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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1937-11-01 · 2 (11.1937) · page 3

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
16 (1937-1938)
Issue
2 (11.1937)
Date
1937-11-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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JÜDISCHES GEMEINDEBLATT FÜR FRANKFURT Mahnruf der Jüdischen Winterhilfe! Unsere Aufforderang vom 6. Oktober 1937 hat bisher nicht das erwartete Ergebnis gehabt. Viele Mitglieder unserer Gemeinschaft haben ihre Verpflichtungserklärung für die Jüdische Winterhilfe 1937138 noch nicht abgegeben. An sie ergeht deshalb hierdurch die öffentliche Aufforderung nunmehr unverzüglich ihre Verpflichtung gegenüber der jüdischen Allgemeinheit durch Abgabe ihrer Beitragserklärung für die Jüdische Winterhilfe zu erfüllen. JbEDISCHE WINTERHILFE 1937\38 Felix M. Warburg gestorben New York, 20. Oktober. Felix M. Warburg ist am Mittwoch, den 20. Oktober nachmittags plötzlich gestorben. Die erschütternde Nachricht vom Ableben des grossen Philanthropen hat sich in Amerika mit grösster Schnelligkeit verbreitet und insbesondere die jüdische Bevölkerung, die in dem Dahingeschiedenen den Organisator des bedeutendsten jüdischen Hilfswerks der neueren Zeit, des Joint Distribution Committee, und den grosszügigen Förderer' aller gesamtjüdischen Aufgaben verehrte, in Trauer versetzt. Die Reiclisvertretung zum Tod von Felix M. Warburg In Felix M. Warburg verliert die amerikanische Judenheit ihre repräsentativste Persönlichkeit, den Nachfolger von Louis Marshai. Es ist ein Tragisches, dass beide Männer in einer entscheidenden Zeit den Juden ihrer Heimat und damit uns allen genommen worden sind. Die Stellung, die den Juden Amerikas in der jüdischen Gesamtheit zugewiesen ist, stellt ihre leitenden Persönlichkeiten vornan in unserm grossen Ganzen. Wie Louis Marshai gehörte Felix M. Warburg in seiner Stellung zumal an der Spitze des American Joint Distribution Committee wie in der Jewish Agency uns allen, den Juden überall in der Welt. Wir Juden in Deutschland erleiden den besonderen schweren Verlust. In Tagen unserer Not wussten wir, dass wir auf ihn rechnen durften, und er hat uns nie enttäuscht. Sein Rat, seine Hilfe und seine Bereitschaft standen immer bei uns. Er hat für uns in Stunden, in denen wir seiner bedurften, eine Gewissheit bedeutet, und er wird uns in so mancher Stunde fehlen. Unsere tiefe Dankbarkeit wird das Andenken an ihn alle Zeit treu bewahren. Die Reichsvertretung der Juden in Deutschland Baeck , - Hirsch Das Schriftwort In Jizchaks Haus von Max Dienemann Innerlich mit einander verknüpft sind die Erzählung von dem' Erwerb der Erstgeburt durch Jaakow aus den Händen Esaus und dem Empfang des Segens. Beide 'enthalten Elemente, die dem geraden Sinn unerfreulich scheinen. Darum bemüht sich schon die älteste Deutung, das scheinbar Anstössige durch eine Wendung ins Sittliche zu rechtfertigen. Zugleich aber bieten darüber hinaus die Einzelheiten der Erzählungen Änlass zu mannigfachen, mitunter abschweifenden Deutungen. Der Sinn des Erstgeburtsrechtes „Was veranlasste unsern Vater Jaakow, sein Begehren auf das Erstgeburtsrecht zu richten? Wir haben gelernt: solange noch kein Heiligtum errichtet -war, durfte man auf jeder Höhe opfern und der Dienst oblag den Erstgeborenen, nach der Errichtung des Heiligtums wurde das Opfern auf den Höhen verboten, und der Dienst ging auf die Priester über. Jaakow nun dachte: Soll dieser Bösewicht Opferdienst priesterlich versehen? Darum richtete er sein Begehren auf das Erstgeburtsreeht." — Es wird also. Jaakows Tat innerlich damit