Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 15 (1936-1937)
- Issue
- 11 (8.1937)
- Date
- 1937-08-01
- Page
- Seite 22 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 11 August 1937 JÜDISCHES GEMEINDEBLATT FÜR FRANKFURT Seite 22 Gefahr abzublättern; sie sollte gesichert werden. Darüber eine andere Inschrift in gleichem Material erinnert an die Eenovation 1845. An der Innenseite der nördl. Hofmauer ein Sandsteinstreifen mit einer Krone und den Worten Kesser Thauro, wahrscheinlich aus dem ältesten Betlokal vor 1608. Im Gebäude eine kleine Lernstube für die Kabronim-Chewra, deren altes 1632 angelegtes Tagebuch, ebenso wie das 1601 begonnene Memorbuch verloren gegangen ist. Hier befindet sich eine Anzahl schöner alter Vorhänge und der Silberschatz der Gemeinde in antikem Eisenkasten. — Das Gemeindehaus, Nürnbergerstr. 3, vornehmes Geschlechterhaus des frühen 18. Jahrhunderts, enthält einen Festsaal, der mehr als 100 Personen fasst, das Gemeindesekretariat, die bisherigen Räume der Religionsschule. Sie sollen nunmehr der jüdischen Volksschule dienen. Im Erdgeschoß wohnt der Lehrer i. R. Jos. Sulzbaeher, der bereitwillig Auskunft gibt — Der Friedhof von 1608, mehrfach vergrössert, zwischen Jahnstr. und Mühltorweg. — Von allgemeinem Interesse: Das altstädtische Rathaus, jetzt Museum. Die alte Zeichena-kademie, Gärtnerstrasse 37,wo Moritz Oppenheim („Bilder a. d. jüd. Familienleben"), ein Hanauer Kind, studierte. Das Geburtshaus der Brüder Jak., Wilh. und Ludw. Emil Grimm, Südseite des Paradeplatzes. Das durch Jahrhunderte berühmte „Hotel zum Riesen", wo 1812 Napoleon auf der Flucht aus Russland wohnte. — Die niederländischwallonische Doppelkirche mit Graf Phil.-LudwigrDenkmal.—Das Stadtschloss. Schloss und Park Philippsruh am Main. Von hier schnurgerade Allee nach Wilhelmsbad, Erholungsstätte hohen ästhetischen Ranges. (Die 1709 entdeckte Stahlquelle ist versiegt). Römerkastell bei Kesselstadt. Ausflüge: In die westl. Wetterau, die Rhön, den Spessart. Das fruchtbare Kinzigtal aufwärts, zur Rechten fast immer prächtig gepflegten Wald, der gemächlich auf die breit hingelagerten Vorhügel des Spessart steigt, kommen wir in IY2 Std. nach Niederrodenbach, Dorf von 1900 Einw. und einigen Juden, die zur Gemeinde Rückingen gehören; noch 2 3/4 Std. bis Meerholz mit kleiner Gemeinde und insgesamt 5V2 Std. nach Gelnhausen. 5000 E. Schon 1060 erwähnt, 1170 Reichsstadt mit grossartigster Kaiserburg Barbarossas. 1232 wird es Münzstätte, 1349 von Karl IV. verpfändet, kommt an die Pfalz und Hanau zugleich, wird durch ewigen Streit der Herren, dann durch den 30jähr. Krieg schwer geschädigt. 1736 zerstört ein Rathausbrand die wichtigsten Urkunden. Erst seit 1866 allmählicher Aufstieg. Doch noch heute hat die Stadt kaum zwei Drittel ihrer einstigen Grösse. Gelnhausen ist Geburtsort von Grimmelshausen und von Phil. Reis, dem Erfinder des Telefons; Schauplatz des Märchens „Gockel Hinkel und Gackeleia" von Clemens Brentano. Vom Mittelalter her findet sich hier sogar eine Spur der Kernpersönlichkeit der Faustsage. — Jedenfalls schon kurz nach 11-70 wohnen Juden in G. 1265 werden sie in den Landfrieden der wetterauischen Städte mit dem Erzbischof von Mainz, den Grafen von Hanau u. a. ausdrücklich eingeschlossen, aber 1286 und 1290 von Rudolf von Habsburg an Ulrich von Hanau verkauft. 1347 „auf unserer lieben Frauen Abend" verpfändet Ludwig der Bayer „seine lieben Kammerknechte" aufs neue an Isenburg. Sie machen Geldgeschäfte und treiben Pferdehandel. 1349 werden sie verbrannt und auf dem Wasen begraben, und Karl IV. erläßt den Bürgern alle Schulden, die sie bei den Juden hatten. Aber da die Juden den Bürgern wie den Grafen und Herren der Wetterau unentbehrlich sind, werden sie bald wieder gerufen; spätestens 1379 sind sie wieder da: Isaak, Liephün (Levin?) Samson Seligkeit, Seligmann. 1495 nimmt „Mordacheus v. Geylnhußen" an der schon erwähnten Hochzeit zu Münster a. St. teil. Als 1516 in Frankfurt über die völlige Vertreibung der Juden beraten wird, erklärt der Stadtsehreiber von G., die Stadt könne nicht zusagen, weil sie sich ohne die Juden nicht helfen könne. Dennoch werden die Juden mehrfach ausgewiesen oder durch Ausweisung vermindert, aber immer wieder aus Kreditbedürfnis zurückgerufen oder aufgenommen; 1576, 1613, 1614. 