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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1937-11-01 · 2 (11.1937) · p. Seite 2

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
16 (1937-1938)
Issue
2 (11.1937)
Date
1937-11-01
Page
Seite 2 (sequence 4)
Language
German
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Seite 2 JÜDISCHES GEMEINDEBLATT FÜR FRANKFURT No. 2 November 1937 [ Damenhüte Damenkleider Neuesie Modelle für Winter und Sport Umarbeitungen billigst SOFIE ROSSBACH frühet Leiterin bei Gers'el Kaiserstrasse 25 (Laden) 1 der Tag des Todes: der Tag, da er Tröstung findet: die Tiefe göttlichen Gerichtes; kein Mensch weiss, womit er wirklich seines Lebens Notdurft erringt: niemand weiss vorher, was für ein Kind den Mutterleib verlassen wird; niemand weiss, was der Andere in seinem Herzen an Gedanken wälzt; und verborgen ist, wann die letzte der widergöttliclien Mächte sinken wird." — Hier ist das Bibelwort nur der Ausgangspunkt zu einer Feststellung. Diese Feststellung umschreibt ewig gültige Tatsachen aller Zeiten in Vergangenheit und Zukunft, Gründe sind nicht angegeben, man mag selber nachsinnen und sie finden. Manches liegt auf der Hand. Wüsste man den Tag des Todes, wie käme man zur Lebensfreude? Oder man würde mit der Umkehr s'ich Zeit lassen. Wüsste man, wann der Trost käme, würde man die Hände in den Schoss legen, warten und nicht, sich aufraffend, selbst sich mühen. Wüsste man, womit man sein Brot findet, würde man alle andere Tätigkeit beiseite lasssen und nur einer Arbeit sich zuwenden. Wüsste man, wann die letzte der widergöttlichen Mächte fiele, man würde nicht selbst um das Gottesreich auf Erden sich mühen. Mag jeder dazu und zu den andern Aussprüchen sieh seinen Vers machen und einen Sinn ergründen. Wert und Recht des Fremden Es hcisst (1. M. 27,15) „Riwka nahm die köstlichen Kleider Esaus, ihres älteren Sohnes, die bei ihr im Hanse waren". Dazu bemerkt Rabbi Schimon ben Gamliel: „Mein Leben lang habe ich den Vater bedient und noch nicht den hundertsten Teil habe ich ihn so bedient wie Esau den Jizchak. Wenn ich ihn bediente, tat ich es in' dm, oft nicht sauberen, Werktagskleidern, und wenn ich ausging, nahm ich die besseren reinen Kleider. Aber wenn Esau dem Vater aufwartete, tat er es nur in seinem fürstlichen Gewand; nur dies, sprach er, ist der Ehre des Vaters gemäß" Dazu halte man die folgende Bemerkung. „Ein einziges Mal veranlasste Jaakow den Esau bitterlich aufzuschreien, denn so heißt es (V. 34): „Als Esau seines Vaters Worte hörte, schrie er in grossem und sehr bitterem Schreien auf"; es wurde ihm heimgezahlt an seinen Kachkommen, denn so heisst es (Esther 4,1) „Mordechai schrie auf in großem, bitterlichem Schreien"." — Beide Deutungen gehen in der gleichen Richtung, die erste will zur Anerkennung der Leistung des Fremden, des Feindes sogar, führen, dass man sich nicht hesser dünke als er, dass man wisse wie wertvoll er ist, auch wenn man ihn ablehnt. Die andere will sein Recht her vorstreichen und sagen, dass jedes Wehetun, jeder Schmerz, den man seiner Seele zufügt, an uns selbst oder unsern Nachkommen sich rächt; ein wichtiger Beitrag zu dem Kapitel „Israel und die Welt" und zur Darstellung jüdischer Ethik. Die Stimme Eine große Rolle spielt der Satz, den Jizchak sprach — man muss das ganze Kapitel gut wieder durchlesen — (V. 22) „die Stimme ist Jaakows Stimme". Man nimmt diesen Satz tiel'er als nur akustisch, daß ihm die Stimme des Eintretenden trotz seiner Behauptung, er sei Esau, wie die Jaakows erklang. Man findet Jizchaks Erkenntnis, dass es Jaakows Stimme sei, in der Form der Rede begründet. Jaakow sprach zart und höflieh (V. 19) „bitte, setze dich auf". Solche Art des Redens war er an Esau nicht gewöhnt. Tatsächlich, als dieser dann kam, sprach er (V. 31) „aufrichten soll sich der Vater". Und daran wird die Bemerkung geknüpft, „der Heilige, gelobt sei er, sprach zu Jaakow, in gleicher Ausdruckweise will ich dir vergelten (4. M. 10,35) „auf DU und Deine Feinde werden sich verstreuen; setze Dich DU inmitten der Zehntausende Israels". Der Heilige, gelobt sei er, sprach zu