Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 16 (1937-1938)
- Issue
- 3 (12.1937)
- Date
- 1937-12-01
- Page
- Seite 12 (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 12 JÜDISCHES GEMEINDEBLÄTT FÜR FRANKFURT No. 3 Dezember 1937 Kreis abgesehen, weder nötig noch wünschenswert, dass ein so junges, noch in der Entwicklung befindliches Mädchen bereits bekannte Schlager nachsingt und nachtanzt . Georg Schott >► Alte und neue Vokalmusik Man darf den „Jüdischen Tonkünstlern Frankfurts" das Lob aussprechen, dass sie in der Zusammenstellung ihrer Programme den Willen zu einer einheitlichen geistigen Linie erkennen lassen. Das 39. Mittwochskonzert, erfreulicherweise besser besucht als das vorausgegangene, vereinte Lieder und Duette aus drei Jahrhunderten, führte von italienischen Vertonungen Händeis, Piccinis und Leonardo Leos bis zu anmutigen und packenden Liedschöpfungen des erfolgreichen englischen Komponisten Roger Quilter (der sich in Frankfurt sein technisches Rüstzeug erworben hat) und wirkungsvollen Vertonungen des ebenfalls noch in unsere Zeit reichenden Franzosen Henri Duparc. In die Ausführung teilten sich Hans Assen heim, der oft genannte Bariton, der seine schönen Mittel zu behandeln versteht, und Erna Gross, die ihren schlanken kultivierten Sopran zu guter Wirkung bringt. Die beiden Vokalisten hatten Lilly Schwär z-M a y e r h o f e r als feinsinnige und eindringliche Begleiterin, und auch sie trug zum Gelingen und zum Erfolg des schönen Abends bei. Georg Schott Lieder-Abend Ernst Wolff Die Wiederbegegnung mit dem Baritonisten Ernst Wolff bestätigte die früher gewonnenen Eindrücke einer ungewöhnlichen künstlerischen Entwicklung. Immer wieder bestrickt das so seltene Zusammenklingen einer nicht alltäglichen Sing-Kunst mit der naturgegebenen, durch den einstigen Kapellmeistcrberuf zu voller Entfaltung gebrachten Musikalität. Die Stimme scheint an Wohlklang und Rundung noch gewonnen zu haben. Nur ganz geringfügige technische Mängel, etwa beim Uebergang ins Falsettieren, machen sich zuweilen noch bemerkbar. Erstaunlich, wie das von Haus aus nicht grosse Material auch einem gesteigerten dramatischen Ausdruck dienstbar gemacht wird (Schumann-Heines „Die beiden Grenadiere" legten dafür beredtes Zeugnis ab). Wolff besitzt in hervorragendem Masse die Gabe, mit dem musikalischen Stoffe zu „spielen" und ihn mit geradezu weltmännischer Eleganz ans Publikum heranzutragen. Diese virtuose Ueberlegenheit verbürgt die Wirkung, bildet freilich auch eine Gefahr, die immer wieder die Selbstkontrolle des Künstlers herausfordern sollte. Im Programm erfreuten besonders einige wertvolle Mendelssohn-Lieder, die reizvolle Impression „Fiorca la neve" von Cimara sowie die Don Juan-Serenade von Tschaikowsky. — Paul Meyer faszinierte die Hörerschaft durch die beispielhafte pianistische Ausformung des Klavierparts und durch die anfeuernde Kraft seines Mitgestaltens. Dr. Nathan Ehrenreich Kundgebung des Hilfsvereins Am Dienstag, den 16. November veranstaltete der Hilfsverein der Juden in Deutschland im überfüllten Saal des Saalbaus unter dem Vorsitz von Max M. Warburg eine Kundgebung „Jüdische Auswanderung", die bedeutsame Ansprachen von Dr. Wisehnitzer und Rabbiner Dr. Eschelbacher brachte. Wir werden auf die eindrucksvolle Veranstaltung in der nächsten Nummer unseres Blattes zurückkommen. Frankfurter Künstler auswärts Der Frankfurter Bariton Hans Assenheim wurde eingeladen, den Gesangspart in einer von Gerhard Walter-Rosenbaum verfassten Heine-Hörfolge, deren Rezitationsteil Otto Bernstein innehat, zu übernehmen. Bei einem Konzert zu Gunsten der Jüdischen Winterhilfe in Offenbach sang Ludwig Guggenheim, Frankfurt am Main (früher Worms), Lieder und Arien u. a. von Schubert, Hugo Wolf, Mendelssohn-Bartholdy und Gounod. Die kultivierte Baritonstimme, ihre grosse Fülle und Ausdrucksfähigkeit errangen dem Künstler starken Beifall. 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