Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 16 (1937-1938)
- Issue
- 6 (3.1938)
- Date
- 1938-03-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8 JÜDISCHES GEMEINDEBLATT FÜR FRANKFURT Nr. 6 März 1938 Dr. jtir. Hugo Hoff mann * t^SSS»1 Versicherungen aller Art Wichtige Fragen vor der Berufswahl von Dr. Georg Lubinski Referent für Berufsausbildung bei der Reichsvertretung der Juden in Deutschland Die Berufsentscheidung gehört zu den wichtigsten Entscheidungen im Leben,- der Beruf weist dem Einzelnen seine Stellung im sozialen Organismus zu, bestimmt sein wirtschaftliches- Schicksal und legt auch die Lebensbedingungen der Angehörigen des Berufstätigen fest. Die Berufswahl des Einzelnen übt aber auch ihren Einfluß auf das politische Schicksal der Gemeinschaft aus, der er angehört, — eine Erkenntnis, die uns Juden besonders deutlich geworden ist. Das Besondere des jüdischen Lebens aber findet auch darin seinen Ausdruck, daß die Vorwerfbarkeit der Berufsausbildung bedeutend stärker eingeschränkt ist als bei anderen Gemeinschaften.' Die Ungewißheit über das Land und den Ort, wo man künftig den Beruf ausüben könnte, kennzeichnet die Schwierigkeit für die jüdische Jugend bei ihrer Berufswahl. Es ist zwar richtig, daß der Inhalt der einzelnen Berufstätigkeiten in den verschiedenen Teilen der Welt nicht wesentlich voneinander abweicht, daß ein Maurer in Palästina" ähnlich arbeitet wie in Argentinien, ebenso richtig aber ist: daß die Berufsvorbereitung sich nicht auf die eigentliche Fachausbildung beschränken kann und daß auch die sprachliche und kulturelle Einführung in den neuen Lebenskreis unentbehrlich ist. Der von logischen Erwägungen bestimmte Weg der Beruf sentscheidung kann aber meistens nicht zu Ende gegangen werden, weil der — für eine auf Auswanderung eingestellte Jugend - besonders wichtige geographische Faktor nicht beständig ist. Wer sich noch eben in voller Fahrt zu einem aussichtsreichen Ziel befand, steht plötzlich auf einem toten Gleis und muß wieder von vorn anfangen! Der Vergleich mit einem Stellwerk liegt nahe. Dort aber handeln die Menschen nach einem einheitlichen Plan, der den einzigen Zweck verfolgt: den Verkehr aufrecht zu erhalten und zu erleichtern. Die Weichenstellung lür den jüdischen Auswanderer aus Deutschland aber geschieht nicht nur durch das Zentralstellwerk der Auswanderungsplanung, sondern gleichzeitig durch jedes Einwanderuhgsland, und oft genug mit dem Ziele, dauernde Schranken aufzurichten. Das ist z. B. bei der Landwirfschaff der Fäll. Wegen der sozialen Bedingungen für die Ausübung des landwirtschaftlichen Berufs kommt dieser Beruf (mindestens zur Zeit) nur für solche Menschen in Betracht, die sich für ein Leben in Palästina oder in einem anderen Lande vorbereiten, in dem sie sich auf eine große leistungsfähige und leistungswillige jüdische Siedlungs-Gesellschaft stützen können. Wer sich für ein Leben in Palästina entschlossen hat, der kann nur einen solchen Beruf ergreifen, für den, vom Standpunkt des Aufbaus einer jüdischen Volkswirtschaft, im Lande ein Bedarf ist. Für die Berufswahl sind au6h die gesellschaftlichen Bedingungen des künftigen Berufes bedeutungsvoll. Es geht dabei also um die Frage, ob der Beruf ausgeübt werde-, in einem Lande mit gut organisierter Wirtschaft, mit staatlich geregelten Arbeitsbeziehungen wie in Australien, oder