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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1937-12-01 · 3 (12.1937) · p. Seite 11

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
16 (1937-1938)
Issue
3 (12.1937)
Date
1937-12-01
Page
Seite 11 (sequence 13)
Language
German
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No. 3 Dezember 1937 JÜDISCHES GEMEINDEBLATT FÜR FRANKFURT Seite 11 Orchesterkonzert des Kulturbunds Zur grossen Freude des musikliebenden Publikums ist es den Bemühungen der verantwortlichen Stellen gelungen, das Orchester der Jüdischen Kulturbünde mit dem Sitz in Frankfurt von neuem ins Leben zu rufen. Symphoniekonzerte bedeuten nun einmal für die großstädtische Hörerschaft die repräsentativste Ausdrueksform des Musiklebens. Wenn wir auch, schon mit Eücksicht auf die abermalige Verkleinerung des Orchesters, auf die Grosswerke der Literatur verzichten müssen, so steht uns immer noch genug Wertvolles zur Verfügung, das wir nicht gerne missen möchten. Allerdings darf — das bleibt unentbehrliche Forderung — das Niveau der Wiedergabe nicht unter eine bestimmte Grenze herabsinken. Das erste Konzert dieser Saison belehrte uns, dass trotz .der sich häufenden Schwierigkeiten in der Besetzung der einzelnen Instrumente kein Anlass zu Befürchtungen dieser Art besteht. Der Leistungsgrad des Orchesters ist noch immer auf beachtlicher Höhe. Vorhandene Unebenheiten, die bei Beginn einer neuen Spielzeit nie zu vermeiden sind, werden im Laufe des Winters ausgeglichen werden können. Die Persönlichkeit des künstlerischen Leiters Professor P r ü w e r, dieses hervorragenden Musikers und Orchestererziehers, bietet beste Gewähr für eine verantwortungshewusste Arbeit. Das Programm, das uns Priiwer diesmal bot, war vorsichtig, aber sehr geschickt gewählt. Es hatte, bei aller Verschiedenheit der Komponisten, den Vorzug der Einheitlichkeit, wenn auch nicht verhehlt sei, dass es für manchen Hörer, der stärkere Kontraste wünscht, etwas einförmig wirken mochte. Griegs Suite für Streichorchester „Aus Holbergs Zeit" — Holberg, der nordische Moliere, lebte von 1684—1754 — wirkt mehr als Stilkopie denn als Neuschöpfung im Geiste der alten Musik; aber sie erscheint doch reizvoll durch ihre melodischen Einfälle und ihre bezaubernde klangliche Einkleidung. Ihre Feinheiten traten in der fein gestuften und klar gegliederten Nachzeichnung Prüwers ins hellste Licht. Echte alte Musik des 18. Jahrhunderts hörten wir dann in Tartinis berühmter „Sonate mit dem Teufelstriller". Ernst Drucker vermittelte sie mit bestem Stilempfinden, mit nobler Tongebung und mit sicherer Technik, die selbst die Tücken eines'sich verstimmenden Instruments siegreich überwand. Herzlicher Beifall bestätigte ihm den Erfolg seiner solistischen Leistung. Mehr den Charakter einer Suite als den einer Symphonie trägt trotz ihrer Ausdehnung Carl Goldmarks „Ländliche H o c h z e i t". Der einst gefeierte Komponist der Oper „Königin .von Saba" — ein in Ungarn geborener Jude — ergeht sich hier in einer harmlosen Fröhlichkeit, die weniger urgewachsene Rustikalität als hochentwickeltes Formgefühl und ausgesprochenen Sinn für gefällige Melodie und schönen Klang verrät. Wem solche Kunst vielleicht etwas „altmodisch" vorkommt, der möge sich überlegen, wieviel Gehalt doch in einer Musik verborgen sein muss, die 60—70 Jahre nach ihrem' Entstehen über allem Stilwandel hinweg immerhin noch zu fesseln vermag. Das Orchester bewältigte auch diese schwierigste Aufgabe des Abends mit gutem Gelingen und schuf damit einen verheissungsvollen Auftakt für seine Weiterarbeit. Dr. Nathan Ehrenreich Willy Prager „Ein heiterer Abend mit Willy Prager" war angekündigt, alier durchaus nicht alles, was der bekannte Berliner Conferencier seinen dankbaren Hörern brachte, liess sich unter der Rubrik „Scherz und Laune" vereinen; gerade, wenn er Ernstes, Besinnliches in einfachem Ton vortrug und sang, erzielte Willy Prager diesmal die höhere Wirkung. Unter den Anekdoten, Erlebnissen, Schnurren und Chansons, die er ausserdem hören liess, war manches härmlos vergnüglich, vieles, was dem Publikum Spaß bereitete, Einzelnes was aus Geschmacksgründen besser unterblieben wäre. Die stimmbegabte temperamentvolle Sopranistin L i s s i Hahn-Schloß, deren Begabung sieher auch im szenischen "Rahmen gut bestehen würde, sang, von dem oft erprobten und bewährten Max Firnberg am Flügel hegleitet, Stücke des leichteren Genres und der Operette und fand, wie ihre jugendliche Partnerin Margot Hirsch, viel Beifall. Die letztere, ein etwa 14jähriges Mädchen, ist zweifellos mimisch, tänzerisch und stimmlich gut beanlagt. Wo sie in passendem Bereich auftritt (Kinderstücke), ist die „Wirkung* in die Ferne" (d. h. in diesem Fall vom Podium zum Publikum) recht erfreulich — man sollte ihr aber die Idealkonkurrenz mit den' „grossen" Soubretten ersparen. Es ist, von Darbietungen im engen familiären Bereiten Sie sich selbst Freude ... Schenken Sie sich Wohlbehagen, tragen Sie selbst zu Ihrem Aus- und Ansehen bei - kaufen Sie sich einen unserer gutsitzenden und warmhaltenden Ulster oder Paletots! 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