Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 16 (1937-1938)
- Issue
- 4 (1.1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 11)
- Language
- German
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No, 4 Januar 1938 JÜDISCHES GEMEINDEBLATT FÜR FRANKFURT Seite 9 Jahrhunderts, einmündend in den Festzug zu Ehren des Kaisers Leopold im, Jahre 1790, bei welchem letztmalig die grosse von. 12 Mann zu tragende Schwedenfahne zur Schau gestellt wurde, die noch heute in der Altneuschul zu sehen ist. Die kulturhistorische Bearbeitung stammt von Alfred Grotte. Obwohl die Handlung von einer romantischen Liebesgeschichte getragen wird, lässt sich sagen, dass das Buch nach der Art seiner Darstellung vor allem als eine anregende und belehrende J ugendlektüre gelten kann. Ca. „Wir", Gedichte von Frieda Mehler (Berthold Levy, Jüd. Buchverlag, Berlin 1937) Wer sind die Wir? Sind es die Frauen und Mütter, von denen die weitaus meisten diese kurzen, schlichten Gedichte sprechen, sind es die Menschen überhaupt und die Alten insbesondere, sind es die Juden, deren Schicksal im Anklang an Bibelworte in ein paar Lieder besimgen wird — oder sind es diese alle zumal? Die Eesignation der Einsamen, die Abgeklärtheit der Greisin und der glaubenskräftige Stolz der Jüdin fügen sich in diesen wenigen Blättern zu einer Symphonie, die den Hörer eigentümlich ergreift, v.m stärksten dort, wo die Verfasserin ganz persönliches Erleben dichterisch zu gestalten weiss. Dr. G. S. > Kulturarbeit des Monats Vortragsabend Otto Bernstein Beim Nachgestalten eines Werkes der oratorischen Kunst ist es das Gedächtnis, dem die Leistung des Künstlers ihre Grundlage verdankt. Wie sehr es gerade diese Zone ist, die bei der Verlebendigung erschauter Figuren ihrem Erwecker dienlich wird, erwies abermals deutlich ein Vortragsabend von Otto Bernstein. Sein Abend (im Grossen Saalbau) vor zahlreichem Publikum des Kulturbundes brachte Proben aus dem Schaffen jüdisjiier Autoren des westlichen und des östlichen Kulturkreises. Die Erscheinungen dieser teils literarisch formelhaft, teils gedanklich belastet, teils? erdverbunden und glaubensstark anmutenden Stücke kreisten thematisch um die Liebe. Dieser Begriff war gefasst als Symbol des Einvernehmens zwischen Gott und Mensch wie zwischen beiden Geschlechtern. Zu Grunde liegt der Kern des Jüdischen, seiner ethisch fundierten und allumfassenden Sehnsucht nach dem Göttlichen. Auswahl/ und Wiedergabe der Stücke machte dies sinnfällig. (In der Wirkung besser wäre allerdings eine andere Mischung der Vortragsfolge gewesen.) Eindringlich und mit echter Formungskraft beschwor Otto Bernstein die Vielfalt des Gestaltenzuges aus der mehr oder minder tief schürfenden, geistdurchleuchteten, humorig. beglänzten oder anekdotisch zugespitzten Darstellung. Er rezitierte frei und beherrschte so die Setzung der Akzente, die Ballung dramatischer Spannungen, das Gegeneinander dialogischer oder lyrisch durchseelter Szenen mit echtem Können und Sich-versenken in das . dichterische Wort, zugleich den Sinn und die Bedeutung erfühlend und plastisch heraushebend. Starker herzlicher Beifall dankte dem Künstler für die wertvollen Gaben. Artur Bogen Ungetanzte Tänze Das Rätsel um den geheimnisvollen Titel „Ungetanzte Tänze", mit dem sich musikbeflissene Kulturbundmitglieder wochenlang beschäftigten, hat nun seine Lösung gefunden. Dr. Anneliese L a n d a u gab weder einen „Tanzabend" — auch diese Anschauung wurde vertreten — noch vermittelte sie eine Einführung in " die Tanzformen der alten Suite (was immerhin anzunehmen war). Ihr charmantes, gesprochenes Feuilleton beschränkte sich vielmehr auf den Ronzertwalzer des 19. Jahrhunderts, jene Walzerkompositionen also, die nicht für den Ballsaal, sondern das Konzertpodium geschrieben wurden. Ausgehend von den „getanzten Tänzen" des Menuetts und Walzers führte sie in fesselnder Schilderung von dem Romantiker Weber („Aufforderung zum Tanz") über Johann Strauss — auch Beethoven und Schubert wurden kurz gestreift — zu Brahms, Chopin und Liszt. Das kulturhistorische und gesellschaftliche Milieu der verschiedenen Epechen, in denen de r Walzer seine Herrschaft ausübte, wurde mit treffenden Strichen gezeichnet. Die biographischen Streiflichter, mit denen die Komponisten beleuchtet wurden, konnten in diesem engumrissenen Zusammenhang natürlich nur etwas einseitig ausfallen. Sie erfüllten aber den beabsichtigten „Stimmungs"- Zweck vollauf. Dr. Anneliese Landau versteht es ausgezeichnet, VON DER FRIEDB. ANLAGE Breitegasse 29 An der Zell v. _ ./ Porzellanhofstrasse Ecke Zell 146 I. 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