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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1938-02-01 · 5 (2.1938) · p. Seite 2

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
16 (1937-1938)
Issue
5 (2.1938)
Date
1938-02-01
Page
Seite 2 (sequence 4)
Language
German
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Seite 2 JÜDISCHES GEMEINDEBLATT FÜR FRANKFURT Nr. 5 Februar 1938 die orthodoxen Forderungen eintrat, so war es ihm ebenso natürlich, daß er es vom Standpunkt der Einheitsgemeinde aus tat. Mag wohl sein, daß die Mischung zwischen östlichem und westlichem Judentum in seiner Person ihm diesen Blick aufs Ganze erleichterte. Er war in Ungarn geboren, aber sein Vater, ein Rabbiner, war aus dem Badischen dorthin gekommen. Die halachische Luft, die er in der neuen Heimat seiner Familie einsog, ebenso Anlage und Neigung, bestimmten seine zukünftige Laufbahn. Noch bevor er das Berliner Rabbinerseminar bezog, genoß er als junger Mann-längere Zeit talmudische Belehrung im Hause seines Onkels und Schwiegervaters, des Rabbihers Israel Meir Freimann, in Ostrowo im Posenschen. Noch jung an Jahren, kaum vierundzwanzig, bekleidete er seine erste Rabbinaisstellung in Könitz und wirkte, von 1893 ab, zwanzig Jahre in Holleschau. Kurz vor dem Weltkriege berief ihn die Posener Gemeinde zum Nachfolger ihres Oberrabbiners W. Feilchenfeld; er war in den schwierigen Jahren des Krieges und der politischen Neuordnung dieser altberühmten Gemeinde ein unermüdlich sich hingebender Führer. Ein knappes Jahrzehnt war es ihm dann noch beschieden, sein Berliner Amt zu verwalten. Jacob Freimann vereinigte in sich ein weit ausgebreitetes sicheres Wissen auf dem Gebiet des talmudisch-rabbinischen Schrifttums, besonders seiner späteren Ausstrahlungen und Niederschläge in der mittelalterlichen Literatur, mit trefflich geschulter Handhabung der philologisch-' historischen Methoden, die allein der Rekonstruktion und Darstellung dieses Geistes die richtige Form gebert. Ihn, den Rabbiner, der bei aller Erschlossenheit für Gegenwartsfragen, doch immer in der Atmosphäre der Halacha lebte, den Aw-bei-din der größten jüdischen Gemeinde in Deutschland, interessierten die verschiedenen Kristallisationen, welche das jüdische Ritualgesetz, sei es im. französischspanischen, sei es im deutschen Bereich jüdischer Geistesentfaltung, gefunden hatte. So hat er Ausgaben solcher Werke veranstaltet und mit literargeschichtlichen Einleitungen erhellt. Literaturgeschichte, als deren Lehrer er am Berliner Rabbinerseminar bis zuletzt wirkte, war sein eigentliches Feld, wie etwa seine Arbeit über den Sefer Chassidim zeigt. Aber auch die Gemeindegeschichfe zog seine-Aufmerksamkeit auf sich, - und «er hat ihr Monographien über Holleschau, Proßnitz, 'Xanten gewidmet als Mitarbeiter am jüdischen Lexikon und Redaktor für rabbinische Literaturgeschichte an der Encyclopaedia Judaica hat er sich auch an einen breiteren Leserkreis gewendet, wahrend seine Arbeit in der Gesellschaft der ifMekize nirdamim" im engen Zusammenhang mit seiner gelehrten Arbeit blieb; In allem, was er schrieb und sprach, schöpfte er aus dem Vollen. Dessen werden sich heute alle diejenigen mit herzlichem Dank bewußt sein, die seinen Rat und seine Hilfe in wissenschaftlichen Dingen suchten und stets fanden. Er be- Jsaß soviel, daß er mit wahrhaft froher Bereitschaft spendete. Er besaß die Tugend des echten Lehrers, der dem Strebenden, nach Hilfe Verlangenden immer entgegenkommt, ihn nie beschämt. Er hatte das starke und fruchtbare Gedacht-" nis des Historikers, der gerade auf geistigem Gebiet darauf angewiesen ist, aus einer Unzahl von weither geholten Bausteinen ein Ganzes aufzuführen. Aber diese wissenschaftliche und pädagogische Haltung war tiefer gegründet. Sie war in seiner menschlichen Persönlichkeit verankert. Wenn ihm die Eitelkeit und der Eigensinn des Gelehrten gänzlich fern lagen, wenn er bis in sein Alter ein natürlicher, fröhlicher Mensch unter Menschen blieb, wenn die Eigenart gerade seines Fachgebietes ihn niemals abseitig machte und in ein eigenes Gehäuse einsperrte, so war es sein grundgütiges Herz> das ihn immer zuerst Mensch sein ließ. Das hat er auch stets und gegen jedermann in seinem praktischen Rabbinerberuf bewährt. Er hat gemäß seiner jüdischen