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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1937-07-01 · 10 (7.1937) · p. Seite 5

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
15 (1936-1937)
Issue
10 (7.1937)
Date
1937-07-01
Page
Seite 5 (sequence 7)
Language
German
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No. 10 Juli 1937 Seite 5 sein wollte. Werke von umwälzender Kraft und bleibender Bedeutung waren diese Stücke nicht, so sehr sie auch zündeten und soweit sie auch den Namen ihres Verfassers bekannt machten. Gewiss war Ludwig Fulda, in seiner ernsten Kunstauffassung und in seinem unermüdlichen Streben nach den höchsten Zielen, kein Vielschreiber, der nur auf äussere Wirkung bedacht war. Aber auf seine Schöpfungen traf doch zu, was er in einem Sinngedicht selbst hübsch und wahr ausgesprochen hatte: Rom baut man nicht in einer Nacht und nicht in einer Woche, und was sogleich Effekt gemacht, nur selten macht's Epoche. Nur einmal führte ein ganz grosser Bühnenerfolg Ludwig Fuldas etwas wie eine neue Epoche herbei: es war „D e r Talisman". Ein alter Stoff, in Andersens Märchen „Des Kaisers neue Kleider" prachtvoll erzählt, war frisch, anmutig und mit fesselnder gedanklicher Vertiefung zu einer Theaterdichtung gestaltet, die solche Begeisterung weckte, daß Romantik und Märchendrama für einige Zeit die deutsche Bühne beherrschten. Dem im Cäsarenwahn verblendeten jungen König öffnet Omar, der Sohn eines wegen seiner aufrechten Art in der Verbannung gestorbenen Feldherrn, die Augen. Er tritt als Zauberkünstler auf und verspricht dem von Schmeichlern und Heuchlern umringten Herrscher einen wunderbaren Talismann: er will ihm ein Gewand weben, das nur die Treuen sehen können, das aber den Schlechten unsichtbar bleibt. Durch diesen Talisman soll also der König die Kraft erhalten, „Die Wahrheit von dem Schein, Unwert von Wert und Falsch von Echt zu trennen". Nach scheinbar emsiger Arbeit — so gibt ein Zeitgenosse Fuldas die Handlung des bejubelten Märchenschauspiels wieder — zeigt Omar dem Herrscher und dem Hof einen Kleiderständer, auf dem — nichts hängt. Der König, der nicht als schlechter Mensch, als Lügner erscheinen will, muß, so wie sein ganzer Hof, zum Lügner werden: alle behaupten, das Gewand zu sehen. Beim Festzug schreitet der König, die Krone auf dem Haupt, aber nurmit weißseidenen Unterkleidern angetan, über die Strasse, und das Volk drängt sich, um das neue, herrliche Gewand zu bewundern, das in Wirklichkeit niemand sieht. Nur ein unschuldiges Mädchen vermag nicht zu lügen und spricht es laut und unbefangen aus: der König hat ja gar nichts an. Das Wort zündet in der heuchelnden Menge; plötzlich sagt jeder, daß gar kein Kleid vorhanden ist. Nach langem Sträuben muß sich auch der Herrscher von der Macht der Wahrheit beugen und wird von seinem Grössenwahn geheilt. Durch den klaren Aufbau, durch die lebendige Zeichnung der Gestalten, durch die hübsche Mischung von Ernstem und Heiterem gewann Fuldas dramatisches Märchen in seiner wunderschönen und doch schlichten Verssprache überall die Herzen. Es blieb sein grösster Erfolg. Mit dem Wandel von Zeit und Geschmack, mit einer Entwicklung, die kaum vergangene Jahre wie die „gute alte Zeit" erscheinen ließ, verblasste auch die Farbe von Dichtungen, üie „gleich buntschillernden, schnellvergänglichen Schmetterlingen über des Lebens dunkeln Tiefen gaukelten". Ludwig Fulda erlebte, daß der Sinn für seine dramatischen Schöpfungen so dahin schwand wie die Empfänglichkeit für die Kunst des gefeierten Erzählers Paul Heyse, zu dem Fulda wie zu einem unerreichbaren Vorbild emporgeschaut hatte.