Esau, in gleicher Ausdrucksweise will ich dir heimzahlen (Ps. 68,2) „aufrichten soll sieh Gott, zerstieben werden seine Feinde". Der Sinn ist, an der Art der Rede, ob sie sanft oder herrisch ist; sind Charakter und Schicksale abzulesen. Aber das Wort wird noch tiefer erfasst. Die Stimme Jaakows! Welches ist seine wahre Stimme? „Es gab keine .grösseren Gelehrten in der Welt als Bileam ben Beor und Eunimos der Weber. All die Heiden kamen zu diesem und sprachen zu ihm: Sage uns, wie wir jenes Volk angreifen können. Er antwortete, geht herum in ihre Bethäuser und Lehrhäuser, und wenn ihr dort die Kinder mit ihrer Stimme zwitschern hört, könnt ihr es nicht angreifen, denn so hat es ihr Vater ihnen zugesichert, „die Stimme ist Jaakows Stimme", solange Jaakows Stimme in den Bat- und Lehrhäusern zu hören ist, ist es Jaakows Stimme, wenn nicht, sind Esaus Hände Sieger, und ihr könnt ihnen beikommen." Der Sinn ist klar und deutlich und mahnvoll in jeglicher Zeit und jeglichem Geschlecht. Sender und Empfänger Es heisst (V. 29) als Abschluß des — zunächst — erlisteten Segens „wer dir flucht, sei verflucht, wer dich segnet, sei gesegnet". Dieser Satz wird weit über seinen besonderen Zusammenhang als ein allgemein. gültiges Gesetz aller menschlichen Beziehungen gedeutet. „Ein Götzendiener begegnete dem Rabbi Jischmael und grüsste ihn segnend, Rabbi Jischmael dankte und sprach dabei: längst ist die dir gebührende Antwort erteilt. Dann traf ihn ein anderer Götzendiener, und dieser fluchte ihm. Auch für ihn hatte er die Erwiderung: längst ist die dir gebührende Antwort erteilt. Man fragte ihn, wieso hattest du für beide dasselbe Wort? Er erwiderte: so steht ja geschrieben, wer dich segnet, sei gesegnet, wer dir flucht, sei verflucht." — Der Sinn des Ganzen ist klar und eindeutig: im eigenen Verhalten zum Nächsten, zum Mitmenschen'ist Segen und Fluch angelegt, man ist selbst Schmied dessen, was man vom andern für sich erwarten darf. Haß und Liebe Das gleiche Wort ist Anlaß zu folgender Bemerkung. „Es heisst hier „wer dir flucht, sei verflucht, wer dich segnet, sei gesegnet", aber an anderer Stelle bei Bileam (4. M. 24,10) ist die Reihenfolge eine andere, da heisst es „wer dich segnet, sei gesegnet, wer dir flucht, sei verflucht". Wieso diese verschiedene Anordnung der Worte? Weil Bileam hasste, begann er mit dem Segen und schloß mit dem Fluch — denn auf diesen zielte er hin, er war ihm das Wichtige —, aber Jizchak sprach aus . Liebe, darum begann er mit dem Fluch und schloß mit dem Segen." — Will heissen, da, wo Liebe waltet, darf man, muß man sogar schelten und rügen und strafen, aber das Ziel muß bleiben, segnend die Herzen zu gewinnen. Musik in den Frankfurter Synagogen III. Die Häuplsynagoge von Fritz Manfred Kuttner Die erste in der Judengasse, dem heutigen Grossen Wollgraben, erbaute Synagoge brannte 1711 völlig nieder. Man baute im selben Jahre eine neue Synagoge, die 1854 abgerissen wurde. Sechs Jahre später, 1860, wurde die jetzige Hauptsynagoge die dritte Synagoge auf diesem Platze, eingeweiht. Bei dieser Feierlichkeit wurde zum ersten Mal in unserer Synagoge mu- «i7.ip.rt. VersichepungensindVer4rouenssache! HANS GRÜNEBAUM . - VERSICHERUNGEN ALLER AßT HOHENZOLLERN-STRASSE12 TEL.34138u703f Die „Didaskalia" (Blätter für- Geist, Gemüth und Publizität) berichten am 15. 3. 1860: „Dem Orgelspiel nach dem Einweihungsgebet folgte nun die von Hrn. Jacob Rosenhain in Paris componierte Cantate, ein weihevolles, schwunghaftes und in edelsten religiösen Solos und theils vollstimmigen, theils Männer-, Frauen- und Kinder-Chören und in seiner einfach wirkungsre.iehen Instrumentation durch Posaune, Pauke, Trompete, Flöte, Harfe und Cymbel einen erhebenden Eindruck und feierliche Stimmung bei allen Anwesenden hervorbrachte. Nach der Predigt des Herrn Rabbiner Leopold Stein", so berichtet das Blatt weiter, „ward nun noch ein vollständiger, halb deutscher, halb hebräischer Sabbath-Vorabend-Gottesdienst nach dem nunmehr modificierten und den Bedürfnissen einer fortgeschrittenen Zeit rechnungtragendem Ritus abgehalten."

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