen zu lassen. ' - Eine unverheiratete Frau: Grete Berliner, jetzt 37 Jahre alt, ist Anfang 1937 nach Johannesburg gegangen. Beruf in Deutschland und in Johannesburg Stenotypistin. Jetzige Arbeitszeit von 8V2 bis 171/« Uhr. Monatseinkommen 10 Pfund. Davon kann Fräulein Berliner zwar kerne Ersparnisse mächen aber doch ihren Lebensunterhalt bestreiten. Auf die Frage, was sie falsch gemacht habe, erfolgt die Antwort: „Daß ich nicht früher hierher gekommen bin." Schließlich eine Akademikerin: Berta Horn, 1897 geboren, war in Deutschland Aerztin. Durch Inserat in einer medizinischen Zeitschrift tritt sie mit einem Hospital in Adelaide in Verbindung. Sie wird engagiert und fährt nach Australien. In dem dortigen Krankenhaus arbeitet sie gegen ein Gehalt von 200 Pfund Sterling (2000. - Goldmark) pro Jahr nebst freier Station — ein Einkommen, von dem sie sogar etwas zurücklegen kann. Die Position von Frl. Dr. Horn bietet freilich keine Garantie für die Zukunft, denn der Vertrag mit dem australischen Hospital läuft jeweils nur auf ein Jahr. Wie häufig er verlängert wird, ist ungewiß. Für welche unserer Auswanderer ist aber die Frage nach der Zukunft geklärt? All unsere Menschen, die in der Ferne ein neues Leben beginnen, müssen täglich den Kampf um die Existenz aufs neue aufnehmen. Rückschläge und Enttäuschungen bleiben dabei nicht aus. Aber die Fragebogen des Hilfsvereins^ zeigen, daß unsere Menschen den Willen haben, das Schicksal zu meistern, daß sie eine Einsalzbereitschaft besitzen, die auch durch Mißerfolge nicht erschüttert wird. Der Kibbuz singt Von Dr. Willy Cohn Ein arbeitsreicher Tag liegt hinler dem Kibbuz. 500 Menschen haben in den verschiedensten Zweigen der Wirtschaft gearbeitet, und die täglich erscheinende Zeitung kann von schönen Fortschritten melden. Die Kleider sind gewechselt, das Abendbrot ist eingenommen, die vielen Kleinkinder, die in überreicher Fülle als ein Segen der zum Boden zurückkehrenden Menschen hier leben, sind, zur Ruhe •-gebracht," der ' Abend gehört den Eltern und Großeltern. Gemeinsames Singen ist angesagt. Ein aus Deutschland stammender jüdischer Musiker, der es schon hier verstanden hat, den Gemeinschaftsgesang zu pflegen, ist für den Abend angekündigt; er, der sonst als Schuster sich in das Gemeinschaftsleben des Landes eingegliedert hat, fährt gelegentlich von Kibbuz zu Kibbuz, um die Menschen zum Singen zu bringen. Und nun ist man im Hadar Ochel versammelt. Zwanglos sitzt man um die Tische herum, auf denen sonst die Früchte des Landes stehen. Kein Instrument, WEGWEISER FÜR AUSWANDERER Allgemeines ELEKTR. Heizu. Kochgeräte, Ventilatoren, Staubsauger, Rasier-Apparate KOFFER Lederwaren. Damentaschen ISOLIER« Kannenu. Speisegeräte BfSTECKE NCUllBitgtl Füllhalter. Uhren. 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