-- alles für die fteisel Lassen Sie sich unverbindlich zeigen, was Dr. AIbersheim an Praktischem und Schönem für die Reise bringt. Dr. Albersheim, Kaiserstrafje 9 Telefon: 22561 Also bleibt nur eine ehrende Erinnerung als Huldigung für den Dichter? Nein. Der Name Ludwig Fuldas bedeutet mehr als eine Episode in der deutschen Literatur- und Theatergeschichte. Er wird weiterleben, weil Fulda „den Mut zu lernen und den Mut zu danken" bewährt hat. Immer wieder hat er sich in die grossen Werke germanischer und romanischer Sprachen vertieft und gedankt hat er für 'den Genuß und Gewinn, den sie ihm brachten. Durch Verdeutschungen, die sich so frisch lesen, daß man nicht an eine Uebersetzung denkt. Als ein Meisterdolmetsch — darin seinem Lehrer Paul Heyse vergleichbar — hat er künstlerische Nachdichtungen geschaffen, in denen er, nach Erich Schmidts Wort, die rechte Treue und die rechte Freiheit des Einschmiegens in fremde Stilarten zeigt. Durch seine Uebertragung der berühmtesten Werke Molieres hat er seinen Namen für immer mit dem des französischen Lustspieldichters verbunden. Ludwig Fuldas Uebersetzungskunst ist es zu danken, daß der grosse dramatische Menschenschöpfer wieder für die deutsche Bühne gewonnen wurde; durch Fuldas Verdeutschung von Komödien Molieres wurden Sudermann und Hauptmann in ihrem Schaffen beeinflusst. Als ein Meister anmutiger Verskunst war Fulda auch der rechte Mann, um Kleinodien der französischen Rokokodichtung in seiner Sammlung „Die g e p u d e r t e M u s e" deutsch wiederzugeben; was er sich dabei vornahm, ist ihm gelungen: diese ergötzlichen Verserzählungen haben nichts von dem schaukelnden Flug und Fluß der Verse, nichts von dem glitzernden, perlenden Spiel der Reime verloren. Bei der Uebertragung der Komödien von Edmond R o s t a n d, besonders des Cyrano de Bergerac, hat Fulda eine andere unendlich schwierige Aufgabe mit wunderbarer Leichtigkeit gelöst. Die Kunst des Uebersetzers Fulda kann hier bei der Feinheit und Fülle seiner^ Leistungen nur kurz berührt werden. Sie hat sich auch bei Werken germanischer Sprachen bewährt: bei seiner Mitarbeit an der grossen Ibsen-Ausgabe, bei den lyrischen Nachdichtungen der eingestreuten Lieder in den Werken Björnsons, besonders in den Erzählungen. Und als Meister, mit dem nur der Tristan- und Parzivalübersetzer Wilhelm Hertz zu verr 'eichon bat sich Ludwig Fulda gezeigt, indem er das mi;tcii. tliLo;tsche Gedicht vom Meier Helmbrecht, die großartigste deutsche Novelle des Mittelalters, in Versen wiedergegeben hat. Mit Recht haben die deutschen Lesebücher ihre Proben aus dieser gewaltigen, alten Dichtung immer der wundervollen Erneuerung Ludwig Fuldas entnommen. — Bohner ■ Brotröster*" Bügeleisen §»|Fön ■ Grill ■ Heizkissen ■ Herde Höhensonne, Original Hanau ■ Kaffee-Maschinen — Mühlen ■ Kochplatten Kocher ■ Kühlschränke ■ Staubsauger ■ Tauchsieder ■ Teemaschinen ■ Waschmaschinen ■ Ventilatoren ■ Beleuchtungskörper usw. Nähmaschinen Schallplatten Koffer-Apparate 1 1 Adler ■ Phoenix ■ Singer ■ iVeritas Elektrola ■ Grammophon ■ Telefunken Plattenspieler ,»i Radio-Apparate ■ Alle gangb. Fabrikate. ■ Umtausch aller Geräte geg. Weltempfänger ■ Ständig Gelegenheitskäufe von 15 — an ■ Reparaturen erstklassig, schnell, billigst ■ Änfennenbau - Dach-, Hochu abgeschirmte FOTO ■ Contax ■ Contaflex ■ Leica usw. Für Palästina ■ Haller-Petroleumherde — Oefen Rufen Sie mich bitte an, Ich komme zu Ihnen Ins Haus! E1EKTRO und Jeder Art HRMANN Bockenheimerlandstr. 71 # Ruf 73837

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