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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1937-08-01 · 11 (8.1937) · p. Seite 6

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
15 (1936-1937)
Issue
11 (8.1937)
Date
1937-08-01
Page
Seite 6 (sequence 8)
Language
German
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Seite 6 JÜDISCHES GEMEINDEBLATT FÜR FRANKFURT' No. 11 August 1937 Benutzen Sie für die Einkäufe die günstige Gelegenheit des #f f f Sommer-Schluss-Verkaufs oßltOfllOtttl C'ia Iranfftn Anrtvm r\ill!n TEXTIL-KAUFHAUS Sie kaufen enorm billig Lelpzlgerstr. 14, Nahe Bockenheimer Warte ten Musikern aufgrund ihrer jüdischen Abstammung gemeinsame Züge aufzeigen zu wollen. Es sind bei ihnen alle Spielarten des Interpreten anzutreffen, der temperamentvolle und der gezügelte, der objektivierende und der mehr sein „Ich" auslebende. Aber vielleicht ist es doch kein Zufall, daß ein gewisser Typ sich besonders häufig in der jüdischen Gruppe findet, der des „Pioniers" nämlich, d. h. jenes Musikers, der sich nicht damit begnügt, immer wieder Geläufiges aufzuführen, sondern wagemutig für Unbekanntes eintritt.. Daß Mendelssohn die Matthäuspassion, die seit Bachs Tod nicht mehr erklungen war, 100 Jahre nach ihrem Entstehen zu neuem Leben erweckte, ist bekannt. Einer der ersten Vorkämpfer für Wagner war der Münchener Hofkapellmeister Hermann L e v i, den der Meister zum Dirigenten derParsifal-Uraufführung in Bayreuth erkor. Ferdinand Löwe wurde der Apostel Bruckners, noch ehe die Welt dessen Bedeutung erkannt hatte. Bruno Walter ebnete den Werken Mahlers und Pfitzners die Bahn. R o 11 e n b e r g s stete Bereitschaft für junge Musik ist den Frankfurtern noch in bester Erinnerung. Siegfried Ochs erschloß vielen Bach- und Schütz^ Kantaten zum ersten Male den Weg in den Konzertsaal. Auch den jüngeren Kapellmeistern bedeutet es eine selbstverständliche Pflicht, sich für das Werdende einzusetzen. So wurde eine Eigenschaft, die uns Juden oft als Vorwurf trifft, daß wir nämlich allzuschnell dem Neuen nacheilen, in der reproduktiven Musik positiv als Trägerin des Fortschritts fruchtbar. 3. "„Liederbuch für israelitische Schulen" Auch im innerjüdischen Bezirke geriet nach der Befreiung vom Ghetto das musikalische Leben in Bewegung. Sulzer, Lewand o w s k i und Naumbourg leiteten eine Reform der Synagogenmusik ein, die in ihren wesentlichen Zügen noch heute Gültigkeit besitzt. Daneben wurde freilich auch eine Angleichung an den Kult der Umgebung großgezüchtet, die zu geschmacklosen Entgleisungen führte. Ganz schlimm scheint es in dieser Hinsicht vielerorts um den Schulgesang bestellt gewesen zu sein. Der Zufall spielte uns ein in den 60er Jahren erschienenes Büchlein in die Hand, betitelt „Sifre Simroh", Liederbuch für israelitische Schulen. In seinem allgemeinen Teil unterscheidet es sich wohl wenig von dem, was damals auch in den staatlichen Schulen als Unterrichtsmaterial Verwendung fand. Unserem heutigen Urteil halten nur hoch wenige Gesänge stand. Geradezu kläglich aber wird der Eindruck, wenn es um unser Eigen1stes geht, also bei den Liedern für jüdische Feste und für das jüdische Haus. Die Produkte, die da geboten werden, sind in ihrem künstlerischen Niveau und in ihrer Nachäffung , des Nichtjüdischen so jämmerlich, daß wir sie nur noch humoristisch betrachten können. Da findet sich beispielsweise ein Lied;Judas Wappen" (Melodie: „Wem Gott will rechte Gunst erweisen"), dessen Anfang lautet: „Als Jakob naht die letzte Stunde, versammelt er, der Söfine Schar; die Hand auflegend in der Runde, bringt Jedem er sein Gleichnis dar". Oder ein Lied „Schalosch Regalim" (Die drei Wallfahrtsfeste), das nach der Weise „Weißt du, wieviel Sternlein stehen" anhebt: „Kennst du all die Wundertaten, die an Juda Gott getan? Kennst du all die Gnadensaaten, die erblühn im Heilesplan?" Die Fortsetzung kann sich jeder selbst ausdenken. Der Melodie des Weihnachtsliedes „Ihr Kinderlein kommet" werden gleich zwei Texte unterlegt: ein Gesang für den Festabend („Schehechianu") und— selbstverständlich! — ein Chanukkahlied: „Ihr Kinderlein, kommet und säumet doch nicht, laßt leuchten das herrliche Chanukkahlicht!". Nach diesen Proben setzt auch ein Lied für „Chol-Kreiscti" nach der Melodie von „Früh stehri wir vom Lager auf, juppheidi, juppheida" nicht mehr in Verwunderung. Ein gewisser Höhepunkt wird in einem Chänukkahliede erreicht, das der Weise von „O Tannenbaum" folgende Worte zuweist: „Chanukkahlicht, Chanukkahlicht (Betonung auf der zweiten Silbe!), wir zünden froh dich heute! Du kündest uns recht frohe Zeit, obs draußen friert und stürmt und schneit". So wären noch eine Menge erheiternder Beispiele anzuführen. Die biederen Herausgeber des schmalen* Bändchens meinten es sicher gut und wären erstaunt gewesen, wenn man ihnen hätte klarmachen wollen, daß sie sich auf falschem Wege befänden. Sie konnten eben nicht über ihre Zeit und deren Einstellung hinaus. Vielleicht läßt sich der hier vorliegende, besonders krasse Fall auch nicht verallgemeinern. Einigermaßen .versöhnend wirkt es, wenn wir ini Vorwort als Ziel des Liederbuchs angegeben finden: 1. Hebung des israelitisch-confessionellen Sinnes; 2. Hebung des israelitischen Familienlebens; 3. Hebung des Sinnes der Jugend für die Natur, sowie für Ackerbau und Handwerk. „Zeitgemäßer" hätte auch heute der Verfasser einer Gesangsfibel sein Büchlein nicht einleiten können! israeMsche Männer- und Fraoen-Krankenkasse, Frankfiiri-M. Wir bieten durch neue Tarife ' " ' ■ günstigen Versicherungsschutz Auskunft durch die Verwaltungskömmission Re chneigr abenstr aße 18, Fernsprecher 23466

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