und traditionellen Ueberzeugurig gelebt und zu wirken gesucht, derart, daß seine religionsgesetzliche Autorität wohl von niemand angetastet wurde. Er war zugleich ein duldsamer, verstehender Mensch, nichts weniger als ein Eiferer. Und so wuchs er, der gesetzestreüe Rabbiner, der Meister des Religionsgesetzes, in Bedeutung, und Ansehen über streng abgegrenzten Kreis weit hinaus. Er verkörperte, wie nur noch ganz wenige in unserem unmittelbaren Blickfelde, eine Seite des Judentums; aber er verkörperte sie in einer menschlich so gewinnenden, lieben^ werten Weise, daß er nicht einer Gruppe, eine Ml; giösen Partei, sondern dem ganzen Judentum angei Festschrift für Jacob Freimann Zu seinem siebzigsten Geburtstag gewidmet von der Jüdischen Gemeinde zu Berlin und dem Rabbinerseminar zu Berlin sowie einem Kreise seiner Freunde und Verehrer. Berlin 1937. Die Festschrift zu Ehren des Berliner Gemeinderabbiners Dr. Freimann gliedert sich in einen hebräischen und einen deutschen Teil. Auf etwa 400 Seiten haben nicht weniger als 35 namhafte Gelehrte des In- und Auslands dieses wissenschaftlich bedeutsame Werk geschaffen. Der hebräische Teil wird durch eine in klassischer Sprache abgefaßte Dankadresse, die der Rektor des Rabbiner-Seminars im Namen der Dozenten darbringt, eröffnet. Der deutsche Teil bringt als Einleitung eine Schilderung von Jacob Freimanns Lebensgang; Rabbiner Harry Levy zeichnet das Leben dieses Mannes in warmen Worten. Fast alle Gebiete jüdischen Wissens haben in dieser Festschrift durch gründliche, streng wissenschaftliche Arbeiten einen Platz gefunden. Eine Würdigung der einzelnen Beiträge an dieser Stelle vorzunehmen, ist nicht möglich. Wie allen Verfassern das Bestreben gemeinsam ist, dem Rabbiner und Gelehrten von Ruf ihre Verehrung darzubringen, so sind die Beiträge durch den Dienst am jüdischen Geiste geeint, dem sie dienen. Neben Beiträgen von vier Professoren der hebräischen Universität in Jerusalem, namhaften Privatgelehrten aus Palästina finden sich unter den Autoren der frühere Oberrabbiner von Prag, Dr. Heinrich Brody, der Nestbr der jüdischen Wissenschaft, Immanuel Low, ferner Michael Guttmann, "Alfred Freimann, Samuel Krauß. Von der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums haben sich an der Festschrift beteiligt: Leo Baeck, Ismar Elbogen und Max Wiener. Aus der großen Reihe der weiteren angesehenen Mitarbeiter seien nur noch die Frankfurter Rabbiner Dr. Jakob Horovitz, Professor Dr. A. Freimann und Dr. A. Heschel genannt. Durch die Mitwirkung aller ist hier ein Werk entstanden, das dem Jubilar und der Wissenschaft vom Judentum gleichermaßen zur Ehre gereicht, nun aber nach dem unerwarteten Heimgang Jacob Freimanns ein Denkmal seines Wirkens darstellt. Rabbiner Dr. Rosenwasser Unter den Bestimmungen über die Errichtung des Heiligtums in der Wüste spielen die Anordnungen über das Anzünden des Lichtes und über die Kleider Aharons und der Priester eine besondere Rolle. Für das Anzünden des Lichtes gilt das Gebot (2. M. 27, 20), „daß genommen werden sollte: klares Olivenöl". Der Oelbaum ist ein besonders beliebtes Vergleichsobjekt des Midrasch. Vielfach wird Israel mit ihm verglichen. Und dieser Vergleich ist zugleich Ausgangspunkt besonderer Betrachtung. Welchem Baum gleicht Israel? „Das ist's, was geschrieben steht (Jirmej. 11. 16) saftiger Oelbaum, schön an Frucht und Gestalt, so hat ER deinen Namen genannt". Aber ist denn Israel nur mit dem Namen des DAS SCHRIFT WORT Das Licht von Max Dienemann Oelbaümes benannt, ist es nicht mit dem Namen aller möglichen schönen und preisenswerten Bäume benannt? Weinstock wird es genannt (Ps. 80, 9) „einen Weinstock hast du aus Aegypten ausgehoben"; Feigenbaum 'wird es genannt (Hoschea 9, 10) „wie Erstreifes am Feigenbaum in «seinem Anfang, sah ich eure Väter an". Die Palme gibt ihm ihren Na-, men (Hohes Lied 7,8) „dein Wuchs gleicht der Palme"} die Zeder auch (Ps. 92, 13) „wie die Zeder auf dem Libanon sprießt's", die Nuß leiht ihm den Namen (Hohes Lied 6, 11) „zum Nußhain stieg ich herab". Man benennt es mit dem Na^ men von allerhand Schößlingen (Hohes Lied 4, 13) „deine Schößlinge sind ein Lustgarten von Granaten". Warum nun benennt Jirmejehu es Oelbaum? Solange die Olive am Baum

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