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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1938-04-01 · 7 (4.1938) · p. Seite 6

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
16 (1937-1938)
Issue
7 (4.1938)
Date
1938-04-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seiteö JÜDISCHES GEMEINDEBLATT FÜR FRANKFÜRT Nr. 7 April 1958 Dr. Arthur Lazarus schreibt: In den letzten Jahren ist Erez Israel ein Sammelbecken für die Judentümer verschiedener Länder geworden. Bis dahin kamen nach Erez Israel im wesentlichen zwei Gruppen mit einer bestimmten weltanschaulichen und politischen Haltung, Das eine waren die Menschen des alten Jischuw, die ein Leben der Lehre führen wollten und die die Arbeit an der Thora kannten. Auf der anderen Seite kam eine rein nationale Schicht, deren Führer die Religion der Arbeit verkündeten und in einem stark auf sozialen Leistungen beruhenden, national fundierten Aufbau Verwirklichung jüdischer Forderungen suchten. Fest gefügt standen die Lager des alten und des neuen Jischuw einander gegenüber. : Seit dem Einsetzen der Masseneinwanderung, besonders von Juden aus Deutschland, ist aus einer Situation wieder ein Prozeß geworden. Die Fronten stehen nicht mehr stark und unerschüttert einander gegenüber, sondern geraten in Bewegung, in der Richtung, daß eine gemeinsame Basis für die Juden der verschiedenen Länder gefunden werden muß. Für eine tiefere Fundierung reichen politische Zielsetzungen und nationale Proklamationen nicht aus: Tiefere Schichten im Menschen gilt es zu erfassen. Der Aufbau des Landes, Wenn er mehr will, als ein Asyl zu schaffen für Flüchtlinge aus der Galul, bedarf einer festen Verwurzelung im Kulturellen und Religiösen. Es ist die Auffassung des Misrachi, daß das Auseinanderfallen eines lebendigen Judentums in Richtungen, von denen die eine die Konfessionalität stärkerer oder milderer Observanz meint, die andere den Nationalismus als Selbstwert und Ideal anerkennen will, im Widerspruch zu den histrori'schen Tatsachen der jüdischen Geschichte steht. Wenn man nun daran geht, nach der Erreichung politischer Möglichkeiten, bezw. schon vorher, in Erez Israel Aufbauarbeit zu leisten, so sollte dies eine gradlinige Fortsetzung. jüdischen Tuns, wahres Erbe jüdischer Geschichtsidee sein. Erez Israel erhält seine Bedeutung nicht von einer bestimmten Größe der Einwanderungsziffer, sondern dadurch, daß es als geislige Größe den Juden der Gola Zentrum und Vorbild sein kann, Ort der Verwirklichung, der Gesetzeserfüllung, frei von den äußer-en Hindernissen der Galut — Der Misrachi suchte diesem Ziel zunächst im wesentlichen dadurch näher zu kommen, daß er ein großes Schulwerk aufbaute, für Errichtung von Baihe-Midraschim und anderen religiösen Institutionen sorgte. - Die Schulen des Misrachi werden z. Zt. von 14000 Schülern besucht, welche von etwa 460 Lehrern unterrichtet werden. In Tel-Aviv allein umfaßt das Schulwerk des Misrachi heute 18 Schulen mit 4600 Schülern, 10 Talmude-Tora mit 1150 und 4 Jeschiwot mit. 250 Schülern. — So gut und richtig die erzieherische Tendenz des Misrachi war und ist, so war diese Idee zur Erreichung des Zieles doch noch nicht ausreichend. Es fehlten die Menschen, die im Lande selbst diese Idee zu einer Wirklichkeit werden ließen. Die Thora sollte wieder Bezirke des staatlichen und politischen Lebens umfassen, die ihr in den Jahrtausenden der Galut notgedrungen verloren gingen. Die Wiedereinsetzung der Thora als gültiges Rechtssystem einer jüdischen Gesellschaft würde nicht zuletzt einen erzieherischen, moralischen Einfluß ausüben,- ist ja das Rechtssystem gewichtiger Bestandteil des Lebenssysfems und bestimmt dadurch Haltung und Haftung des Menschen. Diese Forderung, die Thora in allen Hinsichten sich auch auf das gesellschaftliche Leben beziehen zu lassen, hatte aber nur dann Aussicht auf Erfolg und ihre innere Berechtigung, wenn sie von Menschen vorgetragen wurde, die für sich selbst die Thora nicht nur als Individual-, sondern als Sozialgesetz verwirklichen wollten und die sich im Sinne des nationalen und religiösen Aufbaues in die Reihen der Schaffenden Erez Israels stellten. So wurde 1922 von der Tora-wa-Awoda-Bewegung der Hapoel-Hamisrachi in Palästina gegründet, der in kultureller Selbständigkeit für das Recht und die Ansiedlung des religiösen Arbeiters eintrat In den letzten Jahren hat der Hapoel Hamisrachi einen großen Aufschwung erfahren und wir betrachten mit besonderer Genugtuung den Anteil der deutschen Alija der Tora-wa-Awoda-Bewegung an der Stärkung des" Hapoel- $D ^\ B