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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1938-07-01 · 10 (7.1938) · p. Seite 7

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
16 (1937-1938)
Issue
10 (7.1938)
Date
1938-07-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 10 Juli 1938 JÜDISCHES GEM14INDEBLATT FÜR FRANKFURT Seite 7 Jehuda (1858-1926). Dieser kam etwa 1880 nach Jerusalem, besessen von der Idee, der hebräischen Sprache in Palästina wieder Wohnrechl zu verschaffen. Ein echter Monomane, kümmerte er sich nicht um Spott und Feindschaft der Bevölkerung,- kaufte er in den Läden hebräisch sprechend ein, zuerst boykottierte man ihn, später gewöhnte man sich und verabfolgte ihm die auf hebräisch geforderte Ware. Sein Sohn, Ithamar ben Awi, Redakteur am „Doar hajom", berichtet zur Illustrierung des Fanatismus seines Vaters die folgende Anekdote: „Eines Tages — ich war noch ein Kind — hörten wir in unserer Wohnung in Jerusalem Schreie auf der Straße. Mein Vater öffnete das Fenster und sah eine Frau, die von den Nachbarn gestützt wurde. Sie bat, ihr die Tür zu öffnen, denn sie sei im Begriff niederzukommen und habe keine Zeit mehr, das Entbindungsheim zu erreichen. Mein Vater rief ihr zu: „Ich öffne nur, wenn Sie es auf Hebräisch verlangen". - Die arme Frau, die sich in Schmerzen wand, brachte schlecht und recht einige Wörter auf Hebräisch heraus. Mein Vater öffnete ihr tungssprache 22): . Dieser-Fanatiker, der seine Frau mit der Peitsche bedrohte, falls sie anders als hebräisch spreche, wurde allmählich zum Lehrer von Hunderten von Schülern,- diese ihrerseits gingen in alle Welt, und wir, die wir heute hebräisch lernen, sind indirekt die Schüler dieses großen, unerbittlichen Mannes. Seine Forschungsergebnisse legte Elieser ben Jehuda in seinem „Thesaurus totius Hebiaitatis" nieder, einem umfassenden Lexikon, das ab 1908 bei Langenscheidt erscheint, und von dem jetzt acht Bände (bis zum 15. Buchstaben einschließlich) vorhanden sind. Dieses Werk ähnelt dem Grimmschen Wörterbuch der deutschen Sprache, es behandelt jedes Wort nach seiner Herkunft, seinem gesamten Bedeuiungskomplex und seiner Anwendung in alter und neuer Literatur. Vergleiche mit anderen Sprachen, besonders den semitischen, sind sehr zahlreich. Die Vokabeln sind in vier Schichten eingeteilt: biblische Wörter, Wörter der ialmudischen-midraschischen Literatur, Wörter der späteren Literatur und eigene Neubildungen. Die Härte und Grausamkeit dieses Fanatikers ermöglichte das moderne Hebräisch. Bereits 1893 war die Wirkung ben Jehudas zu verspüren. So schreibt Ignaz Rosenberg, der Verfasser des ältesten Lehrbuchs der hebräischen Unterhaltungssprache *2): „Als ich während einer Orientreise, im Jahre 1893, die jüdischen Schulen in Jerusalem und in den jüdischen Colonien besuchte, fand ich zu meiner freudigen Ueberraschuhg, daß die Schulkinder, Knaben und Mädchen in allen Lehrgegenständen, sowie im Privatgespräch, fließend und correct hebräisch sprachen und schrieben". Heute sprechen in Palästina und der übrigen Welt Hunderttausende von Juden hebräisch, heute wacht in Jeru- 21) Bayr. Isr. G. Z. 1935. Nr. 14. 