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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1937-08-01 · 11 (8.1937) · p. Seite 7

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
15 (1936-1937)
Issue
11 (8.1937)
Date
1937-08-01
Page
Seite 7 (sequence 9)
Language
German
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No. 11 August 1937 JÜDISCHES GEMEINDEBLATT FÜR FRANKFURT Seite 7 Dr. iur. Hugo Hoff mann *%nsSB1 Versicherungen aller Art Maser Ein Gedenkblatt für Meier Aaron Goldschmidt von Dr. Siegnrand Hirsch Maser — so heisst ein kleines Prachtstück der Erzählnngskunst Meier Aaron Goldschmidts. Dieser bei uns kaum bekannte Schilderer jüdischen Lebens war ein dänischer Schriftsteller. Er gehörte einst als charaktervoller, wegweisender Leiter angesehener Blätter in Kopenhagen, als Schöpfer vortrefflicher Romane und Novellen zu den Meistern der Prosa seines. Heimatlandes Dänemark. Meier Aaron Goldschmidt ist vor fünfzig Jahren — am 15. August 1887 — gestorben, aber nichts Verstaubtes ist in der gemütvollen Geschichte, in der es um die Pflicht zur Abgabe des Zehnten, des Maser, geht. Man fängt an zu lesen und wird von der Echtheit und Wärme der Stimmung wie von der Treue und Schärfe der Menschenzeichnung gefesselt. Der alte Junggeselle Simon Levi geniesst nach der harten Arbeit der Woche in seinem dürftigen Heim den friedvollen Freitagabend. Simon hat mit seiner ebenfalls unverheirateten Schwester Gidel nach dem Gottesdienst gegessen, dann das Dankgebet gesagt'und ein paar Psalmen gesungen. Bei dem Mitsummen ist Gidel eingenickt; ihr Bruder sitzt, das verblichene Samtkäppchen zurückgeschoben, in seine hebräische Bibel vertieft, da. Ab und zu greift er nach seinem Nachtisch, grauen Erbsen, die, in Salzwasser gekocht, einzeln, kalt genossen werden; er trinkt als grosse Delikatesse bisweilen einen Schluck Bier dazu. Einem Mann von solcher Genügsamkeit und solch einem Magen kann es eigentlich gleichgültig sein — sagt der Erzähler heiter —, ob der Reichtum oder das sogenannte „Glück" in sein Haus treten oder nicht. Aber das Schicksal will es nun einmal, dass Simon Levi jäh aus der so behaglich begonnenen Sabbatruhe aufgerüttelt wird. Ein fremder Herr erscheint in der ärmlichen Stube. Es ist ein Legationsrat aus dem Ministerium des Aeusseren; er bringt die Nachricht, dass Simon von einem in Argentinien verstorbenen Bekannten, dem er vor Jahren mit seinem ganzen Vermögen beigestanden, zweihunderttausend Taler geerbt hat. Als die Geschwister wieder allein sind, sehen sie sich wie betäubt an. Sie haben beide die Fassung verloren. Nur in aufgeregtem unaufhörlichem Reden kann sich Simon Luft machen: „Reich? Zweimal hunderttausend Taler? ... Gidel, kannst du das begreifen? Kannst du dir anmerken, dass du ein reiches Mädchen bist, — denn das bist du. Wenn ich reich bin, bist du auch reich. .. Aber ist eine Veränderung geschehen?