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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1938-02-01 · 5 (2.1938) · p. Seite 4

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
16 (1937-1938)
Issue
5 (2.1938)
Date
1938-02-01
Page
Seite 4 (sequence 6)
Language
German
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Seite 4 JÜDISCHES GEMEINDEBLATT FÜR FRANKFÜRT Nr. 5 Februar 1938 Rosenzweig dem Lehrer im Lehrhaus die Stätte bereitet und ihn mit all denen zusammengeführt hat, die bis heute gerade in dieser Gemeinde, mit ihm und unter seiner Führung den immer schwerer werdenden Fragen und Aufgaben unsere Tage in Treue den Dienst ihres Lebens gewidmet haben. Von hier aus hat, zuerst im Lehrhaus, dann an der Universität und schließlich wieder in dem erneuten Lehrhaus Martin Buber, der Lehrer, seinen Ausgang genommen; von hier aus ist der Judenheit, insbesondere durch Bubers beispielhafte, die uralte Lebensquelle neufassende Arbeit an unseren heiligen Büchern und vor allem in lebendiger Rede und Zwiesprache deutlich geworden, daß dieser Mann nicht in edler geistiger Vereinzelung seiner Werke verblieben ist, sondern, in der Gemeinschaft fortschreitend und in schwersten Stunden aus einer hellen gläubigen Gelassenheit tröstend, das geworden ist, wofür die Jüdische Gemeinde Frankfurts ihm dankt: der lehrende jüdische Mensch. Und wenn denn ein solcher Geburtstag nach altem Brauch ein Recht zu wünschen gibt, so will unsere Gemeinde - ihm und sich selber vertrauend - wünschen, daß Martin Buber, wie auch dem Einzelnen und der Gemeinschaft die Lose fallen mögen, der Ihre bleibe! E. St. Das Philanthropin und seine heutige Erziehungsaufgabe von Dr. Albert Hirsch Der gewaltige Wandel des Jahres 1933 ergriff auch die jüdische Schule und führte sie aus einer Randstellung in den Mittelpunkt. Er brachte, zunächst langsam, dann in den Jahren 1935/36 beschleunigt, einen starken Zuwachs an Schülern und Schülerinnen und damit eine erhebliche Vergrößerung aller jüdischen Schuleinrichtungen. Als die Schulen des starken Andranges Herr geworden waren, war auch äußerlich schon ihr Höhepunkt erreicht, Zustrom und Auswanderung hielten sich noch die Wage, bis jetzt von unten her die unaufhaltsame Schrumpfung beginnt. Die innere Einrichtung der Schule ist heute gekennzeichnet durch die „Richtlinien der Reichsvertretung der Juden". Die deutsche Schulreform hat die Volksschule, mehr noch die höhere Schule beeinflußt. Doch wahrt jede jüdische Schule ihr eigenes Gesicht. So stellen sich, mehrfachem Wechsel unterworfen und weiter sich wandelnd, auch die im Schulwerk des Philanihropins vereinigten Schulen dar. Die Volksschule des Philanthropins, heute von über 500 Kindern besucht, hat den Veränderungen in der allgemeinen Volksschule unter Wahrung ihrer Eigenart als jüdische Schule Rechnung getragen: der Bemfsvorbereitung dient ein zusätzlicher Unterricht in Handfertigkeit, der Auswanderungsvorbereitung, freiwilliger englischer Unterricht in den Oberklassen, den stärksten Einfluß nimmt heute das Hebräische, sephardisch wie 'aschkenasisch gelehrt. Noch bedeutsamer aber ist die Stellung des Gesamtjüdischen im Lehrplan der Schule. Eine vernünftige Berufspolitik erstrebt, daß die Volksschule ein selbständiges und kräftiges Eigenleben führt, daß sie nicht nur Zubringerschule für die höhere Schule und nicht, nach den ersten 4 Jahren ausgelaugt, eine Schule für Minderbegabte oder minder Zahlungsfähige ist. Es ist in diesem Blatt oft genug betont worden, wieviel wertvoller eine gute abgeschlossene Volksschulbildung ist als eine vorzeitig abgebrochene Bildung in der höheren Schule. Die Einrichtung eines 9. Schuljahres wird zur Zeit auch in Frankfurt ernstlich erwogen. Eine Entscheidung wird angesichts der gut ausgebauten Grundlehre nicht leicht sein. Volksschule und höhere Schule sind fern von jedem Frequenzwettbewerb. Unsere Eltern haben — von Einzelfällen abgesehen - die richtige Auffassung, daß die höhere Schule nicht die bessere und nicht die feinere Schule ist, sondern daß für den Besuch der Schularten Begabung und Eignung bestimmend sein sollen. Die höhere Schule des Philanthropins stellt nach der Schulreform von Ostern 1937 eine Oberschule dar, eine Vollanstalt, die in 8 Jahren zur Reifeprüfung führt. Auf Grund besonderer Ermächtigung der Behörde könnte das Philan- Sport zugunsten der Jüdischen Winterhilfe Südwestdeutscher Makkabikreis-Arbeiisgemeinschaft jüdischer Turn- und Sportvereine Südwestdeutschlands im Spielausschuß jüdischer Turn- und Sportverbände, Südwestdeutschlanas. Der Jüdische Sport hilft der Jüdischen Winterhilfe Frankfurt am Main. Sonntag, 6. Februar, FußbalL 13.45: Jugend Frankfurt - Jugend Offenbach-Hanau. 