Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 16 (1937-1938)
- Issue
- 11 (8.1938)
- Date
- 1938-08-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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H9H Seite 8 JÜDISCHES GEMEINDEBLATT FÜR FRANKFURT Nr. 11 August 1938 HAUPT#uiaghe Oer Weg sctir Bockenheimer Warle isf so nah! Er lohnt sich unbedingt auch für Sie! Nutzen Sie deshalb den Sommer-Schluss-Verkauf 0PEHI1 «LATZ BOCHH.AUIARTE des Textilkaufhauses Leipzigers«1. 14. nah. Bockenti. warte Seligmann Zur jüdischen Auswanderung Aus den Fragebogen des Hilfsvereins Die brennendste Frage für jeden einzelnen Juden in .Deutschland lautet wohl heute: „Wann und wohin werde ich auswandern können? - Wie erhalte ich das Visum tisw?" Gleich danach aber drängen sich andere Fragen auf, vor allem das Problem: „Wie wird sich mein Leben nach der Auswanderung gestalten? Wird es mir gelingen, eine "wirkliche neue Heimat zu finden; oder wird es ein Umherziehen ohne festen Halt geben?" - Der Hilfsverein der Juden in Deutschland, dessen große Tind schwere Aufgabe in der Betreuung der gesamten nichtpalästinensischen Auswanderung besteht, hat über das Schicksal der schon Ausgewanderten "eine Fülle, von Material gesammelt, das als Grundlage für die weitere Beratung der Auswandernden dient. Als eines der besten Mittel, die Ausgewanderten wirklich zum Reden über ihre wesentlichsten Erlebnisse in Uebersee zu bringen,' haben sich die sogenannten „grünen Fragebogen" erwiesen, die der Hilfsverein in Tausenden von Exemplaren verschickt und in Hunderten bereits sorgfältig beantwortet zurückerhalten hat. Hier werden dem Auswanderer ganz präzise Fragen gestellt: „Welches war Ihr ursprünglicher Beruf, welches ist Ihr jetziger? Wie lang ist Ihre Arbeitszeit? Wie hoch ist Ihr Verdienst? Wie verteilen sich Ihre Ausgaben auf die verschiedenen Hauptposten, wie Nahrung, Kleidung, Wohnung usw.? Wie sind die Schul Verhältnisse? Mit wem verkehren Sie (Juden aus Deutschland, Ostjuden, Landesbevölkerung} usw.? Ueberblickt man das eingegangene Material, so ergibt sich eine ungeheure Buntheit der Schicksale - und, im großen und ganzen, die beruhigende Gewißheit, daß. die meisten der Antwortenden eine produktive Einordnung in Uebersee allmählich gefunden haben. Greifen wir einige dieser Schicksale heraus,=-um dadurch. einen Einblick ih das POLSTERMÖBEL Ständiges Lager in [Ein-u. Doppelbett PATENTKAUTSCH Spezial-Werkstätte HERM. SCHLOSS Breitegasse 29, Eck« Zeil Tel. 29734 Corsetthaüs GAZELLE größte Auswahl in Formen und Preislagen 7FII 1 94 Größtes Spezialhaus Norddeutschlands £*±m* 1^1 Hamburg Lübeck Hannover Telefon 27172 Leben unserer Auswanderer zu verschaffen. Geändert sind im folgenden nichts als die Namen. Da ist Hans Bloch, ehemals Angestellter aus der Teppich- und Gardinenbranche. 1906 geboren, unverheiratet. Seit Januar 1937 in Buenos Aires,- hier zuerst zweiwöchige Arbeitsuche. Dann Stellung als Spuler in einer Seidenfabrik. Stundenlohn 50 Centavos. Arbeitszeit 8 Stunden täglich. - „Mit welchen Schichten verkehren Sie vorwiegend?", will der Fragebogen wissen. „Ich verkehre mit keinem und habe keine Zeit, da ich spanisch lerne", lautet die Antwort. Anders Herr Wertheimer, ebenfalls in Buenos Aires. „In gesellschaftlicher Hinsicht", so schreibt er, „habe ich gar keine Schwierigkeiten. Wir verkehren in allen Kreisen ohne Unterschied". Trotzdem kann Herr .W. von sich sagen, daß sein Leben nicht gerade leicht ist. Fünf Monate eifrigen Studiums waren notwendig, um die Landessprache notdürftig zu erlernen. „Durch die klimatischen Verhältnisse", konstatiert der jetzt Achtundvierzigiähjrige, „lßrnt..man,hier, besonders in fortgeschrittenem Alter, viel viel schwerer* als drüben." Aber die Anfangs Schwierigkeiten scheinen jiiberwunden zu sein. Herr W. sucht sich und seine Familie jetzt durch Vertretungen zu ernähren. Das Monatseinkommen ist jedoch naturgemäß „noch ganz unbestimmt". Fritz Bergmann, 58 Jahre alt, betrieb in Deutschland ein Herrenartikel- und Pelzgeschäft. Etwas Kapital stand ihm zur Verfügung. Damit ist er 1937 nach Neu -Seeland gegangen, wo er sich eine Kuhfarm gekauft hat. Hier arbeiten er und sein achfundzwanzigj ähriger Sohn „oft zwölf Stunden täglich". An Sparen ist noch nicht zu denken. Aber in zwei Jahren hofft er soweit zu sein. Hans Hamburger, 38 Jahre alt, wanderte mit Frau und drei Kindern nach den Vereinigten Staaten aus. Da ihm ein nicht unbeträchtliches Kapital zur Verfügung stand, beteiligte er sich an einer Transportgesellschaft und zwar in