Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 16 (1937-1938)
- Issue
- 5 (2.1938)
- Date
- 1938-02-01
- Page
- Seite 5 (sequence 7)
- Language
- German
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sa^äa^m^?^^^^ Nr. 5 Februar 1938 JÜDISCHES GEMEINDEBLATT FÜR FRANKFURT Seite 5 Mairic müssen 5 Fächer mit „Gut" bestanden sein, an anderen Universitäten müssen die klassischen Sprachen im Examen vertreten seih. Auch von denen, die das englische Examen ablegen, werden nur wenige studieren; die meisten erstreben eine gute Beherrschung der englischen Sprache. Ueberhaupt zeigt es sich, daß das Streben nach Berechtigungen und Zeugnissen zurückgetreten ist hinter dem Wunsch, einen tragfähigen Unterbau an Bildung zu schaffen, der ein Lebensgerüst tragen kann. Die Erfahrung von fünf Jahren hat schon gelehrt, daß mancher aus einseitiger, zu enger und zu frühzeitiger Berufswahl gescheitert ist. Wenn das Philanthropin heute eine Stätte ist, die neben Vermittlung von Kenntnissen und Sprachen die gesamte geistige, seelische und sittliche Bildung der jüdischen Jugend in aller Ruhe zu fördern strebt, dann weiß die Frankfurter Israelitische Gemeinde, daß kein materielles Opfer zu groß ist, um dieses Ziel zu erreichen. r WIR ZIEHEN IM FEBRUAR UM NACH KR0NPRINZENSTR.12 l KkWfMkUM RUFNUMMER: jQq BUCHVERLAG UND BUCHVERTRIEB 34888 ML IJIHllä©[Elä©lilä S €©. JÜD. BUCHVERLAG, BUCHVERTRIEB U. BUCHDRUCKEREI Palästina-Kundgebung Die Einladung zur Palästina-Kundgebung der Jewish Ägency und des Keren Hajessod in der Westendsynagoge enthielt die Formulierung: „Am Tage der Entscheidung wird Palästina soweit jüdisch sein, als es durch jüdische Leistung geworden ist". Die Begrüßungsworte von S.-R. Dr. Ettlinger, namens der Gemeindekörperschaften, unterstrichen dies und betonten den Dank an die Redner, namentlich an den Präsidenten der Reichsvertretung, Rabbiner Dr. Leo Baeck, der einer der Mitgründer der Jewish Agency ist. Dr. Baeck sprach über die jüdische Aufgabe „In der Stunde der Entscheidung". Die Persönlichkeit dieser ehrwürdigen Erscheinung fesselte durch die Abgeklärtheit und formale Sicherheit, die dabei das Temperament spüren ließ, wie durch geistigen Weitblick, umfassende Kenntnis und unbeirrbare Kraft des Glaubens an die Sendung Israels. Der Redner zeigte, wie in allen Krisenzeiten, von den Hethitern an bis auf unsere Tage, zuerst die Juden betroffen wurden, offenbar Schicksal des Landes wie des Volkes. Zwar sei Palästina nicht errungen, sondern uns gegeben worden, gleichwohl sei es unser seelisches Eigentum, und unser moralischer Anspruch bestehe* zu Recht und sei unabdingbar. In Entscheidungsstunden bedeute nicht so sehr die Form der nationalen Heimstätte als vielmehr der Mensch die stärkste Realität. „Wenn alle Juden der Welt wahrhaft Juden sind, dann ist Palästina gewonnen". Freilich dürfe es keine „Palästina-Konjunktur" geben,- es heiße Opfer für Erez bringen, besonders in schweren Zeiten. Die Seelenkräfte der Jahrtausende seien wieder erwacht, und an uns allein sei es, die Aufgabe zu erfüllen, wie ein Propheienwort sie umschreibt: „Einen Himmel zu pflanzen, ein Land zu gründen, zu Zion zu sprechen: Mein Volk bist Du!" Dieser ethisch und ideell verankerten Forderung sekundierte Dr. Michael Traub mit der praktischen: materielle Hilfe für die