T _ JkM CSC Iporuklei'dung ^0 |% | mm mW mß Auswandererbedarf Am Schauspielhaus 2- 4, Tel. 29335 MOSKITONETZE etc. Hamisrachi, der dadurch in den letzten Jahren im Lande ein sichtbarer Faktor geworden ist. Tauseride von Chawerim der deutschen Tenuat Tora-wa-Awoda gehören dem Hapoel- Hamisrachi an. Der Kibbuz Rodges, der heute zu den anerkanntesten Kibbuzim des Landes gehört, hat seine doppelte Bedeutung als Vorbild eines religiösen Kibbuz erwiesen, wie auch organisatorisch und ideologisch als der Kern des Ghewer Hakwuzot Hadatioi, des Bundes der religiösen Kwuzot. Hier im Kibbuz Rodges — so genannt nach dem ersten- Ausbildungsgut der Misrachijugend, dem in der Nähe von Fulda gelegenen Gut Rodges, welchem seit 1929 der Gehringshof mit der gleichen Aufgabe gefolgt ist - und den Plugot von Kibbuz Rodges (z. Zt. mit über 1400 Menschen) wird der Gedanke des Misrachi praktisch vorgelebt. Wochentage, Schabbatot und Moadim werden hier vom Geiste gesetzestreuen Judentums getragen,- Arbeit und Feiertage bestimmt der gleiche religiöse Gehalt. Wenn morgens die Chawerim zur Arbeit gehen, liegt hinter ihnen das Erlebnis des gemeinsamen Schacharis-Gottesdienstes und des Abends nach der Arbeit vereinigt die Chewra wieder das gemeinschaftliche Gebet und später das Lernen. Seine besondere Ausprägung findet dieser Geist am Schabbat. Ihn in einer solchen Chewra, wie z. B. in Rodges, mit seinen etwa 250 Menschen mitbegangen zu haben, ist besonders für den Neuling aus der Gola ein unvergeßliches Erlebnis. Erst hier fühlt man, was der Schabbat bedeutet, wie er nach einer Woche schwerster Arbeit, die alle Kräfte der Einzelnen fordert, ein beglückender Ausgleich für alle Mühe und Last des Alltags ist. Ebenso empfangen die Festtage erst hier für uns von neuem ihren eigentlichen Inhalt. Nicht in dem Sinne, in welchem der Tradition entfremdete Kreise die Feste unter Außerachtlassung des Gesetzes zu begehen suchen, sondern die herkömmliche Art und Weise erhält hier, an der historischen Entstehungsstätte unserer Feste, eine vertiefte Bedeutung und neue Weihe. Das zeigt sich z. B. am Pessach, wenn beim Seder, an dem viele Gäste aus dem ganzen Lande teilnehmen, die Erzählung der Geschichte unserer Befreiung aus Aegypten zum Ausgängspunkt wird für eine Betrachtung unseres gesamten Volksschicksals und so alles fragend und erzählend die ganze Nacht zusammen bleibt bis Kriat Sch'ma scheißSchacharis. Aber nicht nur die Festzeiten, sondern vor allem der Alltag des Lebens wird al-pi-hatora gelebt. Gerade das soziale Zusammenleben in den Kibbuzim wird gestaltet vom Religionsgesetz und den Mizwot; die religiöse Betrachtungsweise allein ist maßgeblich für die Entscheidung aller hier entstehenden Fragen, Um die Regelung neu auftauchender halachischer Probleme nicht jedem einzelnen zu überlassen, hat der Chewer Hakwuzot Hadatioi junge, in Jsrael ausgebildete Rabbanim als Chawerim in den Kibbuzim aufgenommen, die aus der praktischen Arbeit heraus ein klares Bild und Verständnis für die religiösen Probleme der Siedler siäh verschaffen und gemeinschaftlich mit den rabbinischen Autoritäten des Landes und der Gola zu ihrer Lösung beitragen. Die Rabbanim sind gleichzeitig Lehrer der Chewrot und betreuen gemeinsam mit den anderen Madrichim, die bereits mehrere hundert Chawerim umfassende Jugendalija, von der sich die erste Gruppe, die 1935 ins Land kam, schon zu einer selbständigen Kwuza zusammen geschlossen hat. Nicht unerwähnt soll in diesem Zusammenhang die neueste Siedlung des Hapoel Hamisrachi, Tirat Zwi im Osten des Emek sein, von deren heldenhafter Verteidigung wir in den letzten Wochen hörten. Alle diese, wenige Jahre alten Kibbuzim und Plugot der Tenuat Tora-wa-Awoda haben die lebendige Verbundenheit der religiös-zionistischen Jugendbewegung mit dem Lande und der Tradition bewiesen. In diesem. Sinne ist also die Frage nach der religiösen Forderung in Erez Jsrael seitens des gesetzestreuen Judentums vom Standpunkt des Misrachi zu beantworten. Wir wollen ein Erez Jsrael aufbauen und erhalten, das vom Gebot der Thora geleitet wird, und wünschen, daß alle Juden und namentlich alle Chawerim in Erez Jsrael, die noch dem Gesetze fernstehen, den Weg zur Thora finden. In nicht ganz vereinzelten Fällen suchen Kinder von religiös indifferenten Olim zur Religion der Vorfahren zurückzufinden und wollen die Mizwot wieder ausüben, die ihre Elfern nicht mehr halten. Während die Eltern, für die die Alija, — wie dies besonders bei Olim aus dem Osten häufig der Fall war, -

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