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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1938-05-01 · 8 (5.1938) · p. Seite 7

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
16 (1937-1938)
Issue
8 (5.1938)
Date
1938-05-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 8 Mai 1938 JODISCHES GEMEINDEBLATT FÜR FRANKFURT Sdte 7 Dr. jur. Hugo Hoff mann0 iffn8»M Versicherungen aller Art sie manches leisten.- Daß es blinde Hausierer gibt, ist begannt. Auch die akademischen Berufe sind Blinden nicht "verschlossen. Das Studium der Nationalökonomie, Jurisprudenz und Philosophie z. B. ist ihnen möglich, da wohl die meisten wissenschaftlichen Werke in Blindenschrift erschienen sind. Ueberdies besteht in Marburg eine besondere Studienanstalt zur Vorbereitung Blinder für akademische Berufe. Als Dozenten z. B. haben Blinde sich schon praktisch betätigt. Der Verfasser dieses Aufsatzes hat einmal an nalionalökonomischen Uebungen mit Vorträgen und schriftlichen Arbeiten teilgenommen, die in Vertretung des ordentlichen Professors von dessen blindem Assistenten geleitet wurden. Gesamtergebnis: Der Blinde ist (unter der Voraussetzung, daß er sonst gesund ist) arbeits- und erwerbsfähig und braucht somit der öffentlichen Unterstützung nicht zur Last zu fallen. Es sind ihm wohl Grenzen gezogen,- alle Gebiete menschlicher Tätigkeit, bei denen der Gesichtssinn nicht •durch andere Sinne ersetzt werden kann, bleiben ihm verschlossen. Aber innerhalb dieser Grenzen bleibt ihm noch :genug, daß er Vollwertiges leisten kann. Allerdings erfordert das Erlernen eines Berufs ein Besonderes an Energie von ihm. .Noch einiges über die jüdischen Blinden. Sie betätigen sich genaü wie die anderen Blinden und haben an Zur jüdischen Englisch oder Spanisch? Der Hilfsverein der Juden in Deutschland stellt uns nachstehende Ausführungen zur Verfügung: Daß die wichtigste Vorbereitung zur' Auswanderung im;Sprachstudium besteht, ist wahrhaftig keine Neuigkeit. Im- "mer wieder ist gesagt worden, daß man mindestens ein "halbes Jahr vor der Auswanderung mit der Erlernung der ■künftigen Umgangssprache beginnen soll, daß gründliche Sprachkenntnisse den einzigen „hundertprozentigen Transfer" darstellen, der uns Juden in Deutschland verbleibt,- und micht zuletzt, daß die Unterbringung von Kaufleuten und lAkademikem ohne gute Kenntnisse der Landessprache fast unmöglich und den Hilfskomitees in Uebersee auch gar nicht ^zuzumuten ist. Aber was hilft das alles? Noch immer wandern Monat für Monat viele Dutzende, wenn nicht hunderte von Personen aus, die kaum ein paar Worte der künftigen ^Landessprache beherrschen,- noch immer gibt es jene Schlau- *:berger, die so phänomenal begabt zu sein vorgeben, daß sie die Sprachstudien erst „auf dem Dampfer" zu beginnen brauchen, um bald perfekt zu sein. Vor allem aber gibt es eine "wunderbare Ausrede alleT Faulen, daß man ja nicht wisse, ob man schließlich in ein englisch- oder in ein spanisch- -sprechendes Land käme und daß man daher mit dem Sprachstudium „leider" noch nicht beginnen könne. Deshalb ist es vielleicht an der Zeit, einmal folgendes festzustellen. Mindestens zwei Drittel aller jü- «dischen Auswanderer aus Deutschland, die nicht. nach Pa- '"lästina gehen, kommen in angelsächsische Länder,- -stehen doch die Vereinigten Staaten z. Zt. bei weitem an «erster Stelle als Zielland unserer Auswanderer,- daneben . spielt Australien eine sehr wichtige Rolle. Andere englischsprechende Länder wie vor allem England selbst nebst Irland, ferner aber auch Neu-Seeland, Kenya, Indien usw. ..kommen hinzu. Unter diesen Umständen ist die Erlernung der englischen Sprache selbst für den, der sich auch nur mit entfernten Auswanderungsabsichten trägt, eine absolut gebotene