nationale Heimstätte in Erez. Nach Reminiszenzen politischer und wirtschaftlicher Art umgrenzte er die nächsten dringlichen Aufgaben. Der Peel-Bericht und das neue Weißbuch haben die hinhaltende Politik der Mandatsregierung gezeigt. Demgegenüber gelle es, alle jüdischen Kräfte in Disziplin zusammenzufassen. Fehler, wie frühere Generationen sie begingen, drohen sich zu wiederholen und den Aufbau zu hemmen. Die Gefahr des Ablaufs der Schedule am 31. März d. J. müsse durch die Forderung abgewandt werden, das Tor offen zu lassen. Die Aufnahmefähigkeit eines Landes sei nicht allein Funktion des Raumes, sondern der Mittel und vor allem der nationalen Energie. Konstruktive Hilfe sei zu leisten, Politik und Wirtschaft in rechte Beziehung zu setzen. Es fehlt an Mitteln, nicht aber an einsatzbereiten Menschen. Soll Palästina wirklich die nationale Heimstätte werden, so muß die Parole für den Kampf um Lebensrecht und Lebensraum sein: durch eigene Leistung zu erweisen, daß wir das Schicksal zu meistern vermögen. Als musikalische Einleitung erklang Mendelssohns Hebriden-Ouverture, als Abschluß ein Teil aus der Dybuk-Suite von Engel, beides farbig und stimmungsreich vom Orchester des Kulturbundes unter Ernst Drucker gespielt. a.b. Gute Sprachkenntnisse wichtig für Auswanderer Diese Forderung erscheint selbstverständlich, besonders für alle, die sich eine Existenz gründen wollen. Doch nur wenige behandeln die Aufgabe mit dem Ernst, der ihr zukommt. Wie sieht es in der Wirklichkeit mit der Erlernung der Sprachen aus? Viele, die auswandern wollen, hegen die größten Hoffnungen, ohne aber bereit zu sein, kleine Opfer zur Erreichung ihres Zieles zu bringen. Selbstverständlich will man die Landessprache jeweils lernen, aber nur ja nicht früher als einige Monate vor der Ausreise. Man hat ja noch auf dem Schiffe Zeit, zu lernen. Aber wer wird sich wohl auf dem Schiffe die Mühe geben, eine Fremdsprache jemand beizubringen? Viele wollen gar erst im fremden Lande die Sprache richtig lernen und verwechseln dabei ihren zukünftigen Brotgeber mit einem Kinderfräulein, das auf sie aufpassen und sie lehren soll. Wer andern eine Beschäftigung gibt, fordert auch Gegenleistung und gibt nicht obendrein Sprachunterricht! Das Erlernen einer fremden Sprache im Lande selbst ist ohne Vorkenntnisse auch deshalb schon schwer, weil der Einwanderer ohne gute Sprachkenntnis sich hilflos fühlt und deswegen lieber mit Menschen verkehrt, die in einer ihm vertrauten Sprache reden, so daß er schließ- Bohner ■ Brotröster ■ Bügeleisen ■ Fön ■ Grill ■ Heizkissen ■ Herde Höhensonne, Original Hanau ■ Kaffee-Maschinen — Mühlen ■ Kochplatten Kocher ■ Kühlschränke ■ Staubsauger ■ Tauchsieder ■ Teemaschinen ■ Waschmaschinen "Ventilatoren " Beleuchtungskörperusw. Nähmaschinen " Adler ■ Phoenix ■ Singer ■ Veritas Schailplatten ■ Eiekfrola ■ Grammophon ■ Telefunken ■ Koffer-Apparate ■ Plattenspieler Radio-Apparate ■ Alle gangb. Fabrikate ■ Umtausch aller Geräte geg. Weltempfänger" Ständig Gelegenheitskäufe von 15 — an ■ Reparaturen erstklassig, schnell, billigst ■ Antennenbau * Dach-, Hochu. abgeschirmte FOTO ■ Contax ■ Contallex ■ Leica usw. Für Palästina ■ Halier-Pefroleumherde—Oefen Rufen Sie mich bitte, an, ich komme zu Ihnen ins Hausl und jeder Art HRMANN Bockenheimerlandstr. 71 / Ruf 73837