Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 16 (1937-1938)
- Issue
- 1 (10.1937)
- Date
- 1937-10-01
- Page
- Seite 3 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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No;:i Oktober 1937 JÜDISCHES GEMEINDEBLATT FÜR FRANKFURT Seite 3 ' Die "0 r"gel, dieses 'herrlichste; aller "Instrumente;" kommt' innerhalb der Synagoge nicht zu voller Entfaltung. Im Gegensatz-zur Kirche^ Weiht -ihr-solistisches Auftreten auf. ein luirzes ' Präludium -und. Postludium beschränkt. Das kunstvolle, kontrapunktische'"Gewe~be der Fuge, dieser ureigensten Schöpfung für die Orgel, findet auch im modernen Ritus keinen Platz. Vielleicht mag' darin einer der . Gründe gesehen werden, daß . wir kaum eine nennenswerte Orgelschöpfung dieser Art von einem der großen Synagogenmusiker besitzen. Einiger fugen- . artiger Bearbeitungen altjüdischer Weisen, die .zuweilen auch in unserem Gotteshaus erklingen, sei gerne gedacht. Trotzem bleibt der- Orgel mit ihren vielfarbigen Registern außer der schon erwähnten Aufgabe als Begleitinstrument ein reiches Betätigungsfeld, , ,. ' Die Liturgie des Gottesdienstes stellt dem. gemischten Chor,.der sich. aus. gesanglich geschulten Kräften zusammensetzt, eine dankbare Aufgabe. Bei hebräischen und deutschen Chorkompositionen, älterer, und 'neuerer\ Synagogenmusiker sind Rossi, Naumbourg, Sulzer, Lewandowsky, Japhet, Rospwsky, Almann, Kirchner, Schallt „und andere vertreten. Sajomone de Rossi, jener am Hofe zu Mantua wirkende Musiker, war wohl der erste große Organisator eines geregelten Chorgesanges. Sein im Jahre 1620 erschienenes Gesamtwerk Haschirjm ascher lischlomo enthält wertvolle Stücke für den Gottesdienst. Die in unserer Synagoge gesungenen Werke' wie Psalm 82, Psalm 127 und eine Keduscho, im Palestrinastil gehalten, zeichnen'sich durch Schlichtheit lind Wärme aus. Von Schalit, dem Organisten der Hauptgemeinde in Rom, besitzt die Westendsynagoge einige aus tiefer Frömmigkeit strömende und musikalisch -vorzüglich gearbeitete Gesänge für den Freitagabend-Gottesdienst. Sie bilden den ersten erfolgreichen Versuch, auf dem Boden des hebräisch-orientalischen Kultgesanges, der durch die. neuzeitlichen, musikwissenschaftlichen. Forschungen eines Idelsohns starke Anregung empfangen-hat, einen „einheitlicheren Stil für die Synagogenmusik, zu., schaffen., Die Verquickung älter. Weisen, mit volksliedartigen Chorges'ängen des letzten. Jahrhunderts ist dabei grundsätzlich vermieden. Die Schalitscheh. Gesänge bilden heule eine wohltuende Abwechslung-zu vielen im Liedertafelstil steckengebliebenen Gesangs werken. Trotzdem, haben sie Mühe, sich gegen die gewohnte Geschmackseinstellung zu behaupten. Sie stellen auch Chor, Vorbeter und Orgel vor neue Aufgaben. Der schon erwähnte Kantor Hehle ist mit ~ einigen wirkungsvollen mehrstimmigen Kompositionen vertreten. Von Naumbourg, der insofern unter den Synagogehmusikern eine besondere Stellung einnimmt, als er der alten Institution der Meschorerim zu einer Wiedergeburt verhalf, besitzt unsere Synagoge ein ..altjüdisches Tal-Gebet. Der Gesang des Vorbeters "bildet bei dieser Art der Mehrstimmigkeit die Mittelstimme zu einer begleitenden Sopran- und Baßstimme. Durch besondere Predigtlieder ist auch der Pflege der allgemein geistlichen Musik Raum gegeben. Es muß erwähnt werden, daß durch denGebrauch der beiden Gebetsprachen wie durch den noch stärker empfundenen Wechsel der musikalischen Stilarten eineeinheitliche musikalische Liturgie "kaum möglich ist.. Bei der erfreulicherweise erstarkenden Religiosität wird vielleicht der Tag nicht fern sein, an.dem uns ein Mann ersteht, der in glücklicher Verbindung wahrer jüdischer Frömmigkeit und genialer Musikalität uns das schenken wird, was wir alle ersehnen: einen den Lehren der jüdischen Religion lind ihrem, tiefen Gehalt ebenbürtige Verherrlichung Gottes durch die Musik. ,Eine besonders.wertvolle Einrichtung besitzt unsere Synagoge an .