Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 15 (1936-1937)
- Issue
- 10 (7.1937)
- Date
- 1937-07-01
- Page
- Seite 6 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 No. 10 Juli 1937 FuBpflege-Abtellg. Pjck & OQStreiClier Gummiwaren »anHflhn«uL Fahrgasse 113 Goethe.tr. 13 Aerzte-Bedarf von Hühneraugen Tel »l247 Trf *Bnwwa»n Als ein Mittler, der vielen den Zugang zu schwer erschließbarem geistigem Gut geschaffen hat, wird Ludwig Fulda stets mit Ehre genannt werden. Aber auch die kluge Menschenbeobachtung in seinen Sprüchen und Gedichten ist nicht veraltet, und wie heute gesehrieben wirken seine vor Jahrzehnten gedichteten Verse, in denen er die uns allen eigene Philosophie des „Hätt ich" wehmütig heiter sprechen lässt: Ja, hätte mir von Anbeginn so manches nicht gefehlt, und hätt' ich nur mit anderm Sinn den andern Weg erwählt, und hätt' ich auf dem rechten Pfad die rechte Hilf' empfahn und so statt dessen, was ich tat, .* das Gegenteil getan; und hätt' ich vieles nicht gemusst auf höheres Geheiss, und nur die Hälft' vorhergewusst von dem, was heut' ich weiss, und hätt' ich ernstlich nur gewollt, ja, wollt' ich nur noch jetzt, und wäre mir das Glück so hold wie manchem, der's nicht schätzt, und hätt' ich zehnmal soviel Geld und könnt', was ich nicht kann, und kam' noch einmal auf die Welt — ja, dann! — Kranken-Versicherung |Afarfhoim Zuverlässige Beratung ffieiinvllll Reuterweg 53 Tel. 74535 Leben, Auto, Unfall ". Haftpflicht, Maschinen Hausversioherungen eto. Das Philanthropin unter Sigismund Stern Zu seinem 125. Geburtstag (geb. 2. Juü 1812) . . . von Dr. A rth u r G all i n er' "... . Von den fünf Direktoren, die das Philanthropin in den 133 Jahren seines Bestehens geleitet habend hat Sigismund Stern den-kürzesten Zeitraum an der Schule gewirkt, kaum 12 Jähre, vom 2. Juli 1855 bis zum 9. Mai 1867. Aber er hat doch in dieser kurzen Zeit der Schule den Stempel einer ungewöhnlichen, starken Persönlichkeit aufgeprägt. Als Dr. Heß nach nahezu 50jähriger Tätigkeit im Jahre 1854 pensioniert wurde, war man auf der Suche nach einem geeigneten Nachfolger auf Dr. Stern gekommen. Abraham Geiger, damals in Breslau, "und Bert hold Auerbach hatten auf ihn besonders empfehlend hingewiesen, und der Vorsitzende des Schulrats, Josef Rütten, der ihn in Berlin aufgesucht, berichtet: „Herr Dr. Stern genießt fn seiner Vaterstadt bei Männern aller religiöser Richtungen eine ungeteilte Achtung. Er besitzt in hohem Grade die Gabe des Worts, weiß zu repräsentieren, hat ein bedeutendes Organisationstalent und eine feste, ihn an das Judentum knüpfende Ueberzeugung; er ist beliebt bei den Kindern, die ihn innig verehren, und genießt den Ruf eines gewandten Lehrers. In dieser Beziehung kann der Schulrat auf das kompetente Zeugnis des Herrn Seminardirektors Diesterweg, welches im Original beiliegt, Bezug nehmen, sowie auf den ebenfalls hier beiliegenden Brief des Herrn Dr. Gabriel Riesser!" — Wer von solchen Männern rühmend genannt und für einen verantwortungsvollen Posten vorgeschlagen wurde, mußte schon etwas bedeuten, mußte etwas geleistet und sich über den engen Wirkungskreis hinaus bekannt gemacht haben. Und so war es. Stern war nicht mehr wie;sa mancher seiner Zeitgenossen Autodidakt, er hatte in geregeltem Bildungsgang auf Gymnasium und Universität die philosophische wie die philologische Bildung seiher Zeit in sich aufgenommen, hatte in Berlin Hegel und Schleiermacher, Boeckh und Bopp, Lachmann und Carl Ritter „mit rühmlichem Fleiße" gehört, hatte dann zehn Jahre lang die vorher von Dr. Jost geführte Schul- und Pensionsanstalt für Knaben in Berlin geleitet und durch eine Handelsschule erweitert, hatte die „Gesellschaft für Reform im Judentum" mitbegründet und hatte wiederum etwa 10 Jahre hindurch an der jungen jüdischen Reformgemeinde das Präsidium des Vorstandes;inne, zugleich eine Reihe von wichtigen Funktionen, vor allem die Leitung des Religionsunterrichtes. Darüber hinaus aber hatte er eine.reiche literarische und wissenschaftliche Tätigkeit entfaltet, hatte in sprachwissenschaftlichen, historischen, politischen und religiönsgeschichtlichen Arbeiten seine Gedankenwelt offenbart, die in der: klassischen Literatur und Philosophie der großen Dichter und Denker wurzelte und in der Atmosphäre der geistigen, politischen, religiösen Bewegungen jener Zeit emporwuchs. Der ganze Reichtum dieser Kräfte, dieses weiten Geistes ward nun eingefangen, eingespannt für die große pädagogische Aufgabe, das Philanthröpin, die Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt, zu einer modernen Schule zu machen. Diese Schule mit ihren 600 Kindern, 23 Lehrern und 5 Lehrerinnen war damals eine der größten und angesehensten ihrer Art in Deutschland. Gewiß war das hohe Ansehen dem Leiter Dr. Hess und seinen Mitarbeitern zu danken,.äber dadurch^ daß fünf Jahrzehnte hindurch die Leitung in derselben Hand geblieben^ konnten die von der. neuen Zeit und den neuen Verhältnissen geforderten Reformen nicht in der notwendigen Weise sich vollziehen. Zwei Aufgaben waren es vornehmlich, die Stern mit voller Klarheit erkannte und zu lösen unternahm: Zunächst: Durch die Schule sollte Bildung und Gesittung der ^Gemeinde auf ein höheres Niveau gehoben werden, aber nicht im Sinne konfessioneller Beschränkung, sondern in der Rieh- GerUnuil haben Sie auef) die richtige Kleidung dafür? Der leichte Sommer-Anzug, der praktische Valmeline- Mantel, die gute Sommerhose, das beliebte Leinen- Sacco und vieles andere in grosser Auswahl Das große jüdische Spezialgeschäft für Herren* u. Knaben-Kleidung Hindenburgplatz12 geg.d. Hauptbahnhof