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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1937-08-01 · 11 (8.1937) · p. Seite 5

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
15 (1936-1937)
Issue
11 (8.1937)
Date
1937-08-01
Page
Seite 5 (sequence 7)
Language
German
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No. 11 August 1937 JÜDISCHES GEMEINDEBLATT FÜR FRANKFURT Seite 5 Choral hinein zu spüren sind. Nach einer erneuten Blütezeit während des zweiten Tempels vollzog sich die musikalische Betätigung der Juden weit über ein Jahrtausend lang in den engen, vor jeder freieren Entfaltung abgeriegelten Kanälen eines bescheidenen synagogaleri oder häuslichen Singens und Musizierens. Gestalten wie der Minnesänger Süßkind von Trimbefg (um 1200) oder Salomone Rossi (um 1600) blieben seltene Ausnahmen.*) Ist es nun nicht erstaunlich, daß das jüdische Volk nach dem Fall der Ghettomauern trotz alledem noch die Kraft besaß, im Gebiete der großen musikalischen Formen (Oper, Oratorium und Symphonie) Leistungen hervorzubringen, die zu ihrer Zeit an führender Stelle standen? Zwar sprang der unversiegte Quell musikalischer Produktivität nicht mit einem Male auf. Er sammelte sich nicht in einem einzigen überragenden Genie. Drei in gemessenen zeitlichen Abständen aufeinanderfolgende Meister waren ausersehen, Träger dieser Manifestation eines ungebrochenen künstlerischen Schöpfergeistes zu sein: Meyerbeer (geb. 1791), der in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts während mehrerer Jahrzehnte unumschränkter Beherrscher der europäischen Opernbühne war; Mendelssohn (geb. 1809), der mit „Paulus" und „Elias" den wesentlichsten Beitrag des Jahrhunderts zum Oratorium leistete; und endlich Mähler (geb. 1860), der am Ausgang des Jahrhunderts die Symphonie durch neue Ideen maßgeblich beeinflußte. In drei Etappen wurde der gleichsam unterirdisch fließende Strom jüdischer Musikalität wieder in das helle Licht der Weltöffentlichkeit getragen. Das Schaffen dreier wesensverschiedener, völlig unabhängig voneinander wirkenden Komponisten rundet sich so dem rückschauenden Blicke hinsichtlich des völkischen Seins zu einer sich ergänzenden Einheit. Ohne den geschichtlichen Gegebenheiten Zwang anzutun, können wir demnach Meyerbeer, Mendelssohn und Mahler auf eine Linie bringen. Ja, wir dürfen vielleicht noch einen Schritt weiter gehen und sie, unter der Voraussetzung, daß im schaffenden Künstler sich wirklich wie in einem Brennpunkte die nationalen Eigenschaften eines Volkes verdichten, als Exponenten ganz bestimmter, im Judentum ausgeprägter Arten von Geisteshaltung ansehen: M e y e r b e e r als Prototyp des weltgewandten, ehrgeizig und rücksichtslos auf Erfolg bedächten, aber dabei gütigen und sozial empfindenden Menschen; Mendelssohn als Vertreter einer zurückhaltenden, übersensiblen, jedem Kampf aus dem Wege gehenden Geistigkeit; Mahl er als Beispiel des ekstatisch ringenden, mystisch verzückten und doch erdgebundenen Gottsuchers. Es ist diesmal nicht beabsichtigt, die hier angedeuteten Gedankengänge auf breiterer Grundlage zu untersuchen. Nur sei noch ergänzend vermerkt, daß sich der Anteil der Juden am musikalischen Schöpfertum selbstverständlich keineswegs auf die genannten Musiker beschränkt, sondern durch eine namhafte Fülle der Erscheinungen repräsentiert wird. Vor allem darf die merkwürdige Tatsache nicht vergessen werden, daß das Judentum trotz der unsäglichen Bedrückung imstande war, der heiteren Kunst einen Meister zu schenken, der eine ganz neue Gattung leichtgeschürzten Bühnenspiels ins Leben rief: Jacques Offenbach, den Begründer der Operette. 