Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 16 (1937-1938)
- Issue
- 2 (11.1937)
- Date
- 1937-11-01
- Page
- Seite 3 (sequence 5)
- Language
- German
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No. 2 November 1937 JÜDISCHES GEMEINDEBLATT FÜR FRANKFURT Seite 3 Bezieher des Gemeindeblattes! Gemäß behördlicher Bestimmung darf eine kostenlose Lieferung des Gemeindeblattes nicht stattfinden. Wir richten daher an alle Mitglieder der Gemeinde die dringende Bitte, das Bezugsgeld von JRM 0.45 pro Vierteljahr pünktlich beim Vorzeigen der Quittung zu entrichten, damit in der regelmäßigen Zustellung des Blattes keine Unterbrechung eintritt. Die Erhebung des Bezugsgeldes wird auf behördliche Veranlassung im Voraus durchgeführt, demgemäß für die Monate Januar- März 1938 Ende November und im Dez. 1937. Frankfurt a. M., 22. Oktober 1937 VORSTAND DER JSRAELITISCHEN GEMEINDE VERWALTUNG DES GEMEINDEBLATTES Was uns im heutigen Gottesdienst gemässigt liberal erscheint, war vor etwa 80 Jahren revolutionär. Die Einführung der Orgel, seit Jahrhunderten ein kirchliches Instrument,- hat im damaligen Gemeindeparlament manchen Streit entfesselt. Die Brüder Rothschild hatten ihre Subvention btim Bau der neuen Synagoge zugesagt; als jedoch die Frage der Orgel akut wurde, zogen sie sich zurück und förderten den Neubau der Austrittsgemeinde in der Schützenstrasse. Später gaben sie, trotz der vorangegangenen Differenzen, 20.000.— Gulden zum Bau der Synagoge. Obwohl Rabbiner Leopold Stein sich dafür einsetzte, die Chorgesänge der umliegenden Städte Mainz, Darmstadt und Worms auch in der Hauptsynagoge einzuführen, damit sich eventuell in Frankfurt Einwandernde sofort in der Synagoge heimisch fühlen sollen", Hess man doch diesen berechtigten Wunsch unberücksichtigt und beauftragte den ersten Chordirigenten der Synagoge, Heinrich H e c ht, und den Organisten Carl Breidenstein senior mit der Komposition der gesamten Chorliteratur. Viele von diesen Kompositionen, wie z. B. „Emes wejaziv", „Mi chomaueho", „Jigdal" (B-dur), „W'saus hatauro" und „Haschiwenu", werden heute noch gesungen. Während heute die Beteiligung der Gemeinde am Chorgesang allgemein erwünscht ist, gebietet eine hochwohllöbliche Cultus-Section in § 4 der Synagogen-Ordnung von 1860: „Bey Gesängen und Wechselgesängen soll Niemand dem Chordirector vorgreifen, noch den Gesang durch überlautes Mitsingen stören." Im Jahre 1855 wurde die Firma E. F. W a 1 c k e r, Ludwigsburg, gegen eine Vergütung von S5Ö0.— Gulden mit dem Bau der Orgel beauftragt, die ein Jahr vor der Synagogeneinweihung fertiggestellt wurde. Der Sachverständige der Gemeinde, Dr. H. Schlemmei (der übrigens mit Felix Mendelssohn-Bartholdy eng befreundet war), schildert in seinem Bericht von der Abnahme des Werkes die Orgel mit hohem Lob: „Somit haben die Herren Orgelbaxier nicht allein ihre vertragsmässigen Verbindlichkeiten erfüllt, sondern es ist ihnen gelungen, eine Arbeit zu vollenden, die ihnen zur Ehre gereicht, der Synagoge aber »und der Stadt eine Zierde ist." Die Orgel, mit 37 Registern eine der grössten Frankfurts, muss nach den Berichten der damaligen Tageszeitungen ein herrliches Instrument gewesen sein. Nachdem die Orgel in den ersten Jahren des neuen Jahrhunderts nach 45-iährigem Gebrauch derart gelitten hatte, dass die damalige mechanische Traktur (d. h. Uebertragung der Taste zur Pfeife durch hölzerne Abstrakte) klapprig und ausgespielt, nicht mehr den Anforderungen gewachsen war, ging man 1908 an den Umbau der Orgel, der 8 000.