Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 16 (1937-1938)
- Issue
- 5 (2.1938)
- Date
- 1938-02-01
- Page
- Seite 3 (sequence 5)
- Language
- German
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No.5 Februar 1938 JÜDISCHES GEMEINDEBLATT FÜR FRANKFURT Seite 3 Sofie Rossbach KAISERSTRASSE 25 (Laden) ist, läßt man sie eintrocknen, dann nimmt man sie herunter, indem man sie abschlägt; dann führt man sie in die Oelpiesse, gibt sie in die Stampfmühle und mahlt sie, dann schlägt man sie mit Stöcken und legt sie unter Steine, dann erst geben sie ihr Oel; so auch Israel, es kommen die Götzendiener und schlagen sie, daß sie von Ort zu Ort gehen müssen, binden sie und fesseln sie mit dem Halseisen und umgeben sie mit Wurfmaschinen, dann kehren sie reuig um, und der Heilige, gelobt sei er, erhört sie, darum heißt es „saftiger Oelbaum ... so hat E R deinen Namen genannt." — In diesem Midrasch ist ein Doppeltes enthalten. Durch den Vergleich mit'dem. Oelbaum ist das Bild der Geschichte Israels gezeichnet, seine vielen Niederbrüche, aus denen es sich stets nur durch eine innere seelische Wandlung erheben kann, so daß hier zugleich Abbild und Antrieb gegeben wird; dann aber wird durch den Hinweis auf andere Vergleiche das Vielgestaltige in Israels Charakter gezeichnet, die mancherlei Kräfte und Fähigkeiten werden aufgezeigt, die verborgen in ihm schlummern, und deren es sich nur von Zeit zu Zeit bewußt wird. Leuchtstoff und Licht Klares Olivenöl sollte zum Anzünden des Lichtes im Heiligtum verwandt werden; klar nennt man das Oel, das bei der ersten Pressung ausläuft; das bei der zweiten Pressung sich ergebende und bereits mit Rückständen durchmischte, heißt zweites Oel. „Der Welt Brauch ist, daß, wenn man schlechtes Oel hat, man es dazu verwendet, im Leuchter angezündet zu werden, das gute aber verwendet man zum Kochen; aber im Heiligtum verfuhr man nicht so, sondern das klare Oel nahm man zum Leuchten und das zweite für die Mehlopfer, darum sagte David (Ps. 18, 29) „ja Du bist's, der meinen Leuchter erhellt." - Hier wird in dem Gegensatz des reinen Leuchtens zur Nahrung die Erkenntnis angebahnt, daß das Licht, welches das Sinnbild der Seele, des Geistigen ist, wichtiger als das Essen ist, d. h., daß das Geistige wichtiger als das Körperliche ist. Aber nun könnte jemand fragen: „Wozu bedurfte es im Heiligtum, in dem kein Mensch sich aufhielt, das als die Verkörperung der Gegenwart Gottes galt, überhaupt des Lichtes?" Darauf die Antwort: „Nicht etwa, daß Ich des Lichtes bedürfte, sondern um dir zu leuchten". Rabbi Abin, der Lewit, sagte: „Du findest, wer sich Fenster macht, macht sie weit von innen und eng nach außen, weil sie das Licht einschöpfen sollen, aber im Heiligtum waren sie weit nach außen und eng von innen, damit das Licht aus dem Heiligtum herausfließe und die ganze Welt erleuchte." Der Heilige, gelobt sei er, sagte „das Licht geht von meinem Hause aus, aber ich bedarf des Lichtes nicht." - Hier wird besonders unterstrichen, daß alles, was aus innerer Religiosität geschieht, nicht wegen einer Wirkung auf Gott getan wird, sondern daß es seine Kraft und Bedeutung davon hat, daß es auf den Menschen selbst wirkt. Dazu geschieht es, und darauf beruht sein Recht. Schutz vor Versuchung Die Anordnung über die Priesterkleidung ist eingeleitet durch einen Abschnitt, der mit den Worten abschließt (2. M. 28, 5) „und sie sollen das Gold . . . nehmen". Die Frage erhebt sich: warum auf einmal sie in der Mehrzahl, während bisher alle Anrede an Mosche erging? „Die Rabbinen lehrten: Zur Armenkasse werden die Beiträge gesammelt durch zwei, und die Verteilung geschieht durch drei; die Erhebung: durch zwei, denn eine Herrschaft über die Gemeinde darf nur durch mindestens zwei ausgeübt werden, denn so heißt es: „sie sollen das Gold nehmen"; die Verteilung: durch drei, denn sie ist wie eine Rechtsprechung in Geldangelegenheiten." - Hier ist das Bibelwort die äußerliche Anknüpfung für die Gewinnung der Satzung, daß man die Verwaltung der öffentlichen Gelder der Armenpflege nicht einem