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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1938-02-01 · 5 (2.1938) · p. Seite 20

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
16 (1937-1938)
Issue
5 (2.1938)
Date
1938-02-01
Page
Seite 20 (sequence 22)
Language
German
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Seite 20 JÜDISCHES GEMEINDEBLATT FÜR FRANKFURT Nr. 5 Februar 1938 Ulinter-Schiuo uerhaul S, LÖHREN nur ZEIL 85 Für die Frau Mitteilungen aus den Interessengebieten der Frau Beiträge und Zuschriften sind zu richten an Frau Stephanie Forchheimer. Frankfurt a. Art., Schumannstr. 9 uiinter-schiufl-uerhauf S. LÖHBEN nur ZEIL 85üh!: Auguste Hauschner eine jüdische Wer um die Wende des Jahrhunderts bis in die Nachkriegsjahre zu der „geistigen Welt" Berlins Beziehung hatte, der kannte auch Auguste Hauschner, die Schriftstellerin, Menschenfreunde und Förderin mancher Talente, Sie halte ■wohl den letzten literarischen Salon Berlins. Die Hilfsbereitschaft dieser außergewöhnlichen Frau, kannte keine Grenzen, „auch nicht für das Herz". Bis zur Entbehrung gab sie aus eigenen-Mitteln! Sie vermochte wirklich die Sorgen der anderen zu ihren eigenen zu machen, ihr Vermögen, ihre Arbeit, ihren Schlaf und schließlich ihre Gesundheit opfernd. Auguste Sobotka wurde am 12. Februar 1850 in Prag geboren als Tochter einer angesehenen jüdischen Familie,- sie heiratete Benno Hauschner, einen wohlhabenden Fabrikanten, der sich seinen künstlerischen Neigungen, namentlich der Malerei/ widmete. Die Ehe blieb kinderlos,- Hauschner starb 1890. Als Witwe verließ Auguste Hauschner ihre Heimatstadt und ging nach Berlin. In ihrem Hause „Am Karlsbad" sammelten sich Menschen aus-allen Lagern der Kunst, sie betreute sie und näherte, mit einfühlendem Verständnis, auch heterogene Geister. Da war 'Fritz Mauthner, der nächste Freund, dessen wachsenden schriftstellerischen Erfolg sie mit reger Teilnahme begleitete, da war Gustav Landauer, dessen Schicksal und Tod sie tief betrübte, da waren Clara V i e b i g, Anselma Heine, Jakob Schaffner, mit denen sie geistige Beziehungen pflegte, Max Liebermann, dem sie ihr Buch „Kunst" widmete, Sudermann, Paul Meyerheim, Dora Hitz, Korfiz Holm, Max Nordau, Hedwig Dohm, Max Brod, Stefan Zweig und viele andere Persönlichkeiten. Ihnen war sie Freundin und geistvolle Wirtin, „die ihre Aufgabe darin erkannte, der dienende Geist ihrer Gäste zu sein, aber die Eigenart und das Amüsante in jedem Anwesenden zu wecken und ans Licht zu ziehen". Gewiß hätten schon diese Gaben genügt, ihr ein treues Gedenken zu sichern. Aber Aüguste Hauschner war außerdem schriftstellerisch begabt und ist mit mehreren Werken hervorgetreten, die beachtenswerte Fähigkeiten dokumentierten. Im Jahre 1895 erschien (bei Fleischel) „Dr. Ferencz" von Auguste Montag. Das Buch, ein Unterhaltungsroman, hatte Erfolg. Kurz darauf folgten: „Unterseele", „Lehrgeld", „Frauen unter sich". Im Jahre 1902 erregte ein neuer Roman „Daatjes Hochzeit" Aufmerksamkeit. Zeigten die früheren Romane feine Beobachtungsgabe und liebevolle Zeichnung der Charaktere, so überraschte dieses Buch, nun unter ihrem wahren Namen herausgegeben, durch packendes Geschehen und ausgezeichnete Schilderung des holländischen Milieus, das an Bilder von Schriftstellerin Jozef Israels mit der schweren, fast düsteren Stimmung der holländischen Fischerwelt erinnert. Es folgten mehrere größere Arbeiten: „Kunst" (1903), dann „Zwischen den Zeiten", „Die sieben Naturen des Dichters Breißmann", „Die Siedlung", „Der Tod des Löwen", „Nachtgespräche" - Wohl das Wertvollste von allen Büchern Auguste Hauschners ist „Familie L o w o - sitz", ein groß angelegter Roman einer Prager Judenfamilie, die durch Ungunst der Zeit ihr Geld und Ansehen verlor. In der Milieudarstellung ähnelt das Werk Georg Hermanns „Jettchen Gebert". Doch ist dieses eindringlicher und feiner in der Schilderung, während „Familie Lowositz" breiter, sachlicher, dabei aber kulturhistorisch wie psychologisch interessant ist. Die Hauptgestalt des Romans, Rudolf Lowositz, ist ein fähiger, kluger, empfindsamer Junge. Ihn bedrückt die nüchterne, alljüdische Atmosphäre des Vaterhauses und das Leben um ihn. „Es ist nicht nur das Milieu, das uns alle umgibt, sondern die dadurch bedingte psychische Verfassung", klagt er. Schon in frühester Jugend empfindet er die seelische und moralische Bedrückung der Juden innerhalb der Stadt und des Landes. Mit, fanatischer Wahrheitsliebe versucht er aus seinem Kreis herauszuwachsen und bewegt den verarmten Vater, ihn studieren zu lassen, weil der Beruf des Händlers und des Kaufmanns ihm nicht entspricht. Je mehr Wissen er sich aneignet, je größer sein Kreis wird, desto stärker fühlt der Empfindsame das Ausgeschiedensein des Juden. „Was macht unsern Glauben eigentlich so verhaßt, Herr Doktor?" fragt Rudolf stockend. „Unser Glaube trägt wohl am wenigsten die Schuld an unserer Unbeliebtheit!" — Rudolf sah ihn befremdet an: „Was ist es dann Ihrer Meinung nach? Wir sind doch aber keine anderen Menschen!" - „Es gibt eine Höhe, in der die Geister gleich sind! Dahin sollen wir streben und andere hinaufzuziehen suchen!" - Je mehr Rudolf leidet, desto mehr wächst in ihm das Bewußtsein, daß die Wahrheit die Menschen verbrüdern könne „in diesem Leben, an dem er voll Schmerz rätselte". Es ist heißer Boden, auf dem Rudolf steht: Prag, das den Tschechen gehört, aber deutsche Kultur trägt,- es sind politische Kämpfe, der sich entfaltende nationale und soziale Gegensatz, das Mißverstehen und Mißtrauen. Darunter leidet er doppelt. Durch treue historische Erforschung der sozialen Ungerechtigkeit und Lüge hofft er die Wahrheit zu finden. Zwei Wege könnten zum Ziele führen: sich für die Menschen opfern - oder sich ganz von ihnen lösen! - Er löst sich von dem Vater, „dem jede Mitempfindung mit den Schmerzen des Sohnes fehlte", von untreuen Kameraden, einer verratenen Liebe, betrachtet sich selber als ausgeschlossen und verläßt Prag. - Aus dem Philosophiestudenien ist (im zweiten Band) ein Winter-Schluss-Verkauf Besonders billige Angebote: Damenstrümpfe Handschuhe Wollwaren Modeartikel vom 31. Januar bis 12. Februar BesjjndHSjriHi^ Kunstseidene Wäsche Damen-Kittel Hüfthalter Mützen und Schals | Kleideru. Besatz-Knöpfe besonders billigT]

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