-ihrem Ju g endchor. Er - verdankt seine :Entstehung . der: tatkräftigen Förderung durch die Herren Rabbiner Dr. Seligmann und Dr. Salzberger und der hingebungsvollen Mitarbeit des leider zu früh verstorbenen Vorstandes der Westendsynagoge, Herrn Jacques Sterh-Bing.; Die etwa 60 .musikalisch befähigten und: singfreudigen Mitglieder bestreiten schon .seit mehreren Jahren den musikalischen Teil des Jugendgottesdienstes und das "Mincha-Gebet vom Versöhnungstage. In den allwöchentlich am Freitag vor dem Gottesdienst stattfindenden Proben werden die bekanntesten Synagogenweisen geübt. Hier ist die Plättform gegeben,: von wo aus .. auch einmal die Erwachsenen zu einer stärkeren gesanglichen Teilnahme-..am . Gottesdienst angeregt Averden. Darüber , hinaus findet sich auch Gelegenheit zur-Pflege der..'Gesänge'des jüdischen Hauses, der jüdisch-nationalen wie der. geselligen Musik. .,- Es war eine dankbare Anregung des ehemaligen Vorstandes der •,Westendsynagoge, Herrn August Landsberg, einmal. im Jahr, in der Synagoge eine Musikalische W ei hestunde stattfinden zu. lassen. Ihr Zweck bestand neben der künstlerischen Aufgabe darin, die Gemeinde . für die synagogale Musik zu - in- Jüdischc Winterhilfe t937/38. Die" Entgegennahme der Anträge im Konigswarterhaus - - Quinckestraße. 26, erfolgt in nachstehender Reihenfolge:..... Freitag, den 24. 9.: 9—11 Uhr A, B, C, 11—1 Uhr D, E; Mittwoch, den 29. 9.: 9—11 Uhr F, G, 3—4.30 Uhr H; Donnerstag, den 30. 9.: 9—11 Uhr I, J, K, L, 3—4.30 M; Montag, den 4. 10: 9—11 Uhr N, O, P, Q, R, 3—4.30 Uhr S; Dienstag; 5.10.: 9—11 Uhr Sch, St, 3—4.30 Uhr T, U, V, W, X, Y, Z. Außerhalb dieser Zeit werden Anträge nicht entgegengenommen. Mitzubringen sind: Stempelkarten, Renten- und Hauszinssteuerbeseheide, Mietbücher, Verdienstbescheinigungen aller Familienangehörigen, Provisionsabrechnungen, Geschäftsbücher, Steuerhefte. Frankfurt a. M., im September 1937. Jüdische Winterhilfe 1937/38. teressieren. Die erste Veranstaltung dieser Art im Jahre 1922 gab in ihrem Programm einen Ueberblick über die Entwicklung dieser Musik. Manche wertvolle traditionelle Weise, die die Liturgie, der Synagoge nicht zuläßt, kam auf diesem Weg zu ihrer vollen Würdigung. Neue sehr beachtenswerte Werke, wie große Teile des Oratoriums „Mose" von der bekannten einheimischen Komponistin, Rosy G eiger-Kullmann, fanden ihre Uraufführung, desgleichen — kurz nach seinem Tode — die einzige geistliche, letzte Schöpfung von Bernhard Sekles, Psalm 137. Auf Heinrich Schalit. und sein künstlerisches Schaffen machte schon frühzeitig die Erstaufführung eines Jugendwerkes „In Ewigkeit" von Jehuda Halevy in der Uebersetzung von Rosenzweig aufmerksam. Von Herbert Fromm hörte man zum ersten Male „Das Glaubensbekenntnis" nach Maimonides. Mit einem Chorwerk von Arno N a d e 1 wurde auf die Eigenart, dieses Musikers hingewiesen. Max Wolf, ein nennenswerter Frankfurter Komponist, schenkte der Synagoge eine Vertonung des. Schlußgesanges Ma jokor. Vom Organisten der Synagoge, Siegfried Würzburger, wurden einisre ansprechende Orgelstücke geschaffen und gespielt, und endlich kamen auch mehrere. Synagogengesänge des Dirigenten, wie Ma tauwu, eine deutsche Keduscho. und altehrwürdige Sabbatlieder zum öffentlichen Vortrag. Mit den Oberkantoren der Synagoge, dem unvergessenen Herrn S. Scheuermann, und Herrn N. Naumow- Fleischmann, haben namhafte Sänger und Instrumentalisten im Wetteifer mit den beiden Chören der Synagoge zum guten Gelingen der Werke beigetragen. Der starke Besuch bekundete, daß weite Kreise der Gemeinde an diesen Weihestunden lebhaften Anteil nahmen. Möge diese Einrichtung unserer Gemeinde auch weiterhin ein Ansporn zur Bereicherung und Vertiefung unserer Synagogenmusik bleiben. Jüdische Schüler und Schülerinnen auf höheren Schulen der Provinz Hessen-Nassau (1936) Vrn Dr. Hennann. Weil, Frankfurt a. M. In Fortführung meiner statistischen Arbeiten über das Jüdische Schulwesen in Deutsehland (vergl. Frankfurter Israelitisches Gemeindeblatt vom November 1936) sollen im Folgenden die vor kurzem im „Wegweiser durch das höhere Schulwesen des Deutschen Reiches" erschienenen Angaben für das Schuljahr 1936 auszugsweise wiedergegeben und mit den Ergebnissen meiner letzten Untersuchung, die die- Ergebnisse für 1935 brachte, verglichen werden. A. Tabelle 1 Jüdische Schüler und Schülerinnen auf berechtigten höheren Schalen der Provinz Hessen-Nassau 1. Oeffentliche höhere Schulen a) ^Knabenanstalten Gesamtzahl 17 401 darunter 692 Juden b) Mädchenanstalten Gesamtzahl 5 800 darunter 521 Juden Summe a) und b) Gesamtzahl 23201 darunter 1213 Juden 2. Private höhere Schulen a) Knabenanstalten ' : Gesamtzahl 429 darunter 6 Juden b) Mädchenanstalten - v \ Gesamtzahl 2270 darunter, 31 Jodfrri Summe .und b) . Gesamtzahl - 2 699v darunter- .- 3tf Juden-