Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 16 (1937-1938)
- Issue
- 4 (1.1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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No. 4 Januar 1938 JÜDISCHES GEMEINDEBLATT FÜR FRANKFURT Seite 1 An die Mitglieder der Israelitischen Gemeinde! In einer Stunde schwerer Auseinandersetzung um die Zukunft von Erez Israel führt der Keren Hajessod, die Finanzkraft des Ealästina^ufbaus^seine diesjährige A-ttion durch. _;'. •In diesen Tagen hat das von der ganzen jüdischen Gemeinschaft getragene Werk seine innere Kraft bewiesen. Unser Aufbauwerk steht bei allen Schwierigkeiten und trotz der Depression, die über der Wirtschaft des Randes zeitweilig lastet, auf festen Fundamenten: Seine Landwirtschaft erweist sich als eine einzig dastehende Leistung, die gerade jetzt ihre Bedeutung bewiesen hat. Während draussen die Pioniere mit dem Spaten und dem Traktor den Aufbau weiterführen, bei Tage arbeiten und bei Nacht wachen, geht das Lehen im Lande seinen Gang weiter. Jetzt gilt es, das Bestehende zu erhalten und mit einer ge waltigen Kraftanstrengung auszubauen, damit der Jischuw stark und stärker wird und weiter mit friedlicher Expansion die Gewalt beantwortet, solange sie nicht gebändigt ist. Charakteristisch für die Situation im Lande ist die Tatsache, dass von den mehr als 200 jüdischen Siediungspunkten, die es im Lande gibt, nur wenige ernstlich gefährdet werden konnten! Wir hoffen, dass bald Friede im Lande herrscht und dass das von uns allen gewünschte Ziel des Aufbaus ohne weitere Blutopfer erreicht wird. Deshalb muss die Aufbauarbeit auch weiterhin von der Einsatzbereitschaft der geeinten Judenheit getragen werden. Die vorhandenen Siedlungspunkte müssen ausgebaut, weitere müssen geschaffen werden. Die öffentliche Wirtschaft des Landes muss gestärkt, das Erziehungswesen aufrecht erhalten werden. Am Tage der Entscheidung wird Palästina soweit jüdisch sein, als es d.urch jüdische Leistung geworden ist Wie auch die Entwicklung geht — der Augenblick ist schwer, aber er birgt für die Zukunft eine grosse Chance! Das gilt in hohem Maße auch für die Juden in Deutschland, von denen mehr als 40.000 in den letzten 4 Jahren in Erez Israel eine neue Heimat gefunden haben. Wir rufen alle Mitglieder unserer jüdischen Gemeinde auf, die Verantwortung mitzutragen, die heute mehr denn je auf unsere Schultern gelegt ist. Wir sind gewiss, dass die Juden in Frankfurt a. M. dem Rufe des Keren Hajessod opferbereit folgen werden. Vorstand und Gemeindevertretung der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main Justizrat Dr. Blau Dr. Richard Merzbach Begrüssung der Zugezogenen Am Samstag, dem 18. Dezember, fand im Hörsaal der Synagoge am Dominikanerplatz ein Begrüssungs-Abend für die neu-' zugezogenen Synagogenbesucher statt. Die Veranstaltung war sehr stark besucht. Der Chor der Synagoge am Dominikanerplatz unter Leitung von Dr. N. Ehrenreich umrahmte mit schönen Darbietungen die Feierstunde. Nach einer Begrüssungsansprache des Vorsitzenden des Synagogen-Vorstandes, Herrn Jakob Bickhardt, und des Vertreters des Gemeindevorstandes, Herrn Carl Weil, hielt der stellvertretende Vorsitzende der Gemeindevertretung undVorsitzende der konservativen Fraktion,Herr