2. Jüdische Dirigenten Daß die Juden sich durch ihr Einfühlungsvermögen besonders für das reproduktive Musikertum eignen, ist oft betont worden. Viele berühmte Sänger und Instrumentalisten legen dafür ehrendes Zeugnis *) Die Musik des Abendlandes drang bis znr Höhe der Klassik vor, das Judentum blieb zum Schweigen verurteilt. Alles für die fteise? Lassen Sie sich unverbindlich zeigen, was Dr. Albersheim an Praktischem und Schönem für die^Reise bringt. Dr. Albersheim. Kaiserstrasse 9 Telefon: 22561 ab. Noch bedeutsamere Spuren im Musikleben hinterließ das Wirken jüdischer Dirigenten. Warum gerade der Dirigentenberuf eine starke Anziehungskraft ausübte, ist leicht einzusehen. Mehr als jeder andere Musiker ist der Kapellmeister „Mittler". Er steht nicht nur zwischen Werk und Hörer, sondern auch zwischen Werk und Ausführenden; nach zwei Seiten muß sich seine Suggestionsfähigkeit bewähren. Speziell für diese Art des Nachgestaltens nun, die zu ihrer Verwirklichung des gestischen Ausdrucks bedarf, zeigten sich jüdische Musiker prädestiniert. Für einzelne Ehrgeizige mag wohl auch der Glänz der äußeren Stellung, der sich seit der Wandlung des früher wenig beachteten Stabführers zum „Pultvirtuosen" und zur verwöhnten „Primadonna" des Konzertsaals erheblich vermehrt hatte, das Bestimmende gewesen sein. Sicherlich bildeten aber vielfach gerade die umfassenden, über das rein Musikalische hinausgehenden Anforderungen, die das Dirigentenamt stellt, den Anreiz. Der Jude ist auch sonst meist nicht „Nur-Musiker", sondern einer weiteren Interessensphäre aufgeschlossen. Um so mehr mußte ihn eine Musikausübung anlocken, die neben der Summe fachlicher Fähigkeiten noch erzieherische, organisatorische Begabung verlangt und nicht zuletzt weitgehende Allgemeinbildung voraussetzt. — Unsere großen Komponisten waren auch zugleich große Dirigenten. Meyerbeer bekleidete jahrelang mit Erfolg den Posten eines Generalmusikdirektors am Berliner Hofe. Mendelssohns von frühester Jugend an geübte kapellmeisterliche Tätigkeit gipfelte in der Leitung der Leipziger Gewandhauskonzerte, die er zu europäischer Bedeutung emporhob. Mahler erfuhr als meisterlicher Dirigent uneingeschränkte Anerkennung auch von denen, die ihn als Komponisten befehdeten. Sein Wirken als Wiener Operndirektor steht in der modernen Operngeschichte fast ohne Beispiel da. Als schaffende Musiker, die zugleich prominente Dirigenten waren, lassen sich aus dem vorigen Jahrhundert Ferdinand H i 11 e r und Friedrich Gernsheim anführen. Ihnen reiht sich die stolze Zahl der Dirigenten an, bei denen das Reproduktive im Vordergrund stand. Es seien, ohne daß im geringsten Vollzähligkeit angestrebt wird, genannt: Leo Blech, Oscar Fried, Gustav Brecher, Selmar Meyrowitz, Egon Pollak, Julius Prüwer, Otto Klemperer, Siegfried Ochs. Ludwig Rottonberg, Bruno Walter, Issaye Dobrowen, Frieder Weißmann, Josef Rosenstock, H. W. Steinberg, Michael Taube. Es wäre ein fruchtloses Beginnen, zwischen all diesen persönlich scharf profilier- E3 Sommer-j Schluß-Verkauf * billigste Gelegenheit für beste" Qualität FRANKFURT A.M. KAIS ERSTRASSE 8 elze Persianer' Fohlen Silberfüchse in grosser Auswahl besonders preiswert Feinste Maßanfertigung Umarbeitung Pelz-Rosenblum I Kürschnermeister iTelefon 259Q4 / Qr. Hlraohgraben 26 ^iLleo'Fesnap Ihr^Maß-Anzug! 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