Mannheim
Compact Memory

Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1938-01-01 · 4 (1.1938) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
16 (1937-1938)
Issue
4 (1.1938)
Date
1938-01-01
Page
Seite 2 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3094266-3094451-3094455--5958-3100751
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 2 JÜDISCHES GEMEINDEBLATT FÜR FRANKFURT No. 4 Januar 1938 schaftshilfe mit den Anlernwerkstätten, in denen z. Zt. ca. 250 Jugendliche handwerklich ausgebildet werden, Berufsum- Schichtung, Jugendfürsorge, die liohen Beiträge für überlokale Zwecke (ReichsVertretung, Preuss. Landesverband) u. a in. Ferner erwähnte der Referent das sich an alle Kreise der Gemeindemitglieder wendende Gemeindeblatt, das gut besuchte Museum, die Bibliothek und den täglich geöffneten Lesesaal, der sich eines immer stärker werdenden Zuspruchs erfreut. Es sei erfreulich, das» die Gemeinde bisher in der Lage gewesen sei, den grossen finanziellen Anforderungen nachkommen zu können, dank der verständnsivollen Haltung der 'Gemeindemitglieder in steuerlicher Beziehung. Die Zusammenarbeit innerhalb der Gemeinde sei rühmend hervorzuheben, da die Vertreter der drei Hauptriehtungen sich bemühten, in gemeinsamer Arbeit das Gesamt-Interesse der G-emeinde voranzustellen. Am Schlüsse des Referats sprach IIerr~ Felix Meyer den Wunsch aus, dass die zugezogenen Brüder und Schwestern sich in der Gemeinde recht wohl fühlen und dass sie zu treuen und anhäng liehen Mitgliedern der E i n h e i t s g e m e i n d e werden mögen. Er erinnerte an den Wochenabschnitt, der vormittags in den Synagogen zur Verlesung gekommen sei: Das; Bild, des sterbenden Patriarchen Jakob, umgeben von seinen Söhnen, deren verschiedene Charaktere ihm nochmals Anlass zu ernster Kritik geben. Und doch hat er sie alle gleich lieb, sie alle sind Söhne Jakobs und Kinder Israels, und sie erhalten alle den väterlichen Segen. „So wird auch der Segen Gottes auf der altehrwürdigen Gemeinde Frankfurt, der Muttergemeinde in Israel, ruhen, wenn wir alle einig zusammenstehen und unsere Pflicht tun." Institutionen der Gemeinde berichten: Bibliothek des Krankenhauses Die wissenschaftliche Bibliothek des Krankenhauses der Isralitisehen Gemeinde hat nach zweijährigem Sammeln und Ordnen die erste Aufbaustaffel erreicht. ■ Einem von dem Leiter der Bibliothek, Sanitätsrat D r. Deutsch, erstatteten Bericht entnehmen wir, dass die Bücherei jetzt über 9000 Bände (Bücher und Zeitschriften) aus allen Bereichen der Medizin und Naturwissenschaft umfasst, dazu noch etwa 10 000 Broschüren. Alles wurde zusammengebracht durch uneigennützige Sammeltätigkeit, Büchersendungen und Geldspenden zahlreicher Aerzte aus Frankfurt und ganz Südwestdeutschland und mancher Freunde des Krankenhauses. Besondere Aufmerksamkeit wurde der Sammlung jüdischer Frankfurter Autoren zugewendet, deren Werke in grosser Reichhaltigkeit vertreten sind, von dem berühmten Moritz Schiff (Stoltzes „David") bis zu dem grossen Paul Ehrlich und seinen Mitarbeitern. Eine ansehnliche Sonderabteilung enthält Lesestoff zur Unterhaltung der Patienten des Krankenhauses. Der Grundstock dieser Abteilung verdankt seine Entstehung privater Initiative und wird ebenfalls noch weiter ausgebaut werden. Hierüber soll demnächst berichtet werden. Die Bibliothek ist keineswegs nur für die Ärzte des •Krankenhauses bestimmt. Sie ist von Montag bis Freitag von 10 bis 12.S0 Uhr geöffnet. Abendliche Dienststunden sind nur zweimal in der Woche, Montags und Donnerstags von 20 bis 22 Uhr. Ihrer Jugend entsprechend, weist die Bücherei noch grosse und empfindliche Lücken auf. So ist sie weiterhin auf das Wohlwollen massgebender Stellen und auf Spenden an Geld und wissenschaftliehen Werken angewiesen. Mögen sie nicht ausbleiben zum Vorteil des Heilwesens unserer Gemeinde! Das Steueramt unserer