1656 entschuldigt der Rat der Stadt seine mangelhafte Ausführung früherer Ausweisungsbeschlüsse 1.) mit den schweren Zeiten, in denen man doch die Juden brauchte, 2.) damit, daß diese der Stadt bei Beschaffung der zahlreichen Kontributionen (im 30jährigen Kriege) manche Erleichterung verschafft hatten. Inzwischen ist aber bestimmt worden, daß die Bürger nur bei Gelnhausener Juden leihen dürfen. Auch in die Hochverratsbeschuldigung des „Kräuschen" wird die Gemeinde verwickelt (wie wir wissen, ohne Schaden), trotzdem sie bei der Rabbiner-Versammlung 1603 garnicht vertreten war. Im ersten Viertel des 17. Jahrhunderts wirkt in Frankfurt R. Salomon Geinhäuser als besonders gelehrter Mitarbeiter des Rabbiners Juspa Hahn. — Einiger Zuwachs kam aus Frankfurt und Fulda. Er verstärkte sich, seitdem Gelnhausen, preussisch geworden, die Bahnverbindung Frankfurt—Fulda bekam. 1900 bis 1924 zählt die Gemeinde fast gleichmässig 200 S., jetzt etwa 50. Vorsteher: Herr Scheuer, Barbärossastr. 6. — Synagoge Brentanostr. 8, aus dem 16. Jahrh., im 30jähr. Krieg zerstört, 1736 wieder aufgebaut, mit wunderschönem Rokoko- Schrein-Umbau. — Friedhof am Escher, vermutlich anstelle eines älteren. Aeltester entzifferter Grabstein von 1621. — Einen Beamten hat die Gemeinde nicht mehr. Gemeindemitglieder beten vor, Frankfurter Herren besorgen die Thora-Vorlesung. — Von allgemeinem Interesse: Das Romanische Haus, die Burgruine, die Städtmauer mit ihren Türmen und Toren. Der stark kohlensäurehaltige Solsprudel macht Gelnhausen zu einem Rheuma- und Herz-Heilbad. — Ueber Haitz, Kaltenborn, am Altenhainer Kopf vorbei in 2% Std. nach Wächtersbach; 1600 E., etwa 20 J. In 35 Min. nach Aufenau. Von hier Abstecher (40 Min.) nach Bad Orb. 5000 Einw., schon im Bayrischen gelegen, ringsum von bewaldeten Spessartbergen umgeben, mit kohlensäurehaltigen Solquellen, die gegen Herz-, Leberu. andere Leiden helfen. 1349 Verfolgung, 1464 wohnen hier Juden des Grafen von Hanau. 1525 im Bauernkrieg wird O. verwüstet. „Sie.machten sich auch an eines reichen Juden Haus und plünderten es rein aus". Jetzt hat die Gemeinde etwa 60 S. — Hotel M. Klein, Langstr. 26. Wir wandern von Aufenau in IV4 Std. nach Salmünster, 1600 E., schon 1000 genannt, 1320 Stadt, mit kleiner, ganz verschwindender Judengemeinde. Ganz nahe Bad Soden, ein Herzheilbad, im Kinzig- und Salz-Tal, wo Spessart, Rhön und Vogelsberg sich nahe kommen. Schon 1349 Judenverfolgung. Ein Flüchtling ist wohl der 1367 genannte Moyse von Soden, Judenbürger zu Hanau. Heute zur Gemeinde Salmünster gehörend. Ruine Stolzenberg und das Rennaissanceschloß Soden, heute Huttenschloß genannt. Von Salmünster in 1% Std. nach Steinau „an der Strasse". 2300 Einw. Schöne alte Stadtmauer und Fachbauten, Wohnhaus der Brüder Grimm (hier zeichnet auch Ludwig Emil Grimm, der jüngste der Brüder, das „Preusje von Schlüchtern"). Im Steinaubachtal sehenswerte Tropfsteinhöhle. 1335 hat Steinbach eine Juden gemeinde. Sie wird 1349 mit solcher Grausamkeit ermordet, dass der Ort von diesem Zeitpunkt an nicht mehr von Juden bewohnt worden ist. Noch im 18. Jahrh. gab es dort ein Judentor, gemalt von L. E. Grimm; in der Nähe die J udenäcker. Ein alter Flutgraben, der ihre Westgrenze bildet, t Günstige Gelegenheit für Braufleute und Auswanderer % Wäsche-Spezlalhaus Heinemann & Lehmann ^Goethestrasse 25 gegr. 1903 Telefon 23486 »J MonogrammeSr.?i,.x£ feinste Stickereien, Anfertigung von Fflet-tireedecken. Anfertigung und Reparatur, Oberhemden, Schlafanzüge, Seiden» u." Bettwäsche, Sterbekleider MM f) V Quinckestr. 11 M. K Jk Telefon 45177 Kauft bei nnseren Inserenten Schuhe — Sandalen — Pantoffel im Sommer-Schluss-Verkauf enorm billig bei HÖH HANN &Co. Fahrgasse'89 Bitte Hausnummer beachten Für Auswanderer Werkzeuge ■ Werkzeugmaschinen Komplette Werkzeug «Einrichtungen A. Heimann Söhne Frankfurt-M„ Zeil 2t Tel. 22061 und 22062