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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1937-10-01 · 1 (10.1937) · p. Seite 2

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
16 (1937-1938)
Issue
1 (10.1937)
Date
1937-10-01
Page
Seite 2 (sequence 4)
Language
German
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Seite 2 JÜDISCHES GEMEINDEBLATT FÜR FRANKFURT No. 1 Oktober 1937 ist gedichtet, um diesen Gedanken zum Ausdruck, zu bringen, daß r alle Bewährung darin besteht daß man dem Hilfsbedürftigen ' zur Seite steht und mit jedem Geschöpf Erbarmen hat. Und vor dieser Pflicht, so schildert es die Legende, tritt das eigene Bedürfnis nach Behagen und Buhe völlig zurück. Daran knüpft auch die Deutung an, die dem Vers 8,1 „Gott gedachte des Noachs" gegeben wird. „Was gedachte er ihm? Daß er durch die ganzen zwölf Monate die Geschöpfe Gottes mit Nahrung vorsorgte." Die geprellte Lüge An Noaeh war die Aufforderung ergangen, daß er von'allem, was lebt, je ein Paar in die Arche bineinnehmen sollte.-.„Da «kamen sie alle," erzählt Rabbi Levi, „ein jedes mit seinem Gefährten. Kam auch die Lüge und wollte hinein. Da sprach Noach zu ihr, du kannst nur hinein, wenn du dir einen Gefährten gewinnst. So ging die Lüge, einen Gefährten zu suchen, und traf auf den Fluch. Ihm erzählte sie, ich komme von Noaeli, ich wollte in seine Arche, aber er läßt mich nicht ein, wenn ich nicht einen Gefährten habe, willst du mir Gefährte sein? Er antwortete:' und was. gibst du mir dafür? Sie erwiderte, ich" mache mit dir aus: was ich sammle, nimmst du. Er willigte ein, und sie gingen' zusammen hinein. Als sie aus der Arche hinausgingen, packte der Fluch alles, was die Lüge sich errang.. Nun kam die Lüge und fragte, wo ist all das, was ich gesammelt? Er antwortete-: haben wir nicht verabredet, daß ich alles einstecke, was du sammelst? Nichts konnte die Lüge erwidern." — Zweierlei leuchtet aus der Legende hervor; das eine/ daß Lüge und Fluch zu den Dingen gehören, die höchst lebendig sind, so' lebendig, daß sie sogar die Flut überlebten; und das andere, daß-die Lüge am Ende nie etwas behält von dem, was sie sich — scheinbar auf die. Dauer — erwirbt. Die Trunkenheit Satans Werk . Man kennt die biblische Erzählung (1. M. 9,20 ff.), daß Noach,' als er die Arche verließ, einen Weinberg pflanzte und sich entsetzlieh berauschte. Dazu folgende Legende: „Als Noach einen Weinberg pflanzte, kam der Satan und stellte sich neben ihn. Er fragte ihn, was pflanzest du? Er erwiderte: einen Weinberg. Darauf der Satan: und was ist dessen Art? Noach darauf: süß sind dessen Früchte, sowohl frisch als auch getrocknet, und man macht daraus ein Getränk, das die Hirzen froh macht, wiees ';: beißt (Psl. 104,15) „der Wein macht froh des Menschen Herz". Sprach der Satan, wir wollen uns zu dem Werk des Weinbergs verbünden. Gut, sagte Noah. Was tat nun der Satnn? Er brachte ein Lamm, tötete es. unter dem Weinstöck, dann einen Löwen und tötete ihn, dann brachte er ein Schwein,: schlachtete es und-schließlich einen Affen, den erauch tötete.; ihrer aller Blut, ließ' er in. den:- Weinberg rinnen, und tränkte ihn damit' Daher: bevor der Mensch Wein trinkt, ist er sanft wie ein Lamm,, das von nichts weiß, und stumm ist wie ein Schaf vor dem Scherer. Hat er mit Maß getrunken, fühlt er sieh starkwie ein-Löwe und denkt seinesgleichen gibt es nicht auf der ganzen Welt Hat er über Gebühr getrunken, wird er ein Schwein, beschmutzt, sich mit seinem Harn und noch. Schlimmerem-, berauscht er sich völlig, wird. er . zum Affen, springt und .tanzt und führt vor allen unflätige Reden und weiß nicht, was er tut. All das nun geschah mit Noach. Und wenn-es Noach, dem Bewährten, dessen. Ruhm der Heilige, gelobt sei er, selbst kündete, so erging, wie erst anderen Menschen!" — Die Legende spricht fürsich selbst, bedarf keiner. Erklärung. _^ Die . sieben Gebote für alle Völker der Welt Die Söhne Noachs waren die, Stammväter der neu erwächsenden Menschheit. Von ihnen, leitet Kap. 10 in der sogenanteh Völkertafel die Völker der Erde ab. Alle Menschen sind also',. „Söhne Noachs" und als solche unter der Verheißung Gottes undin der Verpflichtung gegen ihn. „Söhne Noachs" ist darum der jüdische Ausdruck für alle Menschen, die-nicht gleich Israel, unter besonderem Gebote stehen, .und die jüdische Sittenlehre liat eine Anzahl von Verpflichtungen als.die „Gebote-für die Söhne " Noachs" bezeichnet und sie zur Pflicht .für jedermann gemacht. Es sind sieben und zwar die folgenden.;.