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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1938-06-01 · 9 (6.1938) · p. Seite 3

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
16 (1937-1938)
Issue
9 (6.1938)
Date
1938-06-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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No. 9 Juni 1938 JÜDISCHES GEMEINDEBLATT FÜR FRANKFURT Seite 3 Schowuaus 5698 Omer-Büchlein, 18. Jahrhundert (Museum Jüdischer Altertümer} DAS SCHRIFTWORT: Aus der Zeit der Wüstenwanderung Von Max Dienemann Die deutliche Zeitangabe Das vierte Buch der Tora beginnt mit einer Anordnung zu einer Zählung Israels. Sie wird in der Schriftauslegung mit dem Psalmvers (36,7) in Verbindung gebracht (der auch im letzten Schriftwort im Vordergrund stand). „Deine Liebe ist wie Gottesberge, Deine Gerichte sind große Tiefe." Und zwar in folgender Gedankenrichtung: Wie die Tiefe voller Verborgenheit ist, so ist auch Dein Gericht in Verborgenheit. Jerusalem ist in Wirklichkeit am neunten Ab zerstört worden. Aber als Gott dem Jescheskel Schau davon gab, geschah es am ersten des zehnten Monats. Warum? Um nicht offenbar zu machen, an welchem Tage, in welchem Monat die Zerstörung sein würde. Wenn es sich aber darum handelt, Israel zu neuer Aufgabe zu führen, wird deutlich gesagt, an welchem Tage, in welchem Monat, welchem Jahr, an welchem Ort, in welchem Zeitabschnitt (4. M. 1. 1) „ER sprach zu Mosche in der Wüste Sinai, im Zelt der Gegenwart, am ersten des zweiten Monats, im zweiten Jahr nach ihrem Auszug aus dem Lande AegYpien." — Eine seltsame Bemerkung! Sie klingt zunächst wie die Rede eines Menschen, der das tut, was wir so gern tun und doch nie tun dürften, nämlich die Augen vor dem Schlimmen verschließen, es nicht sehen wollen, sich benehmen, als sei das Unglück nicht vorhanden, wenn man an es nicht denkt. Aber nicht das ist der wahre Sinn, sondern eine Mahnung an alle aus Unglück sich Erhebenden, an eine Wendung des Schicksals erst dann zu glauben, wenn alle Zeichen des Neuen klar und sichtbar und sagbar sind, eine Warnung, sich nicht in unbestimmten Hoffnungen zu wiegen. Die Sabbatgrenze Von der Zählung schreitet der Text der Bibel fori zu Bestimmungen über die Lagerordnung. Ihr Eingangsvers (4. M. 2. 2) „jeder bei seiner Fahne, bei den Zeichen ihrer Väterhäuser sollen die Kinder Israel lagern" ist der Ausgangspunkt zu einer Erörterung, die in der Gestaltung der Sabbatheiligung ihren Niederschlag fand. „Wieviel Ellen darf jemand am Sabbat gehen? So haben unsere Lehrer gelehrt: wer unterwegs ist, und der Sabbat beginnt, zieht um sich einen Kreis von vier Ellen und sagt, hier ist mein Sabbataufenthalt, und von hier aus kann er nach jeder Richtung zweitausend Ellen weit gehen; und wer in einer Stadt seinen Sabbat hält, mag sie die größte Stadl sein, kann sich ganz m ihr bewegen und in dem, was ihr einverleibt ist und außerhalb dieses Gebietes noch zweitausend Ellen in jeglicher Richtung. Was ist das Einverleibte? Das sind die Läden und Wirtshäuser außerhalb der Stadt. Und wer in einer Hohle den Sabbat verbringt, mag sie so groß sein wie des Zidkijahu des Königs von Juda (er floh durch einen unterirdischen Gang, der bis nach Jericho ging), die zwölf Mil lang war, kann sie ganz durchschreiten und hat dann noch zweitausend Ellen in jeder Richtung für sich. Die Weisen stützen sich da auf die Bestimmung (4. M. 35, 5) „und ihr sollt abmessen außerhalb der Stadt zweitausend Ellen nach Osten, nach Süden, nach Westen und Norden, das soll der Weidebezirk der Städte sein". So findest du es auch, als der Heilige, gelobt sei er, dem Mosche sagte, daß er sie nach Fahnen lagern lassen soll/ er sagte zu ihm, lasse sie nach jeder Richtung in einer Entfernung von zweitausend Ellen lagern, denn so heißt es (4. M. 2, 2) „in Abstand rings um das Zelt der Gegenwart sollen die Kinder Israels lagern, im Abstand - d. i. ein Milzweiiausend Ellen". - In der Gesetzgebung um die Sabbafheiligung spielt diese Regelung der zweitausend Ellen-Spanne eine große Rolle. Indem man sie auf die Lagerordnung zurückführt und auf die Beziehung der Lagernden zu dem Mittelpunkt, der heiligen Lade, wird für alle Lebensbeziehungen das Gotteshaus und die Tora zum Mittelpunkt gemacht, auf den hin sich alles richtet. Woher die Ordnung der Stämme? Die Frage wird aufgeworfen: „Es hätte genügt zu sagen: jeder bei seiner Fahne; wozu noch die weiteren Worte: bei den Zeichen ihrer Väterhäuser? Als unser Vater Jacob aus dieser Welt schied, segnete er alle seine Kinder und befahl ihnen: Wenn ihr mich zu Grabe tragt, tragt mich in Ehrfurcht und Ehrerbietung, kein anderer soll mein Bahre berühren, auch keiner von euren Kindern, denn unter ihnen sina welche, die kanaanitische Frauen geheiratet haben. Er sprach zu ihnen: Jehuda, Jissachar und Sebulon sollen meine Bahre von Osten her tragen, Reuben, Schimon und Gad von Süden her, Efraim, Menasche und Binjamin von Westen her. Dan, Ascher und Naftali von Norden her. Josef soll nicht tragen, denn er hat königliche Würde, Lewi soll nicht tragen, denn er ist bestimmt, die heilige Lade zu tragen, und wer die Lade mit dem Wort des Ewiglebenden trägt, soll nicht eine Lade, darin ein Toter, tragen. Wenn ihr also tut und meine Bahre so tragt, wie ich euch geboten habe, wird euch der Heilige, gelobt sei er, einst unter euren Fahnen so ruhen lassen. Als er abschied, trugen sie ihn, wie er geheißen hatte. Als Israel nun aus Aegypten zog, sagte der Heilige, gelobt sei er, nun ist die Stunde, da sie sich unter Fahnen ordnen sollen, und er sprach zu Mosche, daß sie sich unter Fahnen ordnen sollen. Da wurde es Mosche bange und er sagte: Jetzt werden sie Streifigkeiten unter den Stämmen anfangen, wenn ich Jehuda sagen werde, er soll im Osten sein Lager haben, wird er sagen, nein, dort will ich nicht, ich will im Süden,

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