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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1938-03-01 · 6 (3.1938) · p. Seite 10

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
16 (1937-1938)
Issue
6 (3.1938)
Date
1938-03-01
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 JÜDISCHES GEMEINDEBLATT FÜR FRANKFÜRT Nr. 6 März 193* VON DER FRIEDB. ANLAGE Ander Frlenberger Anlage v_-J Max Rosenthal SANDWEG 6 TELEFON 47681 Kolonialwaren, Obsf, Gemüse, Südfrüchte, Kaffee und Tee Lieferung n. allen Stadtteilen gesdil. fQtp a Porzellanhof- Strasse >> V. Ecke Zeil fiSMfelon Eisner Telefon 27388 Färben, Blondieren, Dauerwellen Hanfcure Schönheitspflege Toilette-Artikel ZIGARREN WOLF Telefon 27930 Sf* uBn Fernsprecher 28368 Alles ier die Hausfrau Vollständige Einrichtungen f. Aus «anderer u.Brautpaare Elektr. und PetroUGer&te Margarete Ackermann-Mainzer FachgeschSft für, Haus- und Küchengerlte UHREN-FUCHS Inhaber E. van Gelder Juwelen und Goldwaren Eigene Reparaturwerkstätte ZUR Konstabl. Wache Der Haushaltsplan der Gemeinde für 1938/39 ist-nach in diesem Jahr besonders schwierigen Vorarbeiten — im Entwurf fertiggestellt und wird nunmehr den Gemeindebehörden zugehen. Die Verabschiedung des Etats wird im Hinblick auf die größeren Anforderungen, die an die Gemeinde gestellt werden und die nach Grund und Höhe_ einer eingehenden Erörterung bedürfen, voraussichtlich längere Zeit in Anspruch nehmen. Die Frage der Einwirkung der Novelle zum Einkommensteuergesetz vom 1. Februar 1938 auf die Kultussteuer ist Gegenstand der Verhandlungen zwischen den größeren Gemeinden, der Reichsvertretung und dem Preußischen Landesverband. Es wird angestrebt, möglichst eine einheitliche Regelung der in Betracht kommenden Fragen für alle Gemeinden herbeizuführen. * Bei der Gemeinde schweben zur Zeit Verhandlungen, die die Einrichtung neuer und den Ausbau bestehender Altersheime zum Gegenstand haben. Fräulein Aenne Pomeranz hat ihr Amt als Mitglied des Gemeindevorstandes niedergelegt. Die Neuwahl, ebenso diejenige für den infolge Auswanderung aus dem Vorstand ausgeschiedenen Herrn Sali Kaufmann, wird demnächst durch die Gemeindevertretung vorgenommen werden. ■ - * Die Beratungsstelle für Jüdische "Wirtschaftshilfe wendet ihre Aufmerksamkeit auch denjenigen Personen zu, deren Angehörige auswandern. Die Zurückbleibenden, werden von der Beratungsstelle an die für die in Betracht: kommenden Angelegenheiten zuständigen Stellen verwiesen werden. * In der Frage der Berufsausbildung wird z. Zt. die Frage der Einrichtung eines neunten Schuljahrs erörtert, nach dessen Absolvierung erst der Eintritt in die- Grundlehre erfolgen soll. Der Religionslehrer Dr. Julius Höxter und der Ritualaufseher Rudolf Möddel werden mit dem 1. April 1938 wegen Erreichung der Altersgrenze in den Ruhestand treten. Neue Menschen in alter Gemeinde Begrüßung der Zugezogenen Zum zweiten Male innerhalb weniger Wochen hat die Frankfurter Jsraelitische Gemeinde ihren zugezogenen Gemeindemitgliedern eine Feierstunde bereitet. Nicht aus irgendwelchen propagandistischen Absichten geschah dies, sondern aus Einsicht in die ihr als jüdische Gemeinde vor Gott und den Menschen gestellten Aufgaben. Die Religiöse Feierstünde des Freisinnigen Vereins für jüdisches Gemeindeleben e. V. fand in der Westend-Synagoge am 6. Februar statt. Nach herzlichen Begrüßungsworten des Vertreters des Gemeindevorstandes, Rechtsanwalt Dr. R h e i n s 1 e i n, sprach Rabbiner Dr. Georg Salzberge r. Von den Worten des Wochenabschnitts über das Stiftszelt („Und sie sollen mir ein Heiligtum errichten, dann will ich in ihrer Mitte wohnen") ging seine Red% aus. „In ihrer Mitte",.das heißt nicht in einem toten Tempelbau sondern in der lebendigen Gemeinschaft. In eindrucksvollen Schilderungen aus Geschichte und Gegenwart ließ er ein Bild unserer Gemeinde als einer solchen lebendigen jüdischen Gemeinschaft, als einer Muttergemeinde in Jsrael, erstehen. Im Gleichnis des jüdischen Tages, der mit Abenddämmerang und Nacht beginnt, führte die Darstellung von den Judenschlachten .des 13. und 14. Jahrhunderts über äußeres Elend und doch auch inneren Glanz des vom 15. Jahrhundert an zu rechnenden Frankfurter Ghettos bis zur Neuzeit. Des friedlichen Bürgerglücks, welches den Frankfurter Juden trotz aller Emanzipationshemmnisse schließlich beschieden war, und der nicht nur für unseren eigenen Kreis bedeutenden Gestalten und Leistungen wurde gedacht, die aus jener stolzen Zeit unserer Gemeinde hervorgegangen waren. Dem Väterspruche getreu, daß auf der Lehre, dem Gottesdienste und der Uebung von Liebeswerken die Welt stehe, sei in jenen glücklicheren Jahren auch die Welt unserer Gemeinde in einer Fülle von Organisationen und Einrichtungen kultureller, kultischer und sozialer Art fest gegründet worden. Mag auch der Tag, in dessen Gleichnis der Gang durch die Geschichte unserer Gemeinde angetreten worden sei, sich nunmehr. wieder der Dämmerung zuneigen, so bleibe doch unser Glaube, daß die Kehilla von heute die Kehilla von morgen sein werde. Wurde durch Dr. Salzberger unseren neuen Freunden ein Bild unserer alten Gemeinde nahegebracht, so wandte sich Bezirksrabbiner Dr. Steuer (Heidelberg) den zugezogenen Gemeindemitgliedern selbst zu. Von den beiden, großen Bewegungen, die das Schicksal der Judenheit in Deutschland heute bestimmen, der Wanderung v o n L a n d zu Land und von Kleingemeinde zu Großgemeinde, dürfe nicht die erste zum Nachteil der zweiten mit einem besonderen Nimbus des Heroischen umkleidet werden. Alles wahrhafte Judentum verwirkliche sich innerhalb der Gemeinde, und so sei auch jede wahrhaft jüdische

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