22j Hebr. Conversationsgrammatik. Die Kunst, schnell Modernes Hebräisch zu lernen. Wien 1898. R. setzte sich dafür ein, Hebr. mit lateinischen Buchstaben zu schreiben und erfand eine hebr. Stenographie. An die Gemeindemiiglieder! Hierdurch ersuchen wir wiederholt, uns umgehend zwecks Veranlagung zu den Kulrusbeirrägen (Gemeindeumlagen) 1938/39 den Einkommensteuerbescheid 1937 und den letzten Vermögensieuerbescheid werktäglich zwischen 81/2 und 121/2 Uhr oder zwischen 15*/2 und 18 Uhr im Gemeindehaus, Fahrgasse 146, Zimmer 40 II. Stock (Steuerami) vorzulegen. Die Bescheide können auch gegen sofortige Rückgabe zu treuen Händen per Post oder per Boten übermittelt werden. Sollten die Bescheide noch nicht im Besitze der Pflichtigen sein, so bitten wir, uns dies kurz mitzuteilen. Wer die Uebersendung der Bescheide unterläßt, hat die Veranlagung zu den Gemeindeumlagen im Wege der Schätzung zu erwarten. Frankfurt a. M., im Juni 1938. Vorstand der Israelitischen Gemeinde salem der „Waad halaschon" (Sprachenrat) über die Sprache, heute erscheint eine Menge hebräischer Tageszeitungen (nicht nur literarische Blätter, wie zu allen Zeiten), heute wachsen Kinder mit Hebräisch als Muttersprache auf; und all dies sind die Früchte der Arbeit jenes Fanatikers. Ithamar, der Sohn E. ben Jehudas, war seit vielen Jahrhunderten das erste Kind, das mit Hebräisch als Muttersprache aufgewachsen ist, dessen erste stammelnde Laute dieser Sprache angehörten.23) Aber seit etwa einem Jahr-' zehnt gibt es viele solcher Kinder, und diese Kinder bilden ein neues sprachschöpfendes Element, von nicht zu unterschätzender Bedeutung. Sie schufen nicht nur viele neue Wörter und Begriffe, z. B. „goschem es regnet", statt des alten „geschem jored Regen fällt", sondern sie haben auch die Sprache verändert und vereinfacht.24) Die neuen Einwanderer orientieren sich zum großen Teil an dieser Sprache, und so entsteht zur Zeit ein neues Neuhebräisch. Neu sind z. B. gewisse Wortzusammensetzungen, wie „kaduregel Fußball", „tappus Orange" usw. Salzbau und Wortformen sind oft „falsch", gemessen an dem Hebräisch der Gelehrten und Redner dreier Jahrtausende,- sie sind falsch, gemessen an dem Hebräisch des europäischen Ostens oder an den Regeln, die wir im Unterricht lernen und tradieren. Dem korrekten und strengen Grammatiker stehen oft die Haare zu Berge, wenn er die Kinder und jungen Einwanderer hört 25) oder Inserate liest, aber das Leben ist stärker als die Theoie, das Rechnen klüger als der Rechner und die Sprache richtiger als die Grammatik. Die Dinge gehen eigenwillig ihren Lauf, und vielleicht entsteht allmählich wirklich eine neue, nun auch den Sprachmöglichkeiten der Kinder angepaßte Sprache, die in absehbarer Zeit die palästinensische Umgangssprache sein kann. (Fortsetzung folgt.) 23) Raummangel verbietet uns leider, die hübschen Anekdoten von dem ohne Spielgefährten aufwachsenden Ithamar zu erzählen. S. Bayr. G.-Z. a. a. O. 24) Vgl. die Broschüre von M. Sisier, die Aussprache des Hebr. Berlin 1937. 25) Es ist z. B. üblich zu sagen: „ani lo jodea", eine von der . Grammatik streng verbotene Form für „ich weiß nicht ejni jodea". JUWELEN GOLD SILBER UHREN ALLER ART BESTECKE editSiiber und y«»»»™* Wir kaufen Altgold und Silber auch alte Silbermark An» und Verkauf aus Prlvatbesi* GB 11/48449 POSEN'DOSEN SILBERSCHMIEDE r KAISERSIMSSE 5 ■ NÄCHST ROSSMARKT

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