Gemeinde Innerhalb der weitverzweigten Verwaltung der Israelitischen Gemeinde nimmt, das Steuer amt mit angegliederter Sehn 1g e 1 d k a s se, der M i t g 1 i e de r-M eldestelle und der Stelle für Statistik einen besonders bedeutsamen Platz ein, hängt doch von seiner richtigen und ordnungsmässigen Funktion schlechthin der Bestand der Gemeinde ab. Das Amt hat, wie schön seine Bezeichnung kundgibt, die Aufgabe, der Gemeinde die notwendigen finanziellen Mittel zuzuführen, das Schulgeld für das Philanthropin zu erheben, ferner die Veränderungen festzustellen, die sich aus dem Zuzug und Wegzug der Mitglieder, den Geburten und Todesfällen ergeben. Bis zum April 1935 wai> n diese Aufgaben, soweit sie die Steuer betrafen, — wenn auch damals schon umfangreiche — durch die damalige Steuerverwaltung relativ einfach zu lösen, lag doch bis dahin der grösste Teil der Veranlagung und die Einkassierung der Steuern bei den drei hiesigen Finanzämtern: lediglich die Veranlagung der Nurlohnsteuerpflichtigen, die Einsprüche und Stundungen wurden durch die eigene Verwaltung erledigt. Gemäss einer damals ergangenen behördlichen Verfügung ist ab 1. Mai 19 35 das gesamte Steuerwesen in eigene Regie übernommen worden. Diese Anordnung brachte eine vollständige Umwälzung der Steuerverwaltung mit sich und führte zur Gründung eines Steueramtes mit Steuer- und Schulgeldkasse, während das Meldewesen mit Statistik in abgeänderter Form angegliedert blieb. Nach eingehenden Beratungen, die infolge der knappen Frist äusserst beschleunigt werden mussten, und nach Vornahme einiger baulichen Veränderungen konnte das Steueramt seine Tätigkeit zum festgesetzten Termin aufnehmen. Es gliedert sich in acht Abteilungen einschl. Steuerkasse Mahnstelle, Revision und Korrespondenz. Einem Leiter, einem Bürovorsteher und einem Revisor sind die erforderlichen Hilfskräfte beigegeben. Es würde zu weit führen, das Steueramt in seiner weitverzweigten Tätigkeit zu schildern; deshalb seien nur einige wenige zahlenmäßige Angaben gemacht. Es sind vorhanden: eine Steuerkartei mit rund 10.000 Zensiten, eine Mitgliederkartei nebst Verzogenen- und Verstorbenen-Kartei mit rund 30000. Karten, eine Wahlkartei mit rund 9.000 Karten, eine Schulgeldkartei mit rund 1.200 Karten; eine umfangreiche Steuer- und Kassenregistratur. Diese Karteien und Registraturen müssen täglich auf dem Stande gehalten werden, wenn sie ein brauchbares Hilfsmittel darstellen sollen. Nach Empfang der Steuermerkmale durch die Finanzämter geschieht alljährlich von Mai bis September die Veranlagung zur K u 11 u s s t e u e r und dem Gemeindegeld. Ebenso wird alljährlich das Schulgeld neu veranlagt. Ueber Einsprüche wird von der dem Steueramt vorgesetzten Steuerkommission, gegebenenfalls vom Gemeindevorstand entschieden. Stundungen und dergleichen werden durch das Steueramt verfügt. Säumige Steuerzahler werden gemahnt und von Steuerpflegern persönlich an ihre Kultussteuerpflicht erinnert. Falls all dies erfolglos bleibt, muss die Einziehung der geschuldeten Beträge durch die Vollstreckungsstellen der Finanzämter stattfinden. Es wird aber vom Steueramt immer wieder darauf hingewiesen, daß es sich bei der Kultussteuer um eine Abgabe handelt, die zur Erhaltung unserer altehrwürdigen Gemeinde und ihrer religiösen, kulturellen und sozialen Einrichtungen xinbedingt notwendig ist und daß es sich bei der Begleichung um die vornehmste Pflicht jeden Mitgliedes handelt, die auch in den ältesten Grundsätzen der jüdischen Religion ihre innere Berechtigung findet. Möge diese Erkenntnis in unserer Gemeinschaft stets lebendig sein und bleiben!. ' (Weitere Berichte folgen) L. A. ] IDamenhüfe Damenk leider Neuesfe Modelle für Winter und Sport Umarbeitungen billigst SOFIE ROSSBAC H früher Leiterin bei Gerstel Kaiserstrasse 25 (Laden) «afcamiMaaaajPMUi

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.