15 Uhr: Städtemannschaften Frankfurt - Stuttgart. Sportplatz Sondershausenerstraße, Linie 12 und 14. Eintrittspreise von RM 0.25 bis RM 2.- Kartenvorverkauf in den bekannten Vorverkaufssiellen und an der Tageskasse, thropin bereits 1936 mit Englisch als erster Fremdsprache statt des Französischen beginnen. Ostern 1938 werden zum ersten Mal unsere Quartaner als zweite Fremdsprache Latein lernen. Das wird vielleicht für unsere Elfern befremdlich sein; doch muß gesagt werden, daß Latein auch die Grundsprache für Spanisch und Portugiesisch, die Sprachen Südamerikas, ist. In der 6. Klasse der höheren Schule wird im sprachlichen Zweig Französisch als weitere Fremdsprache hinzutreten, während im mathematisch-naturwissenschaftlichen Zweig der Oberstufe die Fremdsprachen an Intensität zugunsten eben dieser Fächer verlieren. Das Lyzeum ist nach der Schulreform auf 5 Jahre begrenzt und beginnt ebenfalls mit Englisch als einziger Fremdsprache. Latein wird hier nicht gelehrt. Es versteht sich, daß in allen Klassen Nadelarbeit getrieben wird. Obligatorisch ist in den höheren Klassen Hauswirtschaftslehre, die von den Lehrerinnen Und in den Räumen der Jüdischen Haushaltungsschule gelehrt wird. So in kurzen Umrissen die äußere Gestalt der Schule. Es ist wohl kaum nötig zu sagen, daß Hebräisch von Sexta bis zur Reifeprüfung seinen besonderen Platz in ihr hat, daß sie, ihrer mehr als hundertjährigen Tradition getreu, eine jüdische Schule sein will, ohne irgend eine Forderung der allgemeinen Schule zu vernachlässigen. Nachdem das „Einjährige" und jetzt auch sein Ersatz, die „Mittlere Reife", abgeschafft ist, scheint die Frage der Eltern berechtigt, ob es jetzt ratsam sei, ihr Kind nach der 5. Klasse, also ein Jahr früher, von der Schule zu nehmen. In manchen Fällen ist das zu bejahen, besonders dann, wenn — für die Mädchen — ein Haushaltjahr angeschlossen werden soll. Zweifelhaft ist es, falls der Junge oder das Mädchen in die Lehre eintreten soll. Die Praxis hat gezeigt, daß der sechsjährige Besuch bis zum früheren „Einjährigen" wissensmäßig wie erzieherisch als ein Mindestmaß an Reife für eine Lehrstelle zu setzen ist. Junge Menschen, die geistig, seelisch und mitunter körperlich nicht ausgereift sind, werden viel häufiger in Berufswahl und Beruf auf Schwierigkeiten stoßen als solche, denen die Zeit gelassen ist, über sich selbst und ihre Eignung klar zu werden. Wer für die höhere Schule geeignet ist, der soll auch ihre Bildungsmöglichkeiten ausschöpfen und nicht - wie das im Jahre 1933 vielfach beobachtet wurde - die Schule allzu früh verlassen. Der vermeintliche Zeitgewinn wirkt sich schließlich als ein Verlust aus. Die Zahl junger jüdischer Menschen, die die Schule bis zur Reifeprüfung durchmächen, wird nicht mehr groß seih. Doch ist es ein Irrtum zu glauben, daß diese wenigen jungen Menschen alle studieren wollen. Keineswegs: Es ist in der letzten Zeit zu beobachten, wie junge Menschen, die vorzeitig einen praktischen Beruf begonnen hatten, plötzlich von sich aus in die Schule und in die Vollendung geistiger Bildung zurückkehrten. Diese „geistigen Rückwanderer", wie ich sie nennen möchte, waren durchaus keine Schwächlinge. Sie werden auch mit dem Reifezeugnis in der Hand nicht studieren. Aber sie werden gefestigt ihre Berufsausbildung vollenden. Seit kurzem ist es am Philanthropin auch möglich, ein englisches Examen abzulegen. Diese Prüfung, zu Unrecht allgemein Matric genahnt, - in Wirklichkeit das Cambridge School Certificate — berechtigt allerdings zum Studium an manchen englischen Universitäten/ für das Londoner

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