Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 16 (1937-1938)
- Issue
- 10 (7.1938)
- Date
- 1938-07-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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No. 10 Juli 1938 JÜDISCHES GEMEINDEBLATT FÜR FRANKFURT Seite 3 &uv das jüdische *TCind! > ßeilung Ufld Völlige GeSUndWtg kranken Kindern durch Gewährung notwendigster Heiikuren in ärztlich geleiteten Erholungsheimen, Stärkung Und {Kräftigung schwächlichen und kränklichen Kindern durc^ Gewährung einer fürsorgerisch einwandfreien Erholung während der Ferienzeit zu verschaffen, ist Aufgabe und Ziel der Jüdischen Wohlfahrtspflege. Sie veranstaltet zu diesem Zweck eine ßaussammfung am 3.3ufi1938, von10-13Kfif* Jeder muß der Jüdischen Jugend durch seine Gabe helfen! Gebt deshalb alle am 3. Juli 1938: $üv das jüdische IXirtdl Jüdische Wohlfahrtspflege E.V., Frankfurt a. M., Quinckestr. 26 a Anruf 42079 Postscheckkonto Nr. 54893 Ffm. ■■■■■■■■■■^^■[^^^■■■■■■■■■«■■■■■■^■■■IIHBHHHHBa^ Das Schrifiwori Geschichten um Korach Von Max Dienemann Die Bibel erzählt die Empörung Korachs, ohne näher auf die Motive der Empörer einzugehen,- sie läßt Korach so reden, als sei er - modern gesprochen - aus Gründen der Demokratie ein Verfechter des allgemeinen Priestertums ganz Israels; in einem Satz den Mosche zu ihm und seinem Anhang spricht: . (4. M. 16, 10) „nun verlangt ihr auch das Priesteramt" läßt die Bibel durchschimmern, daß sie dem Korach nicht die Uneigennützigkeit eines angeblichen Kampfes für die Rechte aller glaubt, unter diesem Deckmantel verfolgt er seine eigenen Machtpläne. So sparsam die Bibel mit ihren Worten ist, so freigebig ist der Midrasch mit allerhand Erzählungen, die die Art seines Kampfes schildern sollen. Er erzählt unter anderm, indem er eine Verbindung zwischen dem Abschnitt, der von Korach handelt, und dem voraufgehenden herstellt, der von den Schaufäden handelt: Die listige Form Korach trat zu Mosche hin und fragte ihn: Muß ein Gewand, das ganz aus blauer Wolle besteht, Schaufäden haben? Mosche antwortete: Ja. Darauf Korach: Ein Faden blauer Wolle genügt für ein ganzes andersgeartetes Gewand, und eines, das ganz aus diesem Stoffe besteht, sollte nicht in sich selbst Genüge haben? Und nochmals nahm er die Frage auf. Muß ein Haus, das voll heiliger Bücher ist, eine Mesusah an der Türpfoste haben? Mosche sagte: Ja. Darauf Korach: Die ganze Tora hat 275 Abschnitte, und das genügt nicht, das Haus zu weihen? Es müssen noch einmal die zwei Abschnitte sein, die in der Mesusah sind? Unmöglich kann das Gott so angeordnet haben, das denkst Du Dir allein aus." — Korach erscheint hier als der Typ derer, die eine Ordnung durch Spitzfindigkeiten zu erschüttern suchen, die über kleinen Unstimmigkeiten die Größe und Gewalt der Idee übersehen,- zugleich als Typ derer, die, wo sie die Vernunft zum Maßstab des Urteils nehmen, nicht die Vernunft eines allgemeinen Denkens im Auge haben, sondern ihr persönliches Denken. Zugleich aber erscheint er hier als Typ derer, die es darauf anlegen, die religiöse Ordnung lächerlich zu machen. Aber leicht kann diese Sucht, lächerlich zu machen, in eine gefährliche Demagogie übergehen. Auch als Typ solcher wird Korach hingestellt. Der Gesetzgeber als Vernichter „Korach begann vor der versammelten Gemeinde allerhand Spottrede zu führen. Er erzählt: In meiner Nachbarschaft war ejne Witwe mit zwei Waisenmädchen, sie hatte ein