begründet, dass Esau zum priesterlichen Dienst nicht taugte* er ihn ja selbst auch verachtete, und dass also das Amt an den Berufenen kam. Vor allem aber wird damit klar gelegt, daß Erstgeburt kein R e c ht, sondern eine Pflicht im Gefolge hatte, und dass also mit ihrem Erwerb nicht Rechte, sondern Last verknüpft war. Ein dunkles Wort In der Rede Jaakows an Esau ist ein scheinbar überflüssiges Wort. Er sagt (1. M. 25,31): „Gib mir preis deine Erstgeburt kajom". Man übersetzt dieses „kajom" in der Regel mit „zuvor". Es heisst „wie der Tag", und eigentlich ist der Sinn „übertrage mir dein Amt so klar, wie der Tag klar ist". Aber der Midrasch nimmt dieses „kajom" noch wörtlicher. „Jaakow sagte zu Esau, gib mir einen Tag von dir. Rabbi Acha sagte, wer die Tage der Verbannung richtig zu berechnen versteht, wird finden, dass einen einzigen Tag Jaakow in Ruhe unter dem Schatten Esaus weilte." — Hier gibt das dunkle Wort dem Ausleger die Gelegenheit, in der Schrift den Hinweis darauf zu finden, dass die Zeiträume, in denen Israels Leben unter anderen Völkern und in deren friedlichem Schutz sieh abspielte, immer nur sehr, sehr kurz waren. Er will den Grund dafür darin finden, dass Jaakow selbst bei seinem Vorschlag, ihm die Erstgeburtspflicht zu übertragen, nur einen Tag von Esau begehrte. Und es wird mit einer gewissen bittern Wehmut vorausgesetzt, dass Ruhe und Behagen innerlich garnicht zu Jaakow und seinem Amt und seiner Art passen. Wovon Jizchaks Auge erlosch Die Erzählung vom Kampf um den Segen beginnt mit den Worten (1. M. 27,1): „Als Jizchak alt geworden war, erloschen seine Augen, so dass er nicht mehr sehen konnte". Im einfachen Verständnis des Wortes besagt das, daß im Alter sein Augenlicht abnahm. Das aber genügt der alten Deutung nicht, zumal das hebräische Wort für den letzten Satzteil „mereot" auch heißen kann: „vom Sehen". Von welchem Schauen ward er blind? „Als Abraham, unser Vater, seinen Sohn auf den Altar band, weinten die Engel des Dienstes, das ist's, was geschrieben steht (Jesehaj. 33,7) „s'ehe die Engel schrien draussen", und ihre Thränen flössen von ihren Augen in seine und ihre Spur blieb in ihnen, und davon erloschen seine Augen, als er alt wurde. Eine andere Erklärung: vom Sehen, d. h. von jenem Schauen; als Abraham, unser Vater, seinen Sohn Jizchak auf den Altar band, hob dieser seine Augen auf und schaute die Gegenwart Gottes. Das ist, wie wenn ein König vor seinem Palast spazieren geht, da sieht er, wie seines Freundes Sohn durchs Fenster auf ihn schaut, er denkt sich, bestrafe ich ihn sofort, kränke ich meinen Feund, ich will lieber anordnen, daß die Fenster geschlossen werden. So sprach auch der Heilige, gelobt sei er, wenn ich ihn sofort jetzt strafe — denn es heisst ja (2. M. 33,20) „nicht kann mich schauen der Mensch und leben"—, betrübe ich meinen Freund Abraham, ich will bestimmen, dass einmal seine Augen erlöschen sollen." — Beide Deutungen laufen, wenn auch mit verschiedenen Nüancen, auf dasselbe hinaus, nämlich, dass die Erinnerung an Schrecken, die man erlebt, an Blendung, die man erfuhr, unauslöschlich haften bleiben und auch in späterer Lebensfreude immer wieder auftauchen und den frohen Sinn umdüstern. So hat Israel auch in allen seinen guten Zeiten nie aufhören können, an alle trüben Erlebnisse zu denken, und sogar das Bewusstsein, daß himmlische Welten um es trauerten, blieb als Trauer in seiner Seele haften. Das Verborgene Es heißt, Jizchak sprach (27,2): „Siehe, ich bin alt, ich kenne nicht den Tag meines Todes". Kennt ihn je ein Mensch? „Also ward gelernt: Sieben Dinge bleiben dem Menschen verborgen;

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