Felix Meyer, ein Referat über die Tätigkeit und die Eixl/ richtungen der Frankfurter Gemeinde. Er führt u. a. aus: „Den Auftrag, eine Uebersicht über die Einrichtungen der Frankfurter Gemeinde zu geben, habe ich aus dem Grunde gern übernommen, weil die Gemeindeverwaltung das grösste Interesse daran hat, besonders die neu hinzugezogenen jüdischen Männer und Frauen mit dem weitverzweigten Aufgabengebiet der Großgemeinde Frankfurt vertraut zu machen. Sie verbindet ferner ,mit dieser Unterrichtung ,den Wunsch, dass Sie einen regen Gebrauch von den zum Wohle der Gemeindemitglieder geschaffenen Einrichtungen machen und damit zu den interessierten Mitgliedern der Gemeinde, werden, deren diese zur Durchführung ihrer Aufgaben dringend bedarf." Es folgte dann zunächst einen gedrängter Ueberblick über die Geschichte der Frankfurter Gemeinde seit dem 13. Jahrhundert unter Hervorhebung der prägnantesten Ereignisse.Der erste Teil des Referates schloss mit der Erwähnung des die rechtlichen Beziehungen der beiden -hiesigen Gemeinden regelnden Gesetzes vom 21. März 1899, laut welchem, unter Wahrung des Rechts zum Austritt, grundsätzlich alle im Stadtbezirk wohnenden Juden kraft Gesetzes Mitglieder'der Israelitischen Gemeinde sind. Diese sei daher zweifellos als Rechtsnachfolgerin der alten Frankfurter Kehillo anzusehen, eine Tatsache, die sich unsere nach hier ziehenden Glaubensgenossen stets vor Augen halten mögen. .. .. Im zweiten Teil seines Referates :ertäuterte der Redner sodann an Hand des Gemeinde-Etats das Tätigkeits-Gebiet der Gemeinde und. ihre Einrichtungen. Er gab zunächst einige interessante statistische Zahlen: Die Zahl der Juden in Frankfurt betrug: 1817 3298 1843 5007 1867 7620 1880 13856 1895 19488 1910 26228 1925 29S85 1929 30300 1937 .20833^ Der Gemeinde-Etat betrug 1750 14,000,— fl. 1830 53,439,— fl. 1870 130,000,— fl. 1900 320,607— Mk. 1925 1,284,471,— Mk. 1929 1,979,547,— Mk. 19S7 1,592,821— Mk An die Spitze der Etat-Erläuterungen stellte der Referent sodann die Bekanntgabe der Bestimm.ungenbezüglich der Ritualkommission: Eine absolute Gewähr für die Einhaltung aller rituellen Vorschriften in religionsgesetzlicher Beziehung bilde die Existenz der 1876 gegründeten Ritualkommission, die derartig in die Gemeindeverfassung eingebaut und so verankert sei, dass eine Abänderung oder Verkleinerung ihrer Befugnisse auch bei einer anders als jetzt zusammengesetzten Verwaltung nicht möglich sei. Der Redner erläuterte die einzelnen Etat-Kapitel unter Anführung der jeweiligen für Einnahme und Ausgabe vorgesehenen Beträge. Es entrollte sich vor den interessierten Hörern das Bild einer Gemeinde-Verwaltung, die sorgsam darauf bedacht ist, einerseits allen, auch den durch die Zeit erforderlichen Aufgaben einer jüdischen Grossgemeinde gerecht zu werden, andererseits die Steuerkraft der Gemeindemitglieder möglichst zu schonen. Es seien nur einige wenige Aufgaben, die große Mittel erfordern» herausgegriffen: Die Unterhaltung und Subventionierung der Synagogen und Betsäle, das Unterrichts^ wesen, die Zuschüsse an Jeschiwa, Talmud Thora-Verji ein, Hebräische Sprachschule, die stark erhöhte Mitter beanspruchende soziale Fürsorge, die vor einigen Jahren;:' neu geschaffene Jüdische Beratungsstelle für Wirfc