— Mark kostete. Man erhöhte die Registerzahl von 37 auf 40, führte die pneumatische Tastenübertragung ein, gleichzeitig wurde der elektrische Antrieb eingebaut, sodass die bisher benötigten Bälgetreter überflüssig wurden. Beim Umbau wurden fast sämtliche Register der alten Orgel mitübernommen, sodass heute 40 Register mit über 2200 klingenden Pfeifen zur Verfügung stehen. Die Orgel der Hauptsynagoge ist nach dem 1860 vorherrschenden romantischen Klangempfinden gebaut. Man strebt heute wieder nach dem richtigen barocken Orgelklang des 16.- 17. Jahrhunderts, als die Orgelbaukunst auf höchster Blüte stand. Betrachten wir die Gesänge an den hohen Feiertagen: Am Versöhnungstag-Vorabend hören wir in der Hauptsynagoge das auf der ganzen Welt verbreitete „Kol Nidre" in der Lewandowskyschen Fassung und das wunderbare „Schema kaulenu" von Baruch Schon1, das in typisch ostjüdischem Chasonus gehalten ist. Wir besitzen gerade von Komponisten des Ostens Gesänge, die durch ihr frommes, textentsprechendes, oft an Fanatismus grenzendes Melos, immer wieder begeistern. Beim Einheben ertönt neben einem „Haschiwenu" von Schorr noch Sulzer (1804—90) iind der in keiner synagogalen Liturgie wegzudenkende Lewandowsky (1823—94). Aus der Fülle seiner Kompositionen erwähnen wir den Männerchor „Socharti loch", der stets besonders eindrucksvoll gesungen wird. Bekannt ist die ergreifende S e e 1 e n f e i e r unserer Synagoge. In ihr bietet sich ein reiches Betätigungsfeld für die solistiseh geschulten Kräfte des Chores. Hier kann auch der von jedem Chorleiter erstrebte acappella-Gesang zur Geltung kommen. Die Liturgie der Wallfahrtsfeste ist musikalisch weniger ergiebig. Erwähnt sei das „Hallel" von Halevy (dem Komponisten der Oper „Die Jüdin"). Das darauf folgende „Bc zes-Jisroel" versinnbildlicht die erstaunte Natur bei dem Auszug der Kinder Israels aus Aegypten und ist eine kompositorische Meisterarbeit Lewandowskys. Die eigentliche Aufgabe des Chores und der Orgel, den Gemeindegesang zu unterstützen, tritt z. B. bei der Thoravorlesung an Pessach und an S u k k o t h zu Tage: Der Chor EILEOR® Bonner ■ Brotrösier ■ Bügeleisen ■ Fön ■ Grill ■ Heizkissen ■ Herde Höhensonne, Original Hanau ■ Kaffee-Maschinen — Mühlen ■ Kochplatten Kocher ■ Kühlschränke ■ Staubsauger ■ Tauchsieder ■ Teemaschinen ■ Waschmaschinen ■Ventilatoren ■ Beleuchtungskörper jiw. Nähmaschinen ■ Adler ■ Phoenix ■ Singer ■ Veritas Schallplatten ■ Elektrola ■ Grammophon ■ Telefunken ■ Koffer-Apparate 9 Plattenspieler Radio-Apparate ■ Alle gangb. Fabrikate ■ Umtausch aller Geräte geg. Weltempfänger" Ständig Gelegenheitskäufe von 15 — an ■ Reparaturen erstklassig, schnell, billigst ■ Antennenbau a Dach-, Hochu abgeschirmte FOTO ■ Contax ■ Contaflex ■ Leica usw. Für Palästina ■ Haller-Petroleumherde — Oefen Rufen Sie mich bitte an, Ich komme su Ihnen ins Haus! Bockenheimerlandstr. 7t I Ruf 73831