in einer Konkurrenz mit einer nicht der weißen Rasse angehörenden Landarbeiterschaft wie in Teilen Südafrikas, ob in einem industriell hoch entwickelten Lande wie in den Vereinigten Staaten von Nordamerika, oder in einem erst am Anfang der industriellen Entwicklung stehenden Lande wie Columbien, ob innerhalb einer nach Jeder Richtung ausgebildeten jüdischen Gemeinschaft wie in Palästina, oder innerhalb einer fast judenfreien Umgebung wie etwa in Ecuador, ob er auf die Großstadt oder auf das flache Land abgestellt ist. Gerade unter diesem Gesichtswinkel besitzt die Berufswahl für P a 1 ä s t i n a ihren eigentümlichen Gehalt. Der Auswanderer jeder Nationalität, der aus hartem Existenzdruck fortgeht, lenkt seine Schritte stets dorthin, wo er berufliche -und menschliche Ansatzpunkte findet. Das gilt in erhöhtem Maße von dem jugendlichen Auswanderer, der den Weg allein in die fremde Welt überhaupt nur antreten kann und darf, wenn er ihn zu solchen festen Stützpunkten hin lenken kann, wenn er menschlich und in seiner Arbeit „bodenständig" werden kann. Die Aussicht, bodenständig zu werden, eine Heimat zu finden, hat der junge Mensch vor allem in Palästina. Hier allein kann er auch seine nationale Frage als Jude lösen, braucht er sich nicht fremdem Volkstum anzupassen, sondern kann zu seinem eigenen Volke zurückkehren. Hier wartet auf ihn eine Gemeinschaft von gleichem historischem und religiösem Schicksal, hier ist er kein Fremder, sondern ein heimkehrender Sohn des Volkes. Es empfängt ihn eine Gemeinschaft, in deren Mitte er leben kann, - schnell eingeordnet in engere Kreise, die ihm das Gefühl nehmen, allein zu sein. Sein persönlicher Einsatz dient nicht allein der Lösung seiner Existenzfrage, sondern, am richtigen Ort, zugleich der Schaffung neuer Lebensmöglichkeiten für sein Volk. Die Entscheidung für Palästina bedeutet aber auch Opfer, bedeutet: Entbehrungen auf sich zu nehmen, auf manches zu verzichten, was andere Länder besonders auf wirtschaftlichem Gebiet vielleicht einzelnen geben können. Die politische Lage in Palästina ist im Augenblick ungeklärt, die Gefahr der Arbeitslosigkeit. besteht, ohne daß ein ausgebautes System sozialer Fürsorge vorhanden ist. Dabei muß man sich allerdings immer vor Augen halten, daß gleiche oder ähnliche Gefahren auch für alle anderen Länder bestehen. Die Entscheidung für oder gegen Palästina fordert also ein schwieriges Abwägen zwischen nationalen, psychologischen und Gemeinschaftswerten einerseits und wirtschaftlichen Erwägungen andererseits. Gerade die junge Bonner ■ Brotröster ■ Bügeleisen ■ Fön ■ Grill ■ Heizkissen ■ Herde Höhensonne, Original Hanau ■ Kaffee-Maschinen — Mühlen ■ Kochplatten Kocher ■ Kühlschränke ■ Staubsauger ■ Tauchsieder " Teemaschinen ■ Waschmaschinen ■ Ventilatoren ■ Beleuchtungskörper usw. Nähmaschinen < Schallplatten ■ Koffer-Apparate * > Adler ■ Phoenix ■ Singer ■ Verifas Elektrola ■ Grammophon ■ Telefunken Plattenspieler Radio-Apparate ■ Alle gangb. Fabrikate ■ Umtausch aller Geräte geg. Weltempfänger" Ständig Gelegenheitskäufe von 15.— an ■ Reparaturen erstklassig, schnell, billigst ■ Antennenbau tt Dach-, Hoch-u. abgeschirmte FOTO ■ Contax ■ Contaflex ■ Leica usw. Für Palästina ■ Haller-Petroleumherde— Oefen Rufen Sie mich bitte an, ich komme zu Ihnen ins Haus! und jeder Art HRMÄNN Bockenheimerlandstr. 71 / Ruf 73837