____ Was heisst das, reich sein? Gidel, mir wird schwindlig. Kann ich mehr essen? Ich habe keinen Hunger. Kann ich mehr trinken? Einmal werden wir alle in unseren Sarg gelegt, dann bekommen wir ein Stück Leinen mit einem bischen Erde drin unter dem Kopf, — — was ist denn Geld? Kannst du es mitnehmen? — Stuss!" Nur langsam beruhigen sich die verwirrten Gedanken Simons. Und bevor er in sein Schlafzimmer geht, fällt ihm etwas Wichtiges ein: Gidel darf niemand etwas über die Höhe der Erbschaft sagen, denn Levi befürchtet, dass sein Bruder, der Windbeutel, dann gleich 400000 Tal er von ihm borgen wolle. _ Annahme sämtlicher Reparaturen und Anfertigungen Dieser Bruder tritt in den Tagen, die auf den erregenden Freitagabend folgen, in den Mittelpunkt der Ereignisse. Er ist ein hübscher, für seine Umwelt aufgeschlossener Mensch, der das Leben leichter nimmt. Eigentlich heisst er Mordochai, bei seinen Geschwistern Mortche, aber er hat seinen Namen in Martin modernisiert, worüber Simon halb belustigt, halb verärgert, immer seine Glossen macht. Und die dritte „Windbeutelei" ist, dass Mortche oder Martin in seiner natürlichen Freude am Dasein sich und seiner Familie vieles gönnt,was sein anders gearteter Bruder für ganz überflüssig hält. So zum Beispiel die weissen Markisen vor den Fenstern, an denen Simon nie vorbeigehen kann, ohne zu murmeln: „Markisen! Unsere Owaus Awauseinu Markisen!" MÖBEL AUCH FÜR AUSWANDERER! H. Z I M M E R HAN AUERLANDSTRASSE 4V Als die grosse Summe eingetroffen ist, wird Simon Levi nicht glücklicher. Der falsche Ehrgeiz, der ihn veranlasst, sich nun an die angesehenen, reichen Glaubensgenossen anzuschliessen, paßt nicht zu seinem Wesen. Und. dann beschäftigt ihn die peinliche Frage des Maser: soll er gleich ein Zehntel vom ganzen Kapital geben oder nur jährlich den zehnten Teil der Zinsen? Hat er dann nicht seine Pflicht schon getan, indem er bei einem Fest 500 Taler den Armen gespendet und seinem Bruder zur Einlösung eines Wechsels 1000 Taler überlassen hat? Schon hat Simon sein Gewissen durch Träume von einer grossen allgemeinen Stiftung, die er als Legat hinterlassen will, beruhigt, da kommt sein Bruder Martin ohne eigene Schuld in schwere geschäftliche Not: er braucht 20000 Taler, sonst muß er Konkurs machen, und die geplante Heirat seines Sohnes, der schon lange ein armes tüchtiges Mädchen liebt, kann nicht stattfinden. Gidel ist tief erschüttert, als ihr Martin erzählt, daß sein Haus in Gefahr ist. Sie liebt Simon, weil er gewissermassen sie selber und sein Leben auch ihr Leben ist. Aber die Unverheiratete fühlt für Mortche eine besondere Liebe, weil er verheiratet ist und Kinder hat, und dann weil in seinem Wesen etwas wie ein Hauch aus aus einer leichteren Welt ist, ein Strahl von Poesie. Vergeblich sucht Gidel, die schon längere Zeit leidend ist, auf Simon einzuwirken, damit er die Summe hergibt. Er bleibt unerbittlich, er will sich nicht zwingen lassen, auf den Betrag zu verzichten, der eine unheimliche Aehnlichkeit mit dem eigentlich geschuldeten Maser hat. Er versteift sich in seinen Gedanken darin, daß er seine Pflicht getan, weil er mehr als die Zinsen gegeben hat. Aber Simon Levi wird auf den rechten Weg zurückgebracht. Gidds Leiden verschlimmert sich, es muß eine Operation vorgenommen werden, und der Arzt erklärt dem Bruder vorher, wie ernst es mit der Kranken steht. Da kommt Simon zur Erkenntnis, daß er sich versündigt hat. Während der Arzt sich schon seine JUWELEN /GOLD /SILBER BGStCCke echt Silber und versilbert Trauringe Uhren An- und Verkauf aus Privatbesitz stets Gelegenheit en OB H/29301 »

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