Feld. Als sie pflügen wollte, kam Mosche und gab ihr das Verbot (5. M. 22, 10): Du sollst nicht Ochs und Esel gemeinsam in den Pflug spannen." Als sie säen wollte, kam Mosche mit dem Verbot (3. M. 19, 19) „Dein Feld sollst du nicht in zweierlei besäen." Als es zur Ernte kam und sie Garben binden wollte, sagte er „Ihr müßt das Hinuntergefallene und Vergessene liegen und die Ecke stehen lassen" (3. M. 19, 9). Als die Ernte in die Scheuer eingefahren werden sollte, sagte er zu ihr „Du mußt die Hebe geben für den Priester und den ersten und den zweiten Zehnten." Sie unterwarf sich diesen Anordnungen und gab, was verlangt war, aber sie verkaufte das Feld und kaufte dafür zwei Schafe, um sich von ihrer Schur zu kleiden und ihrem Wurfe sich zu ernähren. Als sie Junge hatten, kam Aharon und sagte: Gib mir die Erstgeburt, denn so hat der Heilige, gelobt sei Er, gesagt (5. M. 15, 19) „jeden Erstgeborenen, der dir geboren wird, sollst du IHM heiligen". Sie unterwarf sich auch diesem. Als die Zeit der Schur kam und sie schor, sagte er zu ihr: Gib mir die erste Schur, denn so hat der Heilige, gelobt sei Er, gesagt (5. M. 18, 4) „das Erste von deiner Schafschur sollst du ihm geben". — Jetzt sagte-sie, mir fehlt die Kraft vor diesem Mann zu bestehen, jetzt schlachte ich die Schafe und esse sie auf. Als sie sie geschlachtet hatte, sagte er zu ihr, gib mir den Bug, die Kinnbacken und Magen (5. M. 18, 3). Da sagte sie, nicht einmal, nachdem ich sie geschlachtet habe, kann ich mich vor ihm retten, und sprach nun, es soll alles mir gegenüber, als Gebanntes gellen. Da aber sprach Aharon, jetzt gehört alles mir, denn so hat der Heilige, gelobf sei Er, gesprochen (4. M. 18, 14) „alles Banngut in Israel soll dir gehören". Er nahm's und ging seiner Wege und ließ sie und ihre zwei Töchter in Tränen zurück. So ging es dieser armen Verlassenen. Und sie berufen sich bei alledem gar auf den Heiligen, gelobt sei Er". - Hier ist also Korach der Typ derer, die die religiöse Ordnung zu unterwühlen trachten, indem sie die religiöse Forderung an den Menschen als untragbar, als zerstörend und den Einzelnen in seinem Lebensrecht erschütternd darstellen. Heil und Unheil von den Frauen Unter den Empörern wird auch ein On ben Pelet genannt, aber bei den Bestraften und von der Erde Verschlungenen fehlt dessen Name. Wieso ward er gerettet? Das zu erklären, stellt der Midrasch Korachs Frau der des On gegenüber und erzählt: „Korachs Frau sagte zu ihm, schau nur wie er's mit euch treibt,- sich selbst hat er zum König gemacht, seinen Bruder zum Großpriester, seines Bruders Söhne zu stellvertretenden Großpriesiern. Die Hebe hat er den Priestern zugesprochen, die Erstlinge der Früchte den Priestern, von dem Zehnten, den ihr bekommt, sollt ihr den zehnten Teil den Priestern geben, ferner, er verlangt, daß ihr euch das Haar scheeren laßt und macht euch so zum Gespött. Ein Auge hat er auf euer Haar geworfen, darum hat er zu euch gesagt (8, 7) „führet das Schermesser über euer ganzes Fleisch." Und dann hat er angeordnet, (4. M. 8, 13) euch herumzuschwenken, wie man's mit den Lämmern macht. Korach erwiderte ihr, aber mit sich selber hat er es doch auch gemacht! Darauf sie: weil er sich so groß gemacht hat, braucht er nicht mehr Rücksicht auf sich und seine Würde zu nehmen, er kann gleichsam sprechen (Richter 16, 30) „es sterbe meine Seele mit den Philistern". So wurde Korachs Frau mit ihrer Hetze die Anstifterin des