Vorsichtsmaßnahme; wer jedoch kurz vor der Auswanderung steht, der muß mit aller verfügbaren TKraft sich um eine intensive Erlernung des Englischen be- "mühen. Demjenigen aber, der fürchtet, nicht in einem angelsächsischen Land Einlaß zu finden, muß einmal folgendes -gesagt werden. Englisch ist die Welthandelssprache/ es - ist ferner auch in weiten Teilen der Welt, in denen andere •'Landessprachen herrschen, ein unentbehrliches Verständi- ■. gungsmiffel in allen internationalen Kreisen. In ganz Ostasien, d. h. in China, Japan, in der Mandschurei, den Philip- - pinen Usw." wird außerordentlich viel Englisch gesprochen iund ift den meisten dieser Länder kommt der Fremde, wenn sich die gleichen Möglichkeiten. Sie sind in Deutschland seit 1933 denselben Einschränkungen unterworfen wie alle Juden. Seit 1910. gibt es, wie erwähnt, eine Jüdische Blindenanstalt in Berlin. In Wien wurde eine solche bereits 1872 gegründet. Diese Anstalten gewähren dieselbe berufliche Ausbildung wie die allgemeinen Anstalten auch. Die Selbsthilfevereinigung der jüdischen Blinden ist ihren Mitgliedern behilflich auch in finanzieller Hinsicht» wenn sie eine Arbeit erlernen wollen. Aus den Jahrbüchern, die diese Vereinigung seit 1935 in jedem Jahr herausgibt, geht hervor, wieviel jüdische Blinde sich in verschiedenen erufen betätigen. Man findet neben selbständigen Kaufleuten auch Stenotypistinnen, Korb- und Stuhlflechter, Klavierstimmer, einen Pianisten und staatlich anerkannten .Musiklehrer, den Organisten einer der großen liberalen Synagogen Berlins, u. a. m. Entsprechend der Altersschichtung der Juden in Deutschland ist bei den Blinden ein hoher Prozentsatz im Alter zwischen zwanzig und fünfzig Jahren, also im berufsfähigen Alter. Die genannten „Jüdischen Blinden jahrbücher" vermitteln manche wichtigen Aufschlüsse und Abhandlungen, vor allem aber auch Aeußerungen jüdischer Blinder selbst über ihre Berufsausbildung oder Umschichtung und ihre Erfahrungen im Berufsleben. Aus ihren Zeilen spricht das hohe Glück, das ihre Arbeit ihnen gewährt. Auswanderung er nur Englisch kann, auch häufig ohne Kenntnis der Lahdessprache ganz gut durch. Vor allem aber ist auch und gerade in den Gebieten Latein-Amerikas, in die sich jüdische Einwanderung aus Deutschland heute weitgehend richtet, d. h. in Argentinien, Uruguay, Brasilien und Columbien, die Kenntnis des Englischen zum mindesten für alle Kaufleute von großer Bedeutung und verschafft dem Einwanderer einen großen Vorsprung vor all denen, die nur die Landessprache, d.h. Spanisch, bezw. Portugiesisch beherrschen. In diesen Ländern sind Milliarden von Dollar und Pfund angelegt und große englische und nordamerikanische Konzerne beherrschen wichtige Teile des Wirtschaftslebens. Auch sind für ganz Südamerika die Vereinigten Staaten oder England die wichtigsten Außenhandelspartner. In den größten Städten Latein-Amerikas, wie Buenos Aires, Rio, Sao Paulo, befinden sich auch starke Kolonien von Engländern oder Yankees. Dies hat zur Folge, daß auch außerhalb der kaufmännischen Berufe die Kenntnis des Englischen für viele Kategorien von Einwanderern äußerst nützlich ist. Insbesondere gilt dies für weibliche Arbeitskräfte wie Stenotypistinnen, Hausangestellte, Gouvernanten, Lehrerinnen usw. Wer in englischsprechenden Familien brauchbar ist, kann häufig sehr viel höhere Gehälter verlangen als derjenige, der nur in einheimischen Familien unterzubringen ist: Andererseits aber ist es ein großer Irrtum zu glauben, daß die Kenntnis des Spanischen mit dem Moment nutzlos ist, in dem man das Affidavit für die U. S. A. in der Tasche hat. Nein, auch und gerade in den Vereinigten Staaten sind spanische Sprachkenntnisse ein äußerst wert-

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