Einzelnen überlassen soll. Die Anknüpfung ist nur eine äußerliche, denn der wahre Grund ist der, daß man niemand, auch nur für eine Sekunde der Schwachheit, in Versuchung bringen sollte, und daß man den, der im Dienste der Oeffentlichkeit steht, vor jeder Möglichkeit einer üblen Nach- Winterschluss-Verkauf DamenhUte — Damenkleider Jackenkleider — Blusen Sport und Schals zu sehr ermäßigten Preisen rede bewahren muß. Die Stärke der Beweisführung liegt hier darin, daß die Auslegung nicht einmal Mosche die Sammlung der Spenden für die Priesterkleidung allein vornehmen ließ. Das heilige Stirnblatt Der Hohepriester trug ein goldenes Stirnblatt, auf dem die Worte eingegraben waren: „Heilig für IHN". Wie war die Anordnung der Worte? „Das Stirnblatt war eine Art Goldblech in der Breite zweier Finger, rund von Ohr zu Ohr reichend, darauf waren zwei Zeilen geschrieben, in der einen „Heilig für" in der zweiten, d. h. in der Fortsetzung, erhöht um Zeilenhöhe, „IHN." Rabbi Elieser ben Jose sagte: ich habe es in Rom gesehen, eine Zeile nur war geschrieben „Heilig für IHN!" Der erste Berichterstatter spricht nicht aus eigener Kenntnis, sondern aus der Ueberlegung und aus der Herzensstimmung. Er kann es sich nicht vorstellen, daß man den heiligen und unaussprechbaren Namen mit anderen Worten in einer Zeile schreiben kann, ihm erscheint es als der Majestät Gottes einzig gemäß, daß sein Name in hehrer Einsamkeit dasteht, und man kann gut nachfühlen, wie hier eine heilige Ehrfurcht spricht. Aber Rabbi Elieser hat es mit eigenen Augen gesehen und berichtet die Tatsache. Von ihm wissen wir, daß er als Abgesandter nach Rom ging, um die Aufhebung einer die Religionsfreiheit vernichtenden Bestimmung zu erwirken. Er sah bei dieser Gelegenheit jenes heilige Siimblail und auch den Vorhang, der das Heiligtum vom Allerheiligsten schied. Das Erschütternde bei diesem Bericht aber ist, daß, während der Midrasch sonst nicht sparsam im Ausdruck ist, im Gegenteil gern weit ausholt, er hier mehr als knapp ist. Kein Wort ist darüber gesagt, mit welchen Empfindungen Rabbi Elieser diese Gegenstände sah, und wir können uns doch denken, wie bewegt, wie betrübt und aufgewühlt er gewesen sein muß, als er die Gegenstände des heiligen Dienstes in einem römischen Götzentempel aufgestellt erblickte. Hier ist das Schweigen die stärkste Rede. Zu Martin Bubers 60. Geburtstag Daß Martin B u b e r am 8. Februar sein 60. Lebensjahr vollendet, wird in der jüdischen Welt Anlaß zu feiernden und dankenden Worten geben. Es wird dabei - und das kennzeichnet die Bedeutung des Mannes wie seines Werkes - keiner Aufzählung dessen bedürfen, was seinem Namen den besonderen Klang verliehen hat. Dieses Ganze und sein Urheber sind zum Inbegriff geworden: zum Besitz der jüdischen Gemeinschaft; es strömt offensichtlich im Lebenskreislauf heutigen Judentums - unablösbar von unserem Fragen und Sagen, von allem auch, was wir tun und was wir erfahren. Es ist keine Uebertreibung, wenn wir heute meinen, Martin Bubers Wirken und Gestalt definiere geradezu weithin das jüdische Leben dieser Zeit. Das alles ist dem bloß Kalendarischen und Registrierbaren, dem Aufzählen in jeder Form überlegen - das fühlen gerade diejenigen am stärksten, die ein Recht darauf haben, Martin Buber in den reichsten Jahren seiner Entfaltung den Ihren zu nennen. Es wird im weiten Umkreis derer, die Martin Buber an solchem Tag mit Dank und Wünschen nahen, keiner der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt verargen, wenn sie in einer besonderen Weise den Anspruch erhebt, von Buber als dem Ihren zu sprechen. Heute noch Nahe und Lebende unter uns - und wie viele nun Ferne und schon Dahingegangene - haben, mit ihm arbeitend und von ihm lernend, seit mehr als eineinhalb Jahrzehnten erfahren dürfen, wer er ist und wie er, gerade in unserer Gemeinde und für sie ein richtungweisender Mensch in dieser jüdischen Weltstunde geworden ist: von dem Tag an, da Franz Versicherungen sind Ver-Jrauenssoche! HANS GRÜNEBAUM - VERSICHERUNGEN ALLER ABT H0HENZ0LLERN-ST3 AS5E 12 TEL 3<u?3 -?«'