} 1) daß man!nicht Götzen anbete, 2) daß man nicht Unzucht-treibe, 3) daß man kein Blut vergieße, .4) daß. man Gott .picht' lästere, 5) daß'man-eine geordnete Gerichtsbarkeit ,und Rechtspflege einrichte, 6) daß man sich von Raub fernhalte, und 7) daß man kein" Fleisch genieße, das einem rioeh lebenden Tier entnommen ist: : - . In diesen Geboten wird die, sittliche Einheit der. Menschen vollzogen, der Begriff der durch Verpflichtungen" geeinten Menschheit begründet und die Eigenschaft des Frommen jedermann aus der Welt zuerkannt der sie, treu hält; und zugleich' wird der, der sie mit Füßen tritt, als außerhalb der Urverpflieh- . tung der Menschen sich stellend bezeichnet. In ihnen wird die sittliche Weltweite der jüdischen Lehre offenbar. Musik in den Frankfurter Synagogen II. Westendsynagocje, Freiherr vom Sfeinstrasse . " *Voh Stüdienrat Frank Rothschild Die Errichtung der neuen Westendsynagoge im Jahre 1910 stellte unter anderem'die Aufgabe, einem nicht geringen Teil der Gemeindemitglieder, dem die alte Gebetssprache wie der Ritus des Gottesdienstes fremd geworden war, einen Weg" zu verständnisvollem Beten zu weisen. Die Struktur;'des für das neue Gotteshaus von Rabbiner Dr. Seligmann entworfenen Gebetbuches weicht zü diesem Zweck von der 4er alten: Synagoge' ab. Die Gebetordnung hält sieh zwar im Wesentlichen an die Tradition, die wichtigsten Gebetstücke erscheinen-in ihrer ursprünglichen Fassung, für andere tritt in Prosa oder gebundener Form die deutsche( Sprache ein. Damit ändert sich auch die musikalische Liturgie des Gottesdienstes. Sie läßt nur eine beschränkte Pflege der t r a d i t i "o n e 11 e n M ü s i k' zu und muß auf wertvolle alte Weisen, wie z. B. die der Maärowaüs und Jauz- raus oder der Seiichaus, teilweise verzichten. " ' Mit umso größerer Liebe nimmt sich diei "Musik der "Synagoge" der dem Gebetbuch erhalten gebliebenen traditionellen Teile an; Sie bilden auch heute noch" den musikalisch wertvollsten Be-" standteil-unserer Synagogenmusik. In ihrer reinen Erhaltung und stilvollen Widergabe Bieht sie eine ihrer:; vornehmsten Auf gaben. Der a-cappella Solo- und Chorgesang bestreitet nicht selten die: sen Teil *des Gottesdienstes. Von der Orgel; die erstim vergangenen Jährhundert in der Synagoge Eingang fand, wird dabei nur in angemessener Weise Gebrauch; gemacht. Die Einstimmigkeit-wird den verschiedenartigsten; mehrstimmigen Bearbeitung gen vorgezogen, -schon um eine größere Beteiligung der- Gemeinde bei diesen Gesängen zu ermöglichen; So bietet die Liturgie des: Versöhnuhgstages mit ihrer reichen Auslese alter Gebetstücke in der Ursprache' für die Pflege traditioneller Musik gute Ge- .■ Ein gesanglich wöhlgebildeter Kantor, die" * Gemeinde, : die Orgel und ein künstlerisch geschulter' Chor" sind die':müsikalischen Träger des Gottesdienstes. Der'K ant o r-bleibt bei weitem der wichtigste dieser Faktoren. Ihm obliegen'..die :Gebete an vornehmster Stelle :wie rdie, Thoravorlesung,- der wohl älteste Bestandteil der musikalischen- Liturgie, die; Rezitation _ des Seh' mone esre, Kiddusch,.Keduschö usw. Der Vortrag alter Rezitative und -arienartiger hebräischer und ^deutscher . Gesänge stellen-an seine Leistung als-Vorbeter und Sänger hohe< Anforderungen. EY muß zudem .'befähigt sein,: - die .verschiedenenStilarten zu erkennen und bei der Interpretation ihrerr Eigenart:1 Rechnung zu tragen. Aber auch die Betenden sollen sich. gesanglieh am Gottesdienst beteiligen, ihre Aktivierung . ist. mindestensso wichtig wie die Mitwirkung des Chors. Das Gebetbuch scheidet seharf zwischen Chor- und- Gemeindegesang. -Das Gebiet des letzteren ist der einstimmige Gesang. Die Orgel ist das berufene. Instrument, hierzu anzuregen- und; die. Führung zu übernehmen. Es ist vorwiegend die Lewandowskysche; Liturgie, die hier Verwendung-findet Mit ihren alten und von ihrem Verfasser zum Teil selbst: geschaffenen Melodien ist sie; gewissermaßen traditioneller Bestandteil aller Synagogenmusik-geworden. Es ■ bleibt - zu -wünschen, daß diese Gesänge, die allen Gottesdienstbesuchern wohl bekannt sind, unter stärkster Beteiligung .gesungen und so zu" einem wirklichen G e m ein d eg:e;San g werden.-Unter den. einstimmigendeutschen. Gesängen finden - sich insbesondere an den hohen Feiertagen mehrere choralartige Weisen , von dem verstorbenen-Kantor: Henle. am Tempel zu Hamburg, der in. seiner Gemeinde einen unserer Liturgie ähnlichen Gottesdienst: aufbauen half. Form und-Gehalt dieser Gesänge wirken in. unserem Gotteshaus1 fremdartig und finden wenig Widerhall... -

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